Wahlen USA

Parteitag der Republikaner, Teil Zwei: Melania Trump lobt Donalds „totale Ehrlichkeit“ - trotz 20.000 Falschaussagen

  • Teresa Toth
    vonTeresa Toth
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Die Republikaner nominieren auf ihrem Parteitag Donald Trump für die US-Wahlen 2020. First Lady Melania Trump lobt Donalds Ehrlichkeit.

  • Donald Trump wird bei der Wahl in den USA am 3. November als Präsidentschaftskandidat der Republikaner antreten.
  • Am zweiten Abend des Parteitags sollen mehrere Familienmitglieder Trumps sprechen – darunter die First Lady Melania Trump.
  • Die Republikaner greifen die Demokraten und deren Kandidaten Joe Biden scharf an.

+++ 08.25 Uhr: Die Republikaner bemühten sich am zweiten Tag ihres Parteitags sichtlich darum, der Kritik entgegenzuwirken, dass Donald Trump das Land mit seinen häufig kontroversen Aussagen spalte. First Lady Melania Trump sagte mit Blick auf die undiplomatische Art ihres Ehemannes: „Was wir als Bürger von unserem Präsidenten verdienen, ist totale Ehrlichkeit. Ob einem das gefällt oder nicht, man weiß immer, was er denkt, weil er eine authentische Person ist, die dieses Land und dessen Volk liebt.“ Sie fügte hinzu: „Er ist kein traditioneller Politiker, der nur redet. Er verlangt Taten und bekommt Resultate.“

Donald Trump: Melania Trump lobt die Ehrlichkeit des Präsidenten

Konträr zur angeblichen Ehrlichkeit Donald Trumps stehen zahlreiche Untersuchungen investigativer Medien in den USA. So hat zum Beispiel die „Washington Post“ bereits nach einem Jahr der Präsidentschaft Trumps ermittelt, dass dieser häufiger, wiederholter und garvierender lügt als überhaupt irgendein Präsident vor ihm. Seit seinem Amtsantritt bis zum Juli 2020 zählten die Reporterinnen und Reporter der „Washington Post“ 20.000 Lügen.

Donald Trumps unkonventionelle Art prägte auch den Parteitag am Dienstag. Unmittelbar vor dem Auftritt eines ehemaligen Häftlings beim Parteitag begnadigte Trump den Mann - und stellte Amerika damit als Land der unverhofften Möglichkeiten dar. Dominiert wurde der Dienstag von der Trump-Familie: Vor Melania Trump - die nach ihrer Rede von Donald Trump auf die Wange geküsst wurde - und Eric Trump hatte bereits Präsidententochter Tiffany Trump das Wort ergriffen.

Demokraten sprechen von „alternativer Realität“

+++ 06.50 Uhr: Während sich die Republikaner auf ihrem Parteitag erwartungsgemäß selbst feieren, verspotten die Demokraten Trumps Inszenierung als „alternative Realität“. Das Lager des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden hat den Republikanern vorgeworfen, das dort gemalte Bild Amerikas kenne nicht den Tod von Tausenden mit dem Coronavirus infizierten Menschen in der vergangenen Woche, erklärte die stellvertretende Wahlkampfleiterin Kate Bedingfield am Dienstagabend (Ortszeit) nach dem zweiten Tag des republikanischen Nominierungsparteitags.

„Die fortgesetzte Weigerung von Donald Trump, dieses Virus ernstzunehmen, hat den Vereinigten Staaten den schlimmsten Ausbruch in der Welt gebracht“, hieß es in einer Mitteilung von Bidens Wahlkampfteam nach dem zweiten von vier Tagen der republikanischen Versammlung.

Melania Trump auf dem Parteitag der Republikaner: Donald Trump liebt dieses Land

+++ 06.00 Uhr: Melania Trump hat in einer Parteitags-Rede für eine Wiederwahl ihres Mannes geworben - und ungewöhnlich offen über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die USA gesprochen. Präsident Donald Trump sei ein „authentischer Mensch, der dieses Land und seine Menschen liebt“, sagte die First Lady am Dienstagabend (Ortszeit) in ihrer Ansprache im Rosengarten des Weißen Hauses. „Ich glaube daran, dass wir die Führungsstärke meines Mannes jetzt mehr brauchen als je zuvor.“

In Harmonie: Melania und Donald Trump.

Zum Auftakt ihrer Rede ging Melania Trump auf die Corona-Krise ein. Seit März habe sich das Leben der Menschen in den USA „drastisch verändert“: „Der unsichtbare Feind Covid-19 ist über unser schönes Land hinweggezogen und hat uns alle getroffen“, sagte die 50-Jährige. „Mein tiefstes Beileid geht an alle, die einen geliebten Menschen verloren haben, und meine Gebete sind bei jenen, die krank sind und leiden.“

Viele Menschen machten sich Sorgen und fühlten sich "hilflos", sagte die First Lady. "Ich will, dass ihr wisst: Ihr seid nicht allein." Zugleich beteuerte sie den Einsatz ihres Mannes im Kampf gegen die Pandemie: "Donald wird nicht ruhen, ehe er nicht alles ihm Mögliche getan hat, um sich um jeden zu kümmern, der von dieser furchtbaren Pandemie getroffen wurde."

Eric Trump auf dem Parteitag der Republikaner: Mein Vater bringt Amerikaner zum Mars

+++ 5.25 Uhr: Präsidentensohn Eric Trump hat den Amerikanern in Aussicht gestellt, dass ihre Landsleute bald zum Mars fliegen werden. „Der amerikanische Geist wird - unter der Führung meines Vaters - Amerikaner zum Mars entsenden“, sagte Eric Trump beim Parteitag der Republikaner, bei dem Donald Trump als Kandidat für eine zweite Amtszeit nominiert wurde.

Dieser amerikanische Geist werde auch „in 68 Tagen die leeren, repressiven und radikalen Ansichten der extremen Linken besiegen“, sagte Eric Trump am Dienstagabend weiter. Die Wahl am 3. November war da allerdings noch 70 Tage entfernt, wie unter anderem ein Reporter des Senders CNN anmerkte.

Eric Trump nebst Gattin auf dem Parteitag der Republikaner.

Vor seinem Vater habe sich niemand für die „stille Mehrheit“ im Land eingesetzt, sagte Eric Trump. Politiker sowohl der Demokraten als auch der Republikaner vor Trump hätten sich „mehr darum gesorgt, wie sie von den Eliten in Paris empfangen werden als darüber, wie Amerikaner für ihre Familien in Pittsburgh sorgen werden“. „Mein Vater wird für euch kämpfen“, sagte er.

Parteitag der Republikaner :Tiffany Trump sieht sich manipuliert

+++ 04.50 Uhr: Präsidententochter Tiffany Trump hat den US-Bürgern beim Parteitag der Republikaner in ihrer Rede erklärt, dass sie von Medien und Technologie-Konzernen manipuliert werden. „Statt den Amerikanern das Recht einzuräumen, unsere eigene Überzeugungen zu formen, hält dieses System der Desinformation die Menschen geistig versklavt von den Ideen, die sie für richtig halten“, sagte Tiffany Trump am Dienstag. „Die Menschen müssen erkennen, dass unsere Gedanken, Meinungen und sogar die Entscheidung, für wen wir abstimmen, von Medien und Tech-Giganten manipuliert und auf unsichtbare Weise aufgezwungen werden.“

Präsidententochter Tiffany Trump: „Medien manipulieren“

Die Online-Plattformen Twitter und Facebook gehören seit Jahren zu den wichtigsten Kommunikationskanälen von Präsident Donald Trump. Zugleich wirft er ihnen vor, konservative Ansichten zu unterdrücken. Er war besonders empört, als Twitter einen seiner Tweets als Aufruf zur Gewalt einstufte und entfernte. Zuletzt versahen die Online-Dienste einige von ihm weiterverbreitete Beiträge zum Corona-Virus mit Warnhinweisen, dass sie zweifelhafte Informationen enthielten, die Menschen schaden könnten.

Pompeo bricht Tabu und greift auf Parteitag China an

+++ 04.10 Uhr: In Missachtung einer langen Tradition hat sich US-Außenminister Mike Pompeo direkt in den Wahlkampf eingebracht und auf dem Parteitag der Republikaner für die Wiederwahl von Präsident Donald Trump geworben. Die Umsetzung des Programms „America First“ habe Trump zwar „nicht in jeder ausländischen Hauptstadt populär gemacht“, sagte Pompeo in der zuvor in Jerusalem aufgezeichneten und am Dienstag ausgestrahlten Ansprache. „Aber es hat funktioniert.“

Mike Pompeo in seiner Videoansprache.

In China habe Trump „den Vorhang vor der räuberischen Aggression der Kommunistischen Partei Chinas“ gelüftet, sagte der US-Außenminister. Zur Corona-Pandemie sagte Pompeo: „Der Präsident hat China dafür zur Rechenschaft gezogen, dass es den China-Virus vertuscht hat und zugelassen hat, dass es Tod und wirtschaftliche Zerstörung in Amerika und in der Welt verbreitet.“

Die Video-Ansprache Pompeos für den Parteitag ist in der Demokratischen Partei auf scharfe Kritik gestoßen. Die Wahlkampfleitung von Präsidentschaftskandidat Joe Biden erklärte am Dienstag, der Beitrag des Außenministers zum Parteitag der Republikaner sei nicht nur ein Missbrauch von Steuermitteln, sondern untergrabe auch die wichtige Arbeit des Außenministeriums. Damit schade Pompeo dem Einsatz der US-Diplomaten in aller Welt. Der demokratische Kongressabgeordnete Joaquin Castro forderte, es müsse untersucht werden, ob die Rede Pompeos gegen gesetzliche Bestimmungen und interne Regeln des Außenministeriums verstoße.

Minister: Biden ist „Gefangener der radikalen Linken“

Update 26.08.2020, 04.00 Uhr: Der Justizminister des US-Bundesstaats Kentucky, Daniel Cameron, hat dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden als „Gefangenen der radikalen Linken“ bezeichnet. „Sie glauben, dass Ihre Hautfarbe Ihre Politik diktieren muss“, sagte der afroamerikanische Minister am Dienstagabend (Ortszeit) beim Parteitag der Republikaner. „Wenn Sie sich nicht anpassen, während Sie Ihr von Gott gegebenes Recht ausüben, frei zu sprechen und zu denken, werden sie Sie niedermachen.“

Republikaner vertrauten dagegen darauf, dass die Menschen selber dächten und den amerikanischen Traum so verfolgten, wie sie es für richtig hielten, sagte Cameron. Er kritisierte: „Joe Biden ist ein Rückwärtsdenker in einer Welt, die sich nach einer zukunftsorientierten Führung sehnt.“ Schwarze sind eine wichtige Wählergruppe Bidens.

Parteitag der Republikaner: Was bringt der zweite Tag?

Charlotte - „Four more years“ - „vier weitere Jahre“: Nachdem die Demokratische Partei der USA bereits Joe Biden als Präsidentschaftskandidat für die Wahlen im November nominiert hat, steht nun auch die Kandidatur seines Konkurrenten Donald Trump offiziell fest. Am Montag (24.08.2020) wurde dieser von den Republikanern in Charlotte (North Carolina) im Rahmen ihres Parteitags mit der Mehrheit der Delegiertenstimmen gewählt. Das Parteitagsprogramm der Republikaner ist damit jedoch noch lange nicht beendet.

Parteitag der Republikaner: Melania Trump als Hauptrednerin

Für Dienstag (25.08.2020) ist bereits eine Vielzahl Redner*innen angekündigt, die Trump bei seiner erneuten Präsidentschaftskandidatur unterstützen. Vor allem die Rede von Trumps Ehefrau Melania Trump, die sie im Rosengarten des Weißen Hauses abhalten wird, dürfte mit einiger Spannung erwartetet werden. Dafür ist nicht zuletzt ihre letzte Rede beim Parteitag der Republikaner 2016 Schuld, die weder sie selbst noch ein professioneller Ghostwriter schrieb. Sie wurde stattdessen von einem Mitarbeiter des Familienunternehmens „Trump Organization“ verfasst, der hierfür ganze Textpassagen einer Ansprache von Michelle Obama aus dem Jahr 2008 abkupferte.

Hier die komplette Liste aller Redner*innen am zweiten Abend des Parteitags der Republikaner:

  • First Lady Melania Trump
  • Außenminister: Mike Pompeo
  • Senator: Rand Paul (R-KY)
  • Gouverneurin von Iowa: Kim Reynolds
  • Vizegouverneurin von Florida: Jeanette Nuñez
  • Generalstaatsanwalt von Kentucky: Daniel Cameron
  • Ehemalige Generalstaatsanwältin von Florida: Pam Bondi
  • Abby Johnson
  • Jason Joyce
  • Myron Lizer
  • Mary Ann Mendoza
  • Megan Pauley
  • Cris Peterson
  • John Peterson
  • Nicholas Sandmann
  • Eric Trump
  • Tiffany Trump

Außer der First Lady befinden sich noch weitere Familienmitglieder des 74-jährigen Rechtspopulisten auf der Rednerliste. Trumps Tochter Tiffany ist selbst Mitglied der Republikanischen Partei und studiert derzeit an einer Universität in Washington Jura. Sie hielt ebenfalls bereits am Parteitag 2016 eine Rede, um ihren Vater im Wahlkampf zu unterstützen. Auch Trumps Sohn Eric, der ebenfalls am diesjährigen Parteiprogramm der Republikaner teilnehmen wird, unterstützte seinen Vater bereits bei seiner ersten Kandidatur. Gemeinsam mit seinem Bruder Donald Trump Junior leitet er für die Dauer der Präsidentschaft seines Vaters die „Trump Organization“.

Mehr Unterstützung als die geplanten Reden am zweiten Tag des Parteitags der Republikaner kann Donald Trump von Seiten seiner Familie jedoch nicht erwarten – sie wollen sich weitestgehend aus dem Wahlkampfgeschehen heraushalten. Vor allem Melania Trump soll weder vorhaben, sich an weiteren Veranstaltungen zu beteiligen, noch plant sie, auf sonstige Weise Stimmen für ihren Mann zu gewinnen.

Zahlreiche Falschaussagen in Reden am ersten Abend des Parteitags der Republikaner

Außer Trumps Familie befinden sich zahlreiche weitere prominente Republikaner auf der Rednerliste des zweiten Parteitags. So werden etwa Außenminister Mike Pompeo sowie Senator Rand Paul den Präsidentschaftskandidaten mit Reden unterstützen. Ob ihre Reden, ähnlich wie einige der Ansprachen am ersten Abend des Parteitags, von Unwahrheiten geprägt sein werden, bleibt abzuwarten.

Nach dem Auftakttag untersuchte CNN die Reden im Rahmen eines Faktenchecks und stieß dabei auf zahlreiche falsche und irreführende Aussagen, so etwa die Behauptung einer Rednerin, die Demokraten würden Vororte abschaffen wollen. Trump selbst warf den Demokraten vor, sie wollten den Sozialismus in den USA einführen, die Amerikaner entwaffnen und der Polizei die finanziellen Mittel streichen – nichts davon stimmt jedoch. (Von Teresa Toth)

Rubriklistenbild: © Evan Vucci/dpa

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