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Manuel Valls kam in Barcelona zur Welt, der Heimatstadt seines Vaters.

Spanien

Ein Pariser in Barcelona

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Der französische Ex-Premier Manuel Valls will Bürgermeister in seiner Geburtsstadt werden – ein Porträt.

Auf seiner Pressekonferenz am Mittwoch in Barcelona zieht Manuel Valls plötzlich einen Schlüssel hervor. „Ich werde in Paris leben“, sagt er, „in der Straße von Paris“. Der Carrer de Paris liegt im Eixample, einem vornehmen Bezirk nahe der Altstadt von Barcelona, und hier will sich Valls heimisch machen. Vorerst wird er sein Geld als Dozent an einer Wirtschaftshochschule verdienen, aber er hat sich höhere Ziele gesteckt: das Bürgermeisteramt Barcelonas, seiner Geburtsstadt. Im Mai wird gewählt, bis dahin wird er ein Kandidat unter vielen sein. Aber einer, der herausragt.

Valls, 56 Jahre alt, ist französischer Staatsbürger. Er war erst Innenminister und dann Regierungschef unter dem sozialistischen Präsidenten François Hollande, er hat immer noch einen Sitz in der französischen Nationalversammlung. Und jetzt will er Bürgermeister der zweitgrößten Stadt im Nachbarland Spanien werden – der Versuch einer europäischen Karriere. Seine neuen Ambitionen bringen ihm Spott und Bewunderung ein. Doch über die Motive für diesen biografischen Schwenk redet er nicht.

Valls kam im Sommer 1962 in Barcelona zur Welt, der Heimatstadt seines Vaters. Der war gemeinsam mit seiner aus dem Tessin stammenden Frau 1949 nach Paris emigriert, um der brutalen Franco-Diktatur in Spanien den Rücken zu kehren. Aber die Familie bewahrte den Kontakt zur Heimat, und als sich der erste Sohn anmeldete, sollte er das Licht der Welt während eines Urlaubs in Barcelona erblicken. Der kleine Manuel wuchs gemeinsam mit seiner jüngeren Schwester in Paris auf. Zu Hause sprach man Katalanisch. Valls beherrscht es perfekt, „besser als Spanisch“. Mit 16 Jahren entdeckte er zu seinem Erstaunen, dass er nicht die französische Staatsbürgerschaft besaß. Als er sie annahm, musste er die spanische aufgeben. Was ihn heute, als europäischer Bürger, nicht daran hindert, in die spanische Politik einzusteigen.

Für seine Gegner ist Valls ein Verlierer, der im Ausland verzweifelt einen Neuanfang versucht. Dazu verhalf ihm Albert Rivera, Vorsitzender der sich immer noch liberal nennenden, aber mittlerweile weit nach rechts gewanderten Partei Ciudadanos. Der Katalane Rivera ist der Bannerträger der katalanischen Antiseparatisten und wusste Valls auf seiner Seite. „Wenn man die Grenzen anrührt, wenn man die Staaten aufspaltet, ist Krieg möglich“, sagte Valls warnend im spanischen Fernsehen. Er wurde zu einer der prominenten Stimmen gegen die katalanische Unabhängigkeitsbewegung.

Seit April machte er sich öffentlich darüber Gedanken, ob er sich, mit Unterstützung von Ciudadanos, um das Bürgermeisteramt von Barcelona bewerben sollte. Jetzt hat er seine Bewerbung offiziell gemacht. Aber er will kein Ciudadanos-Kandidat sein. Am Mittwoch gab er den Namen seiner Initiative, der im Mai kommenden Jahres auf den Wahlzetteln stehen soll, bekannt: „Barcelona, europäische Hauptstadt“. Anschließen könne sich, wer immer wolle. Aber: „Ich bin ein Mann der Linken.“ Das glaubt ihm kaum jemand, was aber nicht ausschließt, dass ihn auch Linke für wählbar halten.

Die Niederungen der Kommunalpolitik jedenfalls kennt Valls schon aus seiner Zeit als Bürgermeister der Pariser Vorstadt Évry von 2001 bis 2012. Seine Gegner werden den Zugereisten aber daran erinnern, dass Barcelona eine ganz andere Nummer ist.

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