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Papst Benedikt und Putin – eine langjährige Beziehung

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Von: Karolin Schäfer

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In seiner sechsjährigen Amtszeit als Oberhaupt der katholischen Kirche pflegte Papst Benedikt XVI. eine besondere Beziehung nach Russland.

Vatikanstadt/Moskau – Der emeritierte Papst Benedikt XVI. ist tot. Das ehemalige Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche verstarb im Alter von 95 Jahren. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) würdigte den Verstorbenen als „prägende Figur der katholischen Kirche“.

Auch der russische Präsident Wladimir Putin reagierte auf den Tod des gebürtigen Bayern. „Benedikt XVI. war eine herausragende religiöse und staatliche Persönlichkeit, ein überzeugter Verteidiger traditioneller christlicher Werte“, hieß es in dem vom Kreml veröffentlichten Beileidsschreiben. „Ich hatte die Gelegenheit, mich mit dieser herausragenden Person auszutauschen, und ich werde für immer die schönsten Erinnerungen an ihn bewahren.“

Putin trifft Papst Benedikt 2007 in Rom, um Differenzen abzubauen

Dabei verbindet die beiden Persönlichkeiten eine ganz besondere Beziehung. Kurz nach Beginn von Benedikts Amtszeit im Jahr 2007 traf sich der Papst mit Putin zu einem Gespräch. Das Ziel: Die damaligen Differenzen zwischen den römisch-katholischen und den orthodoxen Christen beizulegen.

Orthodoxe und Katholiken nähern sich an: Der damalige Papst Benedikt XVI. und der russische Präsident Wladimir Putin. (Archivbild)
Orthodoxe und Katholiken nähern sich an: Der damalige Papst Benedikt XVI. und der russische Präsident Wladimir Putin. (Archivbild) © imago

Die orthodoxe Seite warf der katholischen Kirche vor, in ihren Regionen Gläubige zu missionieren. Das würde allerdings mit dem kanonischen Territoriums Russlands kollidieren, berichtete die Deutsche Welle. Demnach sind die Orthodoxen aus ihrer Sicht allein berechtigt, Menschen in ihrer Glaubensregion zu bekehren.

Zeitenwende nach Treffen zwischen Putin und Papst Benedikt

Doch die Zeiten der Konfrontation schienen vorbei. Bei dem Gespräch im März 2007 soll es unter anderem über die Außenpolitik im Nahen Osten sowie die „Notwendigkeit, den Frieden zu bewahren und friedliche Verhandlungslösungen für Konflikte zu fördern“, gegangen sein, zitierte Newsweek eine damalige Erklärung. Das Treffen galt als entscheidender Wendepunkt für die Auflösung der Spannungen zwischen der katholischen Kirche und Russland.

Auch die Gespräche zwischen Benedikt und Kyrill, Patriarch von Moskau und Vorsteher der russisch-orthodoxen Kirche, schienen die Beziehung zu stärken. Newsweek zufolge unterhielten sie ein freundschaftliches Verhältnis, da sie sich gegen den säkularen Einfluss des Westens und die gleichgeschlechtliche Ehe aussprachen.

Ukraine-Krieg: Spannungen zwischen Putin und Papst Franziskus

Auch Benedikts Nachfolger Papst Franziskus wollte auf dieser Dynamik aufbauen. Mehrmals traf sich der Argentinier mit Putin, um die Beziehung zu stärken. 2015 kam es allerdings zu ersten Spannungen, nachdem Putin die ukrainische Schwarzmeer-Halbinsel Krim annektiert hatte. Franziskus forderte Moskau zu einem Waffenstillstandsabkommen auf.

Nach einem weiteren Treffen im Jahr 2019 über die Ukraine, nahm der Vatikan schließlich eine andere Haltung gegenüber der russischen Führung ein. Mit Beginn des Ukraine-Krieges im Februar 2022 forderte Franziskus wiederholt ein Ende der Gewalt. „Mein Herz ist weiter dem ukrainischen Volk zugewandt, besonders den Bewohnern der Gegenden, auf die die Bombardements eingeschlagen sind“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche im Oktober. Auch mit dem russisch-orthodoxen Kirchenoberhaupt Kyrill scheint Franziskus nicht auf Versöhnungskurs zu sein. (kas)

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