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Der Taksim-Platz im Herzen von Istanbul nach dem Anschlag.

Istanbul

Panik im Touristenviertel

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Das Attentat in Istanbul war nicht das erste Attentat auf dem zentralen Taksim-Platz. 1999 wurden hier bei einem Selbstmordanschlag 13 Menschen verletzt. Zwei Jahre darauf sprengte sich erneut ein Attentäter auf dem Taksim-Platz.

Es ist ein milder Sonntagmorgen in Istanbul, der Bosporus und das Goldene Horn glitzern in der Sonne. Der Taksim-Platz, in dessen Mitte ein Denkmal des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk steht, ist noch festlich mit türkischen Nationalfahnen beflaggt. Erst am Freitag feierte die Türkei den 87. Jahrestag der Republik. Doch um 10.30 Uhr ist es vorbei mit der Idylle: eine Explosion schreckt die Menschen auf. Schüsse fallen, Panik bricht unter den Passanten aus. Wenig später heulen Sirenen.

Den Sanitätern und Feuerwehrleuten bietet sich ein schreckliches Bild: blutüberströmte Menschen liegen am Boden, unter ihnen viele Polizisten. Neben einem Mannschaftswagen der Polizei liegt die Leiche des Selbstmordattentäters, der bei dem Versuch, den Polizeibus in die Luft zu sprengen, diese Verwüstung angerichtet hat. 32 Verletzte bergen die Helfer, von denen die meisten die Kliniken aber wenig später wieder verlassen können.

Der Anschlag hätte weitaus schlimmere Folgen haben können, wäre er nicht an einem relativ ruhigen Sonntagmorgen verübt worden, sondern an einem Wochentag zur Hauptverkehrszeit. Der Platz zieht nicht nur viele Berufspendler an sondern ist auch ein Magnet für Touristen, die in den zahlreichen Hotels der Umgebung übernachten, Restaurants und Cafés besuchen. Von hier sind es nur wenige Schritte zur Istiklal Caddesi, Istanbuls belebtester Fußgänger- und Einkaufsstraße. Traditionell ist der Taksim-Platz auch jener Ort in Istanbul, wo sich Demonstranten versammeln. Schon deshalb zeigt die Polizei hier Präsenz. Ständig parken hinter Absperrgittern Streifenwagen und Mannschaftsbusse der Polizei.

Einem dieser Busse galt der Anschlag: Der Attentäter habe versucht, in den mit Polizeibeamten besetzten Bus einzudringen, berichtete Polizeichef Hüseyin Capkin. Das sei ihm aber nicht gelungen. Er habe dann seine Bombe außerhalb des Busses gezündet. Augenzeugen berichteten von einer „sehr lauten Explosion“, die Panik unter den Passanten ausgelöst habe. „Die Menschen versuchten, fortzulaufen oder sie warfen sich auf den Boden, um sich in Deckung zu bringen“, sagte der Angestellte eines Hotels, das nur wenige Meter entfernt ist.

Es war nicht das erste Mal, dass Polizeiposten auf dem Taksim-Platz Ziel von Angriffen wurden: 1999 wurden hier bei einem Selbstmordanschlag 13 Menschen verletzt. Zwei Jahre darauf sprengte sich erneut ein Attentäter auf dem Taksim-Platz in die Luft. Er nahm zwei Polizisten mit in den Tod, zehn Menschen wurden verletzt. Diese beiden Attentate wurden seinerzeit der kurdischen Rebellenbewegung PKK zugeschrieben, deren bewaffneter Kampf für Autonomie seit 1984 fast 40?000 Tote gefordert hat.

Die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) distanzierte sich am Montag von dem Anschlag. Sie habe nichts mit der Gewalttat zu tun. Gleichzeitig verlängerte die PKK eine am Sonntag abgelaufene einseitige Feuerpause bis zu den nächsten türkischen Parlamentswahlen im Juni kommenden Jahres. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte in mehreren Äußerungen angedeutet, dass er die PKK für die Tat verantwortlich macht. Aufschlüsse versprechen sich die Ermittler unter anderem von der Identifizierung des Attentäters. Möglicherweise war der Attentäter nicht allein: Bilder von Überwachungskameras zeigten einen möglichen Komplizen.

Die Fernsehbilder von dem Anschlag gingen am Wochenende um die Welt. Sie sind keine Werbung für Istanbul und die Türkei.

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