Sexueller Missbrauch

Der Papst setzt ein Zeichen

Ein früherer US-Kardinal wird in den Laienstand versetzt.

Wenige Tage vor einem Spitzentreffen im Vatikan hat Papst Franziskus den Kampf gegen sexuellen Missbrauch von Kindern in der katholischen Kirche zur „dringenden Herausforderung“ erklärt. „Betet für diese Veranstaltung“, appellierte er am Sonntag beim Angelusgebet eindringlich an die Gläubigen auf dem Petersplatz. Ein starkes Signal mit Blick auf die Konferenz hatte der Heilige Stuhl bereits einen Tag zuvor gesendet: Wegen des Missbrauchs von Kindern und Erwachsenen entließ Papst Franziskus den früheren Erzbischof von Washington, Theodore McCarrick, aus dem Priesteramt.

Der 88-jährige McCarrick war nach der Entscheidung in einer Untersuchung der Glaubenskongregation zudem des Machtmissbrauchs für schuldig befunden worden. Er ist damit in der jüngsten Vergangenheit der bislang höchste Würdenträger, der mit der Versetzung in den Laienstand bestraft wird.

Der Papst hat die Spitzen der Bischofskonferenzen aus aller Welt für den 21. bis 24. Februar einberufen, um über die zahlreichen Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche zu sprechen. Bei dem Treffen solle es darum gehen, ein Bewusstsein für das „Drama“ zu schaffen, hatte Franziskus gesagt. Vor zwei Wochen hatte der Pontifex zudem die Existenz sexuellen Missbrauchs von Nonnen in der Kirche eingeräumt: „Ich weiß, dass Priester und auch Bischöfe das getan haben. Und ich glaube, es wird immer noch getan.“

Ein Mann aus den USA, der McCarrick nach Medienberichten beschuldigt hatte, ihn vom elften Lebensjahr an missbraucht zu haben, ließ nach dem Urteil über seine Anwälte mitteilen: „Nichts kann mir meine Kindheit zurückgeben, und ich habe es nicht genossen, auszusagen oder darüber zu diskutieren, was mit mir passiert ist. Es gibt hier keine Gewinner. Aber ich bin glücklich, dass der Papst mir geglaubt hat.“ Die Erzdiözese von Washington schrieb: „Wir hoffen, dass diese Entscheidung dazu beiträgt, den Heilungsprozess für Überlebende von Missbrauch zu unterstützen.“

McCarrick war dort von 2000 bis 2006 Erzbischof und blieb danach einer der einflussreichsten Kirchenmänner der USA. Angesichts der Missbrauchsvorwürfe wurde ihm aber im Juni 2018 die Erlaubnis entzogen, Gottesdienste zu feiern. Einen Monat später akzeptierte Franziskus dessen Rücktritt aus dem Kardinalskollegium. Derzeit lebt McCarrick in einem Kloster in Kansas.

In der Affäre war auch Franziskus in die Kritik geraten. Der konservative Erzbischof Carlo Maria Viganò hielt dem Pontifex vor, die Vorwürfe gegen McCarrick lange ignoriert und Sanktionen gegen diesen gar rückgängig gemacht zu haben. Der Heilige Stuhl war nach eigenen Angaben im September 2017 vom Erzbistum New York informiert worden, dass ein Mann McCarrick beschuldigt hatte, ihn missbraucht zu haben.

Im Sommer 2018 hatte die Staatsanwaltschaft des US-Staats Pennsylvania einen großangelegten Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche der USA offengelegt: Mehr als 300 Priester sollen sich in den vergangenen 70 Jahren an mehr als 1000 Kindern und Jugendlichen vergangen haben. Weitere Fälle wurden in anderen Bundesstaaten aufgedeckt.

Der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller sagte dem „Spiegel“ mit Blick auf die Missbrauchsfälle: „Wer sich nicht beherrschen kann, ist für das Priesteramt nicht geeignet.“ Er fügte hinzu: „Übrigens bin ich der Meinung, dass kein Mensch gottgewollt als Homosexueller geboren wird.“ In Richtung Papst sagte er, Franziskus dürfe nicht der Versuchung erliegen, „jene Gruppe, die sich mit ihrem Progressismus brüstet, gegen den Rest der Kirche auszuspielen“. Müller saß mehrere Jahre der Glaubenskongregation vor, bevor der Papst seine Amtszeit im Juli 2017 überraschend nicht verlängerte.

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