+
Die Plakate der regierenden FRELIMO finden nicht viel Beachtung.

Afrika

Ein Papst zu Werbezwecken

  • schließen

Der Präsident von Mosambik, Filipe Nyusi, erhofft sich vom Besuch von Franziskus politischen Zuspruch. Das bitterarme Land in Südostafrika kann es gebrauchen.

Papst Franziskus, der am Mittwoch in der mosambikanischen Hauptstadt Maputo eintraf, tut gut daran, dass er nicht der Angewohnheit seines Vorvorgängers folgt und bei jeder Ankunft den Boden seines Zielortes küsst. Nicht nur, weil der Asphalt des Flughafens von Maputo um diese Zeit im Jahr bereits eine beachtliche Hitze ausstrahlt – auch, weil es sich beim Boden dieses Landes um einen der am schlimmsten geschändeten Terrains dieser Erde handelt.

Der südostafrikanische Staat ist einer der ärmsten Nationen der Welt, die Folgen seines jahrzehntelangen Bürgerkriegs sind noch immer gegenwärtig, die Korruption ist schier allumfassend, der Staat zählt zu den wichtigsten internationalen Drogenumschlagplätzen und zu allem Übel wird Mosambik neuerdings auch noch von der Natur gegeißelt. Infolge der Klimaerwärmung fegen immer öfters Zyklone übers Land – der letzte kostete im März über eintausend Menschen das Leben.

Auch wenn das Oberhaupt der katholischen Kirche bei den Reisevorbereitungen zumindest vom letztgenannten Elend noch nichts wissen konnte: Natürlich hat der 82-jährige Argentinier, der sich gerne „Papst der Armen“ nennen lässt, die Zielorte seiner zweiten Reise ins südlich der Sahara gelegene Afrika mit Bedacht gewählt.

Außer Mosambik wird er auch den nicht minder geschundenen Inselstaat Madagaskar besuchen. Nur bei seiner dritten und letzten Station, Mauritius, wird er ein wenig aufatmen können. Ansonsten ist es eine Reise „in die Peripherie der afrikanischen Peripherie“, wie aus dem Vatikan zu hören ist.

Hier wird der Papst alle Themen finden, die ihm im Unterschied zu einer zunehmenden Zahl an andern „Führern“ der Welt am Herzen liegen: Klimawandel, Armut, Korruption sowie gewalttätige Konflikte. Nur wenige Wochen vor seiner Ankunft unterzeichneten die beiden einstigen Bürgerkriegsparteien, die regierende Frelimo-Partei und die Rebellentruppe Renamo, in Maputo einen Friedensvertrag. Doch auch dieses Abkommen droht wie seine beiden Vorgänger 1992 und 2014 gleich wieder zu scheitern. Die unter Vermittlung katholischer Emissäre und eines Schweizer Diplomaten gefundene Verständigung kam unter Ausschluss eines Teils der Renamo-Oppositionellen zustande, die sich an die Vereinbarung nicht gebunden fühlen: Schlechte Voraussetzungen für die für Mitte Oktober anberaumten Wahlen, deren Legimitation nun ein weiteres Mal untergraben wird.

Die einst leninistische Frelimo-Partei organisierte bereits mehrere Urnengänge: Keinen hatte die an Rand gedrängte Opposition anerkannt. Franziskus wird sich drei Tage lang nur in der Hauptstadt aufhalten: Ein Besuch in der oppositionellen Hochburg Beira wurde bezeichnenderweise – angeblich wegen der dort vom Zyklon Idai angerichteten Schäden – ausgeschlossen.

Wie ernst der katholische Präsident Filipe Nyusi die Stimme seines geistlichen Oberhirten nehmen wird, bleibt abzuwarten. Für Franziskus ist Korruption eine der „verheerendsten Plagen der Gesellschaft“ – und Nyusi steht einer der korruptesten Staaten dieser Welt vor. Der jüngste bekannt gewordene Skandal dreht sich um zwei Milliarden US-Dollar, die internationale Banken, darunter auch die Credit Suisse, angeblich für Werften und Fischkutter locker machten: Doch das Geld landete in den Taschen hochgestellter Frelimo-Funktionäre, darunter auch des Sohns von Nyusis Vorgänger, Ndambi Guebuza.

Was diesen Skandal von unzähligen andern unterscheidet, ist die Summe des verschwundenen Geldes und die Tatsache, dass selbst US-Behörden in seine Aufdeckung verwickelt sind – Nyusi muss sich Sorgen um seine Wiederwahl im Oktober machen.

Deshalb war der Präsident so interessiert daran, dass der Papst-Besuch noch zuvor zustande kommt. Er erhofft sich den Segen des Oberhirten und scheute auch keine Auslagen. Für umgerechnet 300.000 Euro ließ er Maputos Kathedrale renovieren und die Straßen der Hauptstadt aufmöbeln: Wenn auch nicht vom „Papst der Armen“ selbst so erwartet Nyusi davon den Zuspruch der Bevölkerung. Franziskus wies seine Entourage indessen an, ihr Quartier nicht in Fünf-Sterne-Hotels sondern in bescheideneren Unterkünften zu buchen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion