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Papst Franziskus auf historischer Mission in Schweden.

Reformation

Papst gedenkt mit Lutheranern Reformation

Noch nie da gewesen, historisch, Sternstunde der Ökumene: So wird der Besuch des Papstes in Schweden beschrieben. Katholische und evangelische Christen sollen weiter zusammenrücken.

Mit einer historischen Geste hat Papst Franziskus seine Forderung nach einer weiteren Annäherung von Katholiken und Protestanten untermauert. Erstmals stand er mit lutherischen Geistlichen am Altar, um in einem Gottesdienst zum Auftakt des Jubiläumsjahres der Reformation vor 500 Jahren zu gedenken. Gemeinsam erklärten sie am Montag im südschwedischen Lund, die ökumenischen Bemühungen um ein gemeinsames Abendmahl zu vertiefen.

"Wir dürfen uns nicht mit der Spaltung und der Entfremdung abfinden, die durch die Teilung unter uns hervorgerufen wurden. Wir haben die Gelegenheit, einen entscheidenden Moment unserer Geschichte wieder gutzumachen", sagte der Papst.

Dass er die Reformation nun mit einer solchen Geste würdigt, ist ein starkes, mutiges Zeichen: Schließlich spaltete sich im Verlauf der Reformation die evangelische Kirche von der katholischen ab. Der 31. Oktober 1517 wird mit dem Thesenanschlag von Martin Luther als Beginn der Umwälzung angesehen. Der Papst nimmt in Lund - und nicht etwa in Deutschland - an einer Gedenkveranstaltung teil, da dort vor 70 Jahren der Lutherische Weltbund (LWB) gegründet wurde. Ihm gehören 145 evangelisch-lutherische Kirchen in 98 Ländern an.

"Wir Katholiken und Lutheraner haben begonnen, auf dem Weg der Versöhnung voranzugehen", sagte der Papst in seiner Predigt. Kontroversen und Missverständnisse hätten verhindert, dass man einander verstehe. Diese müssten nun überwunden werden. Die Spaltung der evangelischen und katholische Kirche sei weniger vom "Gottesvolk" als von "Vertretern weltlicher Macht" aufrecht erhalten worden.

"Was niemals hätte zerbrochen werden dürfen, wurde zerbrochen: die Einheit des Leibes Christi. Wir haben verloren, was uns geschenkt ist", sagte LWB-Generalsekretär Martin Junge. Im gemeinsamen Gebet hätten sich katholische und lutherische Christen verpflichtet, "uns abzuwenden von einer von Konflikt und Spaltung überschatteten Vergangenheit um den Weg der Gemeinschaft zu gehen".

Die ökumenischen Bestrebungen hielten Franziskus und der Präsident des Lutherischen Weltbundes (LWB), Munib Younan, in einer gemeinsamen Erklärung fest. "Während die Vergangenheit nicht verändert werden kann, kann das, woran man sich erinnert und wie man sich erinnert, verwandelt werden", hieß es darin.

Die Erklärung geht auch auf einen Knackpunkt ein: das gemeinsame Abendmahl. Viele Gläubige sehnten sich danach, "die Eucharistie in einem Mahl zu empfangen als konkreten Ausdruck der vollen Einheit". Änderungen an dem derzeitigen Ausschluss vom Abendmahl der jeweils anderen Konfession werden allerdings nicht formuliert.

Younan sagte: "Diese Begegnung heute ist nicht das Ende unseres Dialogs, sondern ein neuer Anfang! Ich vertraue darauf, dass wir nicht nur im theologischen Dialog vorankommen, sondern auch im praktischen Zeugnis." Künftig soll die Ökumene vor allem in der Arbeit für Hilfsbedürftige sichtbar werden: Das Hilfswerk des Lutherischen Weltbunds will künftig enger mit der katholischen Caritas zusammenarbeiten.

Der schwedische Regierungschef Stefan Löfven würdigte den Papstbesuch. "Das ist hier groß, es ist historisch", sagte der sozialdemokratische Politiker im schwedischen Fernsehen. Die Sicherheitsvorkehrungen für den Besuch waren höher als bei dem Besuch von US-Präsident Barack Obama im Jahr 2013.

Nach seiner Ankunft in Malmö hatte Franziskus zunächst den schwedischen König Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia getroffen, die anschließend auch den Gottesdienst in Lund besuchten. Danach machte er sich wieder auf den Weg zurück nach Malmö zu einer Veranstaltung mit rund 10 000 Menschen. Die Menge im Saal, in dessen Mitte ein Podium in Form eines Kreuzes gebaut war, jubelte dem Argentinier zu und rief "Papa Francisco".

Fünf Menschen aus der ganzen Welt legten vor dem Papst und dem LWB-Präsidenten ein Zeugnis ab: Eine Inderin etwa berichtete von ihrem Engagement für den Klimawandel. Auch eine Geflüchtete aus dem Südsudan, die es als Sportlerin bis zu den Olympischen Spielen nach Rio geschafft hatte, kam zu Wort. "Während ich deine Geschichte anhörte, kam mir das Leben vieler Jugendlicher in den Sinn, die Zeugnisse wie das deine brauchen", sagte der Papst.

Nach einer Messe am Dienstagmorgen fliegt das Kirchenoberhaupt wieder zurück nach Rom. Es ist die erste Reise eines Papstes in das skandinavische Land seit 1989. Damals hatte Johannes Paul II. Stockholm besucht. In Schweden mit seinen fast zehn Millionen Einwohnern leben rund 113 000 Katholiken. (dpa)

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