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Hilfe für Scholz: US-Senatoren wollen Abrams-Panzer liefern

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Von: Stefan Krieger

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Im Mittelpunkt des Streits über die Lieferung von Kampfpanzern in die Ukraine steht Bundeskanzler Scholz. Aber auch die USA zögern bislang.

Berlin – Soll Wolodymyr Selenskyj Kampfpanzer westlicher Bauart erhalten, um die russischen Angreifer im Ukraine-Krieg zurückzudrängen? Oder kann das zu einer Eskalation und gefährlichen Ausweitung des Konflikts führen? Auf die Frage, ob die Lieferung amerikanischer US-Panzer vom Typ M1 Abrams eine Bedingung für eine Entscheidung Deutschlands sei, antwortete Bundeskanzler Olaf Scholz bei einer Pressekonferenz nach seinem Treffen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Sonntag (22. Januar) nicht.

Die USA unterdessen hätten zwar nichts dagegen, wenn die europäischen Verbündeten Leopard-2-Panzer liefern würden. Ihre eigenen M1 Abrams halten sie für einen Kriegseinsatz in der Ukraine aber aus verschiedenen Gründen für weniger tauglich: hoher Spritverbrauch, langer Transportweg, kompliziertere Versorgung mit Ersatzteilen.

Ein US-Kampfpanzer von Typ M1A1 Abrams bei einer Übung
Ein US-Kampfpanzer von Typ M1A1 Abrams bei einer Übung in Polen. Liefern die Vereinigten Staaten an die Ukraine? © U.S. Army/dpa

Panzerlieferungen an die Ukraine: US-Senatoren machen Druck auf Biden

Jetzt aber mehren sich die Stimmen im US-Kongress, dass die Regierung unter Präsident Joe Biden durch eine Bereitstellung amerikanischer Abrams-Panzer den Weg für die Leopard-2-Panzer frei machen soll. Richard Blumenthal, als demokratischer Senator von Connecticut Parteifreund von Biden, sprach sich jedenfalls nach einem Besuch in der Ukraine klar für einen solchen Schritt aus.

Blumenthal fühlte sich angesichts der schockierenden Szenen von zerbombten Wohnhäusern, umgestürzten Stromtransformatoren und anderen Zeichen der russischen Belagerung an Bilder von London während des Nazi-Blitzkrieges im Zweiten Weltkrieg erinnert, wie die Connecticut Post berichtet. Blumenthal sei jetzt überzeugt von der Notwendigkeit, dass die Vereinigten Staaten ihre Hilfe für die Ukraine aufstocken müssten, und unter anderem Raketen mit größerer Reichweite und eben auch M1-Abrams-Kampfpanzer liefern sollten. „Die Biden-Regierung hat dazu den Schlüssel in der Hand. Wir sollten Abrams liefern, und dann werden die Deutschen auch Leopard-2-Panzer hergeben, um den russischen Angriff zu stoppen“, wird Blumenthal zitiert.

Es besteht Einigkeit: Die Ukraine braucht Panzer

Blumenthals Kollege im Senat, Sheldon Whitehouse, schlug ähnliche Töne an. „Okay, alle Beteiligten sind sich einig, dass die Ukraine dringend Panzer braucht, in einem Krieg, den die Ukraine dringend gewinnen muss“, twitterte Whitehouse. „Aber die Ukraine bekommt keine Panzer, weil sich die Länder nicht einigen können, wer wann welche Panzer liefert? Ernsthaft?“

In einem Interview des US-Senders ABC äußerte sich Michael McCaul, der republikanische Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Repräsentantenhauses, jüngst ganz ähnlich. Wie das RND berichtet, empfahl McCaul, dass sich die Biden-Regierung bereit erklären solle, „einen einzigen“ Abrams-Panzer zu liefern: „Nach dem, was ich höre, wartet Deutschland darauf, dass wir die Führungsrolle übernehmen.“ Er glaube sogar, dass die bloße Ankündigung reiche, um dem Zögern von Bundeskanzler Olaf Scholz ein Ende zu setzen.

Panzer für die Ukraine: Bislang hat sich nur Großbritannien klar geäußert

Auch Michael McFaul, ehemaliger US-Botschafter der Obama-Regierung in Moskau, kann das Zögern der US-Regierung nicht verstehen. „Wenn die Abrams-Panzer in Polen funktionieren, warum können sie dann nicht in der Ukraine eingesetzt werden? Ich verstehe, dass der Kerosinverbrauch und die hohen Wartungskosten ein Problem darstellen.“ Aber dies allein sei kein Grund, keine Abrams an die Ukraine zu liefern, so McFaul auf Twitter.

Auch wenn der Druck aus den USA jetzt wächst, bleibt es vorläufig dabei, dass sich bisher nur ein Land klar dazu entschieden hat, die Ukraine mit Kampfpanzern westlicher Bauart auszustatten: Großbritannien. 14 Exemplare des seit Mitte der 90er Jahre von den britischen Streitkräften genutzten Challenger 2 sollen ins Kriegsgebiet geliefert werden. Diese Entscheidung wollte die britische Regierung vor der Ramstein-Konferenz als Signal an die Verbündeten verstanden wissen und hoffte darauf, dass andere Länder mitziehen. „Ich würde nichts lieber sehen, als dass die Ukrainer mit Leopard 2 ausgerüstet sind“, sagte der britische Außenminister James Cleverl. Bisher ging das Kalkül der Briten aber noch nicht auf. Die Uneinigkeit des Westens hilft unterdessen nur Russland. Sie ist genau das, was Putin sich wünscht. (skr/dpa)

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