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Papst Franziskus hat bei seiner Generalaudienz Abtreibungen mit einem Auftragsmord gleichgestellt.

Katholische Moral

Papst vergleicht Abtreibung mit Mord

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Papst Franziskus wettert in seiner Rede auf dem Petersplatz in Rom gegen die Rechte der Frauen.

Spannend wird es auf dem Petersplatz in Rom, wenn der Papst das Manuskript sinken lässt. In seiner wöchentlichen Generalaudienz vor Tausenden Gläubigen hat Franziskus diese Regel am Mittwoch auf eine Weise bestätigt, dass aufmerksame Zuhörer ihren Ohren nicht getraut haben dürften. Ein Kind im Mutterleib zu töten, „das ist, als würde man einen Killer beauftragen, um ein Problem zu lösen“, sagte der Papst. 

Abtreibung als Auftragsmord – ein solch schockierender, juristisch unhaltbarer und seelsorgerlich mehr als fragwürdiger Vergleich ist typisch für Franziskus. Diese drastische Rhetorik gehört zum Repertoire seiner Katechesen. Diesmal ging es in einer etwa zehnminütigen Ansprache, in der offiziellen Zusammenfassung des Vatikans gänzlich ohne Ecken und Kanten, um das fünfte Gebot aus dem Alten Testament: Du sollst nicht töten. 

Unzählige Menschen müssten unter unwürdigen Bedingungen leben, so der Papst. Diese „Verachtung des Lebens“ sei in gewisser Weise auch eine Art, jemanden umzubringen. Eine entgegengesetzte Form der „Unterdrückung“ sei die Tötung menschlichen Lebens im Mutterleib „um anderer Rechte willen“ – eine Anspielung auf das Selbstbestimmungsrecht der Frau. „Aber wie kann eine Handlung, die unschuldiges Leben beseitigt, therapeutisch, zivilisiert und menschlich sein?“ Es gehe nicht an, ein „noch so kleines“ menschliches Wesen zu töten. 

Sprachbilder des Papstes kippen ins Unerträgliche

Bis zu diesem Punkt bewegte sich der Papst ganz auf der Linie der katholischen Moralverkündigung. Doch als ihm auf die frei formulierte Frage an sein Publikum, ob die Beseitigung eines kleinen, unschuldigen Menschenwesens denn „gerecht“ sein könne, ein vielstimmiges „No“ – „Nein“ entgegenschallte, trieb er sein Urteil mit dem Wort vom Auftragsmord auf die Spitze.

Schon als Erzbischof von Buenos Aires hatte er sich gegen eine Liberalisierung der Abtreibungsgesetze gewehrt. Erst im August scheiterte in Argentinien eine geplante Legalisierung nicht zuletzt am massiven Widerstand der Kirche.

So wortgewaltig wählt der Papst seine Sprachbilder, dass sie immer wieder ins Gewalttätige, ja Unerträgliche kippen. Und niemand ist vor ihm sicher, nicht einmal seine engste Umgebung. In einem Interview bezeichnete er die römischen Kurie mit ihren Hofschranzen 2013 als „die Lepra des Papsttums“, und 2014 warf er Kardinälen und Bischöfen der Kurie unter anderem „spirituellen Alzheimer“ vor. 

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