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Gehst Du echt zu den Grünen? Ja, mach’ ich. Martin Sonneborn und Nico Semsrott (r.) zu Beginn des „Partei“-Wahlkampfs.

„Die Partei“

Parteichef für eine Million zu haben

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Im Europaparlament wird um die personellen Fraktionszuschnitte hart gehandelt.

Nach der Europawahl beginnt wieder das große Feilschen um die Fraktionsbildung im EU-Parlament. Die Regeln dafür besagen: Eine Fraktion muss mindestens 25 Mitglieder aus mindestens sieben EU-Staaten haben. Dabei gilt die Faustregel: Je größer eine Fraktion, desto mehr Vorteile hat sie in Brüssel – Redezeit, Ausschussposten, Fraktionsmittel bemessen sich an der Zahl der Abgeordneten.

Besonders umworben werden die Mitglieder der kleinen und neuen Parteien. Damian Boeselager etwa, der für die paneuropäische Partei „Volt“ als Einziger ins Parlament einziehen konnte, schreibt auf Twitter: „Fast alle Fraktionen haben mich eingeladen, bei ihnen mitzumachen.“ Entschieden hat er sich noch nicht.

Noch spannender macht es – wieder einmal – der deutsche Satiriker Martin Sonneborn von der „Partei“. Auf Twitter wies er zunächst darauf hin, dass die Allianz der Rechtspopulisten ein Mandat mehr hat als die Grünen. Matteo Salvinis just vor der Wahl gegründete Rechtsaußen-Fraktion (er nennt den Italiener konsequent „Benito“) hat 74 Abgeordnete. Dort gehören auch die elf deutschen AfD-Europaabgeordneten dazu.

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Die Grünen kommen nach dem Eintritt mehrerer Piratenpolitiker, darunter auch der Deutsche Patrick Breyer, auf 73 Mandate. Und dann – die „Partei“ ist ja immer für eine Überraschung gut, das ist ja praktisch ihr Credo – tritt Nico Semsrott, der sich als „Realo-Flügel“ der „Partei“ bezeichnet, zu den Grünen über. Damit ist schon mal ein Gleichstand mit Salvinis Ultrarechten hergestellt.

„Partei“-Chef Sonneborn bleibt zunächst fraktionslos. Dass er sich so verhalten würde, hatte er auch im Wahlkampf schon mehrfach versichert: Es könne sein, dass er auch seine zweite Legislatur beim „Abschaum des Parlaments“ bleibe, hatte der 53-Jährige gesagt.

Für die Zukunft der „Partei“ könnte das Vorteile haben. Sie wäre mit Semsrott in einer Fraktion, die politisch ähnlich tickt wie die sich als „humanistisch“ und „gefühls-links“ charakterisierenden Satiriker. Mit dem fraktionslosen Sonneborn könnte sie sich zugleich einen anarchische, durch keinen Fraktionszwang eingehegten „Fundi-Flügel“ erhalten.

Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland verriet Sonneborn, er werde sich eine Entscheidung zur Fraktionszugehörigkeit bis zum letztmöglichen Tag, dem 24. Juni, offen halten. Sein Preis läge inzwischen bei einer Million Euro; er werde sich in den nächsten Tagen auch sicher nicht weit vom Telefon wegbewegen.

Da ist sie wieder, die anarchistische Integrität der „Partei“.

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