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Kein Paradies für „Querdenker“ mehr: Paraguay schließt Grenzen für Ungeimpfte

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Von: Kerstin Kesselgruber

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Corona in Paraguay
Paraguay reagiert auf die neuesten Entwicklungen in der Corona-Pandemie. (Symbolfoto) © Micha Klootwijk/imago

Auch in Paraguay steigen die Corona-Zahlen rasant. Das Land lässt Ungeimpfte deshalb nicht mehr einreisen. Impfgegner:innen haben nun ein Problem.

Asunción – Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen macht das südamerikanische Paraguay seine Grenzen für Ungeimpfte zu. Mehr als ein Dutzend Ausländerinnen und Ausländer ohne vollständigen Impfschutz seien bei ihrer Ankunft bereits abgewiesen und in ihre Heimatländer zurückgeschickt worden, sagte die Leiterin der Einwanderungsbehörde, María de los Ángeles Arriola, am Mittwoch (19.01.2022) im Radiosender ABC.

Darunter waren auch sechs Deutsche. Wie de los Ángeles Arriola sagte, würden die betroffenen Personen von ihrer Behörde begleitet, bis sie wieder in ein Flugzeug der gleichen Airline stiegen, mit der sie angereist seien.

Corona-Impfgegner:innen wandern nach Paraguay aus

Zuletzt waren zahlreiche Impfgegnerinnen und Impfgegner vor allem auch aus dem deutschsprachigen Raum in das südamerikanische Land ausgewandert. In sozialen Netzwerken kursieren zahlreiche Videos, in denen Menschen, die sich nicht gegen das Coronavirus impfen lassen wollen, zu einem Neustart in Paraguay geraten wird. Oftmals werden in diesen Beiträgen auch Verschwörungserzählungen transportiert.

Autofahrende warten auf einen kostenlosen PCR-Corona-Test an einer Drive-Through-Teststelle auf einer Rennstrecke in Capiata, Paraguay.
Autofahrende warten auf einen kostenlosen PCR-Corona-Test an einer Drive-Through-Teststelle auf einer Rennstrecke in Capiata, Paraguay. © Jorge Saenz/dpa

Dabei ist Paraguay alles andere als ein Paradies, frei von Corona-Regeln: Beispielsweise ist die Maskenpflicht in dem südamerikanischen Land sehr streng. Sie wird durch das Gesetz 6699 geregelt. Bei Verstößen können bis zu 30 Tage Sozialdienst und hohe Bußgelder verhängt werden.

Corona-Pandemie: Deutsche sind drittgrößte Einwanderungsgruppe

Insgesamt waren es im vergangenen Jahr mehr als 1000 Deutsche, die nach Paraguay eingewandert sind, wie die Deutsche Welle berichtet. Das ist die drittgrößte Gruppe nach Brasilien und Argentinien. Nicht alle bewegen sich im Spektrum der Corona-Leugner:innen. Laut dem ABC-Bericht haben sich unter anderem in Hohenau im Verwaltungsbezirk Itapúa 30 neue deutsche Familien niedergelassen. Damit stehen sie in der fragwürdigen Tradition des KZ-Arztes von Auschwitz, Josef Mengele. Auch er hatte sich einige Zeit in Hohenau versteckt.

Schon vor der Corona-Pandemie hatten sich immer mehr Rechtsextreme in Paraguay angesiedelt. „Nach der Flüchtlingskrise 2015 kamen die Reichsbürger, extrem laute, aggressive Menschen. Und jetzt landen hier sehr viele Heilpraktiker, Wunderheiler und rechte Impfgegner“, sagte dazu zum Beispiel Thomas Vinke, Umweltschützer und Fernsehproduzent, der seit 17 Jahren in Paraguay lebt, gegenüber der Deutschen Welle. Er erlebe seitdem deutlich mehr Anfeindungen, vor allem über die sozialen Netzwerke.

Corona-Infektionszahlen in Paraguay steigen sprunghaft an

Seit der vergangenen Woche nun müssen Menschen bei der Einreise nach Paraguay allerdings eine Impfung mit mindestens zwei Dosen nachweisen. Zuletzt waren die Infektionszahlen in dem Land mit rund sieben Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern sprunghaft angestiegen. Bislang haben sich in dem südamerikanischen Land über 500.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Darunter ist auch der paraguayische Präsident Mario Abdo Benítez, der zweimal geimpft ist, teilte das Gesundheitsministerium am Dienstag (18.01.2022) mit. Fast 17.000 Patientinnen und Patienten sind im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben.

Nur etwa 42 Prozent der Bevölkerung sind vollständig geimpft – was auch am Mangel der Corona-Impfstoffe liegt. Berichte Taiwans über eine angebliche Erpressung Paraguays durch China mit Corona-Impfstoffen waren im Frühjahr bekannt geworden. Paraguay war etliche Monate sogar Schlusslicht bei den Corona-Impfungen. (kke/dpa)

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