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Die PARTEI startet in den EU-Wahlkampf mit Martin Sonneborn und Nico Semsrott. 

Die Partei

Martin Sonneborn will es nochmal wissen

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Der Satiriker Martin Sonneborn von „Die Partei“ will noch mal nach Brüssel. Und nimmt mit Nico Semsrott prominente Verstärkung mit.

Meterhohe Banner hängen an der Fassade der Berliner Volksbühne. So riesig, dass sie nur mit einiger Entfernung lesbar sind, prangen darauf zwei Namen: Sonneborn und Semsrott, das Spitzenduo der Partei „Die Partei“. Die beiden Satiriker stoßen vor dem Theatersaal ihren Europawahlkampf an. Laut Umfragen könnten es dieses Mal sogar beide schaffen, ins EU-Parlament einzuziehen – nicht nur, weil politische Komiker und andere unernste Politiker derzeit weltweit Wahlerfolge feiern. Wie ernst sind also Sonneborn und Semsrott zu nehmen? 

Die Wahlversprechen des Duos muss man offenbar mit Vorsicht genießen: In der Pressekonferenz kündigt Listenführer Martin Sonneborn unter anderem an, EU-Austrittsverhandlungen mit Österreich, Ungarn, Polen, Italien und Sachsen führen zu wollen. Daneben soll es für EU-Bürger ein „Existenzmaximum“ geben von einer Millionen Ostmark, zudem soll das Bruttoinlandsprodukt um 50 Prozent gesenkt werden. Es ist klar, dass Sonneborns Metier die Satire ist. Politiker ist er aber auch. Nach einem vergleichbar ironischen Wahlkampf gelang es dem Ex-Chefredakteur des „Titanic“-Magazins vor fünf Jahren, bei den Europawahlen 0,6 Prozent der Stimmen zu holen. 

Comedian Nico Semsrott soll mit nach Straßburg 

Das reichte für einen Sitz im Europaparlament. Jetzt wolle er es etwas ruhiger angehen lassen, erklärte der EU-Abgeordnete beim Wahlkampfauftakt in Berlin. Daher habe er den Comedian Nico Semsrott gefragt, ob er nicht mitkommen wolle nach Straßburg – um ihn die Arbeit machen zu lassen. Der 33-Jährige Semsrott ist aus der ZDF-Satiresendung „heute-show“ bekannt und war für „Die Partei“ bereits bei der letzten Bundestagswahl angetreten. „Mein Plan ist es, Kommissionspräsident zu werden“, sagt er. „Ich möchte Manfred Weber verhindern.“ 

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In Umfragen steuert „die Partei“ auf zwei Prozent der Stimmen zu. In der internationalen Politik haben Komiker ohnehin Wind im Rücken. Vergangenes Wochenende wählten die Ukrainer den TV-Star Wolodymyr Selenskyj zum Präsidenten, nach einem bizarren Wahlkampf mit Drogentests, Gesangseinlagen und einem Duell im Stadion. In Guatemala ist der Comedian Jimmy Morales schon seit drei Jahren Präsident, und in Italien hat der Kabarettist Beppe Grillo mit seiner Fünf-Sterne-Bewegung die politische Landschaft grundlegend verändert. 

Martin Sonneborn macht seriöse Politik

Martin Sonneborn vergleicht sich aber ungern mit diesen ausländischen Kollegen. „Der gewählte ukrainische Präsident ist ein Schauspieler im Diensten eines Oligarchen“, sagte er. Und Beppe Grillo sei lediglich „verrückt“. „Wir machen seriöse Politik mit einer Klamauk-Attitüde“, betont Sonneborn. Die EU funktioniere sehr wohl, nur bestimmten da die falschen Leute. Sie müsse sozialer, friedlicher und bürgerlicher werden. Auch Semsrott hatte eine mutmaßlich ernsthafte Botschaft parat: „Demokratie wirkt nur mit Öffentlichkeit und Öffentlichkeit schafft man nur mit Satire.“ 

Aufmerksamkeit hatte „Die Partei“ schon mit ihrer EU-Kandidatenliste erregt. Darauf stehen neben den beiden Satirikern auch echte „Partei“-Mitglieder, die die gleichen Nachnamen wie bekannte Nazigrößen tragen: Eichmann, Göring, Speer und „Göbbels“. Das sei ein probates Mittel, um neben AfD-Wählern auch „demente CDU-Wähler“ einzufangen, sagte Sonneborn.

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