1. Startseite
  2. Politik

Papst will Putin umstimmen und schildert skurriles Gespräch - Russland fordert Stopp von Waffenlieferungen

Erstellt:

Von: Stephanie Munk, Fabian Müller

Kommentare

Im Ukraine-Krieg gehen die diplomatischen Bemühungen weiter. Papst Franziskus will Wladimir Putin in Moskau treffen. Eine Einladung nach Kiew hat er ausgeschlagen. Der News-Ticker.

Update vom 3. Mai, 20.21 Uhr: Der Papst ist bereit, nach Moskau zu reisen und mit Russlands Präsident Wladimir Putin über eine Beendigung des Ukraine-Kriegs zu sprechen. Eine Antwort Russlands auf das Angebot steht noch aus. Nach Kiew will Papst Franziskus vorerst nicht reisen, obwohl eine Einladung schon lange steht.

Der Vergleich des ukrainischen Präsidenten Selenskyj mit Hitler durch Russlands Außenminister Sergej Lawrow sorgte am Dienstag (3. Mai) weiter für Wirbel. Russland legte noch einen drauf und warf Israel vor, die „Neonazis in Kiew“ zu unterstützen. Der französische Staatschef Emmanuel Macron hat mit Putin telefoniert. Der britische Premierminister Boris Johnson verglich den Ukraine-Krieg mit einem Kampf des Guten gegen das Böse.

Alle neuesten Entwicklungen rund um die Verhandlungen und internationalen Reaktionen im Ukraine-Krieg lesen Sie im aktuellen News-Ticker.

Update vom 3. Mai, 16.39 Uhr: Erstmals seit Ende März hat Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron mit Russlands Präsident Wladimir Putin zum Krieg in der Ukraine telefoniert. Das Gespräch am Dienstag habe mehr als zwei Stunden gedauert, hieß es aus dem Élyséepalast. Weitere Details nannte Paris zunächst nicht. Der Kreml teilte mit, Putin habe Macron über die „Befreiung“ der ukrainischen Hafenstadt Mariupol durch russische Truppen informiert sowie über die erfolgreiche Evakuierung von Zivilisten aus dem belagerten Stahlwerk Azowstal.

Überschattet wurde diese Darstellung von ukrainischen Medienberichten, wonach russische Soldaten am Dienstag mit einem neuen Sturm auf Azowstal begonnen haben sollen - obwohl dort wohl immer noch rund 200 Zivilisten festsitzen. Nachdem am vergangenen Wochenende mehr als 120 Menschen von dem Werksgelände gerettet wurden, scheiterte ein weiterer Evakuierungsversuch am Montag.

Zum Telefonat mit Macron teilte der Kreml weiter mit, Putin habe beklagt, dass die europäischen Länder den ukrainischen Beschuss von Ortschaften im Donbass ignorierten. Der Westen hätte den Tod von Zivilisten etwa durch das Einstellen von Waffenlieferungen vermeiden können, hieß es. Moskau wirft Kiew immer wieder Angriffe gegen Zivilisten vor - ungeachtet dessen, dass Russland selbst die Ukraine am 24. Februar angegriffen hatte. Seitdem sehen sich russische Truppen dem Vorwurf ausgesetzt, etwa im Kiewer Vorort Butscha und andernorts schwere Kriegsverbrechen begangen zu haben.

Papst will Putin umstimmen und schildert skurriles Gespräch - Russland irritiert derweil mit Hitler-Äußerungen

Update vom 3. Mai, 15.01 Uhr: Der britische Premierminister Boris Johnson hat der Ukraine die nachhaltige Unterstützung seines Landes zugesichert und den russischen Präsidenten Wladimir Putin scharf kritisiert. „Es geht um ukrainische Demokratie gegen Putins Tyrannei“, sagte Johnson am Dienstag in einer Videoansprache an das ukrainische Parlament. „Es geht um Freiheit gegen Unterdrückung. (...) Es geht um Gut gegen Böse. Und deshalb muss die Ukraine gewinnen.“ Johnson lobte den Mut und Einsatz der ukrainischen Truppen als „eines der glorreichsten Kapitel in der Militärgeschichte und im Leben Ihres Landes“.

Putin habe mit dem Angriff einen schweren Fehler gemacht, sagte Johnson. „Dies ist die Sternstunde der Ukraine, ein episches Kapitel in Ihrer nationalen Geschichte, das über Generationen hinweg erinnert werden wird“, sagte er und zitierte dabei die berühmte Durchhalterede („This Was Their Finest Hour“) des früheren Premierministers Winston Churchill aus dem Zweiten Weltkrieg. „Die Ukraine wird gewinnen, die Ukraine wird frei sein.“

Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, bei seiner Rede vor der Werchowna Rada, dem ukrainischen Parlament in Kiew.
Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, bei seiner Rede vor der Werchowna Rada, dem ukrainischen Parlament in Kiew. © Downing Street/PA Media/dpa

Johnson räumte Fehler ein. „Die Wahrheit ist, dass wir zu langsam waren, um zu begreifen, was wirklich passiert, und wir haben gemeinsam dabei versagt, damals die Sanktionen gegen Wladimir Putin zu verhängen, die wir hätten verhängen müssen. Wir dürfen nicht denselben Fehler wiederholen.“ Johnson kündigte an, dass die britische Botschaft in Kiew wiedereröffnet werde.

Zugleich werde Großbritannien weiterhin Waffen liefern, sagte Johnson. In den kommenden Wochen werde die Ukraine Anti-Schiffsraketen vom Typ Brimstone und Flugabwehrsysteme vom Typ Stormer erhalten. Hinzu kämen 13 gepanzerte Fahrzeuge für die Evakuierung von Zivilisten. Hinzu komme weitere Militärhilfe im Wert von 300 Millionen Pfund (357 Mio Euro). Dazu gehörten Radar zur Lokalisierung russischer Artillerie, Schwerlastdrohnen zur Versorgung der Streitkräfte und Tausende Nachtsichtgeräte.

Ukraine-Verhandlungen: Dänemark hofft, dass Indien auf Putin einwirken kann

Update vom 3. Mai, 14.55 Uhr: Dänemark hofft, dass Indien im Ukraine-Krieg auf Russland einwirken kann. Putin müsse den Krieg und das Töten stoppen, forderte Ministerpräsidentin Mette Frederiksen bei einem Besuch des indischen Staatschefs Narendra Modi in Kopenhagen. Sie hoffe darauf, dass Indien seinen Einfluss bei Russland in dieser Diskussion geltend machen werde. Modi forderte eine sofortige Waffenruhe in der Ukraine sowie Dialog und Diplomatie.

Indien hat zum Ukraine-Krieg eine neutrale Haltung eingenommen. Es trägt westliche Sanktionen nicht mit und enthält sich bei Resolutionen im Weltsicherheitsrat. Zugleich kaufte Indien zuletzt mehr günstiges russisches Öl.

Mit Russland pflegt Indien seit langem gute Beziehungen, es ist bei seiner militärischen Ausrüstung und bei entsprechenden Ersatzteilen stark auf Moskau angewiesen. Allerdings hat Indien auch gute Beziehungen zum Westen und zuletzt erst seine Zusammenarbeit mit den USA verstärkt.

Update vom 3. Mai, 13.08 Uhr: Die Spekulationen über den Gesundheitszustand Wladimir Putins reißen nicht ab. Außenminister Sergej Lawrow reagierte nun auf unerwartete Weise: Auf die Frage, ob der russische Präsident krank sei, lachte er - um dann ausweichend zu antworten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Ukraine-Verhandlungen: Russland wirft Israel Hilfe für „Neonazis in Kiew“ vor

Update vom 3. Mai, 12.28 Uhr: Nach einem Nazi-Vergleich des russischen Außenministers Lawrow ist die Stimmung zwischen Russland und Israel aufgeheizt. Moskau erhebt nun schwere Vorwürfe gegen Israel: Die Regierung in Jerusalem unterstütze „das Neonazi-Regime in Kiew“, teilte das Außenministerium in Moskau am Dienstag mit Blick auf den Ukraine-Krieg mit.

Zuvor hatte Israel den russischen Außenminister Sergej Lawrow scharf kritisiert, weil dieser den ukrainischen Präsidenten Selenskyj indirekt mit Adolf Hitler verglichen hatte. Am Sonntag hatte Lawrow bei einem Interview im italienischen Fernsehen gesagt: „Ich kann mich irren. Aber Adolf Hitler hatte auch jüdisches Blut. Das heißt überhaupt nichts. Das weise jüdische Volk sagt, dass die eifrigsten Antisemiten in der Regel Juden sind.“ Russland begründet seinen Krieg gegen die Ukraine von Beginn an mit der angeblichen „Entnazifizierung“ des Nachbarlandes - obwohl Selenskyj selbst jüdischer Abstammung ist.

Israels Außenminister Jair Lapid verlangte daraufhin eine Entschuldigung. Lawrow propagiere „eine Umkehrung des Holocaust - indem die Opfer in die Verbrecher verwandelt werden, durch die Verbreitung einer vollkommen haltlosen Behauptung, Hitler sei jüdischer Abstammung“, sagte Lapid.

Israels Außenminister Jair Lapid
Jair Lapid, Außenminister von Israel, wirft Russland eine Umkehrung des Holocaust vor. © Andrew Harnik/AP Pool/dpa

Das Außenministerium in Moskau nannte die Kritik Lapids jetzt wiederum „anti-historisch“. Mit der jüdischen Herkunft Selenskyjs zu argumentieren, sei „nicht nur unhaltbar, sondern auch listig“. In der Ukraine gebe es nicht nur eine „wahnsinnige Russophobie und den Kampf gegen alles Russische“, sondern auch Antisemitismus und Antiziganismus, heißt es in der Mitteilung.

Ukraine-Russland-Verhandlungen: Papst Franziskus will Putin treffen – und schildert skurriles Gespräch mit Patriarch

Erstmeldung: Rom - Papst Franziskus ist nach eigenen Worten bereit, Russlands Präsidenten Wladimir Putin in Moskau zu treffen, um ihn zu einer Beendigung des Ukraine-Kriegs zu drängen. Er habe Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin gebeten, Putin die Nachricht zu überbringen, dass er gewillt sei, nach Moskau zu kommen, sagte das katholische Kirchenoberhaupt der italienischen Zeitung Corriere della Sera.

Papst Franziskus bei einem Treffen mit Russlands Machthaber Wladimir Putin im Jahr 2013.
Papst Franziskus bei einem Treffen mit Russlands Machthaber Wladimir Putin im Jahr 2013. © Claudio Peri/afp

„Wir haben noch keine Antwort und wir bestehen noch darauf. Auch wenn ich fürchte, dass Putin in diesem Moment das Treffen nicht machen kann und will“, erklärte der Papst weiter. Der 85-Jährige beklagte zudem die Brutalität des Krieges: „Vor 25 Jahren haben wir mit Ruanda dasselbe erlebt.“

Russland-Ukraine-Verhandlungen: Papst Franziskus erteilt Selenskyj-Einladung Absage - „Zuerst muss ich Putin treffen“

Einen Besuch in der Ukraine hält Franziskus derzeit nicht für möglich. „Ich kann derzeit nicht nach Kiew. Zuerst muss ich nach Moskau, zuerst muss ich Putin treffen“, sagte der Argentinier. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und die Klitschko-Brüder hatten Franziskus bereits eingeladen, nach Kiew zu kommen.

Franziskus erzählte, er habe zu Kriegsbeginn mit Selenskyj gesprochen, mit Putin jedoch nicht. Stattdessen sei er damals zum russischen Botschafter am Heiligen Stuhl gegangen und habe eine Erklärung verlangt. „Ich wollte eine klare Geste machen, die die ganze Welt sieht.“

Ukraine-Verhandlungen: Papst berichtet über erschreckendes Gespräch mit Patriarch Kirill

Den Vorsteher der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kirill, halte er nicht für den Richtigen, um Putin umzustimmen. „Ich habe 40 Minuten mit Kirill über Zoom gesprochen. In den ersten zwanzig hat er mir mit einem Zettel in der Hand die Rechtfertigungen für den Krieg vorgelesen“, schilderte Franziskus. Ein Mitte Juni geplanter Besuch zwischen den beiden Kirchenmännern wurde unlängst abgesagt.

Ukraine-Verhandlungen: Papst Franziskus kritisiert Waffenlieferungen

Der Pontifex kritisierte zudem Waffenlieferungen an die Ukraine. „Der Handel mit Waffen ist ein Skandal, nur wenige wirken dem entgegen“, sagte der Papst, der mit bürgerlichen Namen Jorge Bergoglio heißt. Er gab jedoch zu, nicht auf die Frage, ob das Beliefern der Ukraine richtig sei oder nicht, antworten zu können, weil er zu weit weg sei. Klar sei jedoch, dass in der Ukraine gerade Waffen ausprobiert würden.

Als Fazit zur aktuellen Lage um den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine sagte der Papst, dass es nicht „genügend Willen für den Frieden gibt“. Zuletzt hatte Papst Franziskus bei der Feier der Osternacht im Petersdom für einen emotionalen Höhepunkt gesorgt: Er wandte sich direkt an einen ukrainischen Bürgermeister. (smu mit Material von dpa)

Auch interessant

Kommentare