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David Hoggs (r.) Ziel ist es, die Gegenseite da zu treffen, wo es wehtut: Bei den Wahlen 2020.

Amoklauf in Parkland

Der Kampf gegen die Waffengesetze in den USA geht weiter

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Ein Jahr nach dem Amoklauf an einer Schule in Parkland stellen sich die Überlebenden weiter gegen die irrsinnigen Waffengesetze der USA.

Im Herbst beginnt ein prominenter junger Mann sein Studium an der Harvard Eliteuniversität: David Hogg – hochgewachsen und etwas schlacksig wirkend. Vor einem Jahr kroch er ebenso wie seine Mitschüler unter Tische und Bänke, um sich vor einem wild um sich schießenden Massenmörder zu verstecken, der kurz zuvor noch auf dieselbe Schule ging. Für Hogg war das Blutbad ein traumatisches Erlebnis, wie es in den vergangenen zwei Jahrzehnten tausende junger Amerikaner erlebten.

Hogg wollte sich jedoch nicht in seiner Trauer verlieren: Gemeinsam mit seiner Mitschülerin Emma Gonzalez ging er an die Öffentlichkeit und schrie seine Wut über die irrsinnigen Waffengesetze und die unzähligen Massenmorde der jüngsten Zeit heraus. All die Erklärungsversuche, mit denen Politiker die bestehenden Verordnungen rechtfertigen, erklärten sie kurzerhand zu „BS“ – Bullshit. Sie starteten den „March for our Lives“ und inspirierten mit ihrem Protest ihre gesamte Generation. Ein außergewöhnliches Verhalten hatte Hoggs bereits während des Amoklaufs in Parkland an den Tag gelegt: Als viele Mitschüler hilflos durch die Gänge irrten, zückte er in seinem Versteck die Handykamera, zeichnete das Drama auf und forderte andere Jugendliche auf, ausgerechnet in diesen wirren Momenten strengere Waffengesetze zu fordern. Es waren Bilder, die um die Welt gingen.

Heute, ein Jahr nach dem Verbrechen, ist es ruhiger geworden um die Jugendlichen – aber nicht still. Die Zeiten, in denen ihre Köpfe die Titelseiten der führenden Magazine zierten, sind vorbei. Sie arbeiten an der Basis, im amerikanischen grassroots genannt. Hoggs lacht, wenn er seinen Alltag beschreiben soll. Während sich andere High-School-Absolventen, die einen Platz auf einer Eliteuniversität errungen haben, eine entspannte Auszeit gönnen, verbringt Hogg die meiste Zeit in Bussen oder Flugzeugen. Sein Terminplan ist so dicht gedrängt, dass selbst vielgefragte Manager ins Staunen geraten: „Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir uns auf den Punkt konzentrieren, der der Gegenseite so richtig wehtut: die Wahlen.“

Junge Menschen motivieren

Hogg reist von Kleinstadt zu Kleinstadt, um vor allem junge Menschen zu motivieren, am Wahltag auch tatsächlich wählen zu gehen: „Als Donald Trump zum Präsidenten gewählt wurde, hatte sich in meinem Heimatbundesstaat Florida weniger als ein Drittel der 18- bis 29-Jährigen an dem Urnengang beteiligt.“ Wie erfolgreich das Engagement der Schüler ist, zeigte sich bei den Zwischenwahlen im November 2018: Amerikaweit stieg die Wahlbeteiligung der Jungwähler um zehn Prozent, in ihrem Heimatbundesstaat Florida sogar um 15 Prozent. Und bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr will er eine Wahlbeteiligung von mehr als 70 Prozent erreichen:

Mit Stolz blickt Hogg auf die neue Zusammensetzung im Repräsentantenhaus, deren Mehrheit von den Republikanern zu den Demokraten wechselte: „Das ist natürlich nicht allein unser Verdienst. Aber wir haben kräftigen Rückenwind gegeben.“ Ihrem Ziel, die einflussreichen Waffenlobby „National Rifle Association“ zurückzudrängen, seien sie ein ganzes Stück weit näher gekommen. Spätestens bei der nächsten Präsidentschaftswahl wollen sie das Übel bei der Wurzel packen. Tatsächlich mussten bekannte Senatoren wie Marco Rubio kleinlaut einräumen, während ihrer Wahlkampagnen große Spenden der NRA erhalten zu haben.

An dem eigentlichen Drama ändert die Protestwelle bisher jedoch nichts: Seit dem Verbrechen in Parkland starben in den USA 14 Menschen bei acht weiteren Schießereien an Schulen. Amerikaweit wurde die Polizei im vergangenen Jahr mehrere Dutzend Mal zu Hilfe gerufen, um Bewaffnete an Schulen zu überwältigen.

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