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Die britischen Gesundheitsbehörden arbeiten bereits mit Palantir zusammen.

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Palantir will im Kampf gegen Corona mitmischen

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Die US-Firma bietet Regierungen Planungs-Software zur Bewältigung der Krise an. Dagegen laufen Datenschützer Sturm.

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie schaltet sich jetzt auch eine umstrittene Datenanalysefirma ein: Das US-Unternehmen Palantir soll mehreren europäischen Regierungen – darunter auch der Bundesregierung – angeboten haben, sie im Vorgehen gegen das Virus mit Software zu unterstützen. Mit Behörden in Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz sollen dazu bereits Gespräche laufen. Das berichtet die US-Nachrichtenagentur Bloomberg und beruft sich dabei auf eine „mit der Angelegenheit vertraute Person“.

Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums sowie das Unternehmen selbst wollten das der FR gegenüber zwar weder bestätigen noch dementieren. Der Unternehmenssprecher erklärte aber, im Kampf gegen Covid-19 unterstütze Palantir „eine Vielzahl von Partnern aus dem öffentlichen Bereich“. Öffentlichen Institutionen werde die Software und der Einsatz von Ingenieuren „in der Regel und wo dies rechtlich möglich ist, kostenfrei zur Verfügung“ gestellt.

Dabei geht es aber nicht, wie Ende vergangener Woche von mehreren deutschen Medien berichtet, um eine Corona-App zur Analyse der Infektionswege. Palantir entwickele keine App zum Virus-Tracking, so der Sprecher. Vielmehr will das Unternehmen Software bereitstellen, mit deren Hilfe „Daten unterschiedlichster Formate und Systeme“ integriert werden können. So soll „ein einheitliches Lagebild in Echtzeit“ entstehen und Entscheidungsträger etwa die Wirksamkeit von Eindämmungsstrategien überprüfen oder Szenarien und Exit-Strategien planen können. Mit welchen Datensätzen das Programm arbeitet, bleibt allerdings unklar.

Datenschützer in Aufruhr

Bei Datenschützern haben die Berichte über mögliche Gespräche der Bundesregierung mit Palantir für Aufruhr gesorgt. Die Softwarefirma ist umstritten – unter anderem wegen Verbindungen zu US-Geheimdiensten. Zwar sei es gängige Praxis, dass Bundesbehörden auf die technologische Expertise von Unternehmen zurückgriffen, sagt Christian Thönnes von der Gesellschaft für Freiheitsrechte. Dagegen sei grundsätzlich nichts einzuwenden. „Wichtig ist aber, wie die Software ausgestaltet ist, und dass Firmen die Quellcodes offenlegen, damit unabhängige Experten sie etwa darauf prüfen können, ob sie datenschutzkonform sind.“ Palantir sei allerdings - ähnlich wie Google - für das genaue Gegenteil bekannt.

Das Analyse-Programm „Hessendata“ etwa, das Palantir 2017 an die hessische Polizei verkauft hat, nennt Thönnes „katastrophal“ und „datenschutzfeindlich“. Die Firma wache über Informationen zur Funktionsweise der Software wie über „einen Geheimschatz“. Damit Palantir als Partner der Bundesregierung im Kampf gegen das Coronavirus infrage komme, müsse sich die Firma in kürzester Zeit „vom Saulus zum Paulus“ wandeln, sagt Thönnes. „Und das halte ich für sehr unwahrscheinlich.“

Ein umfangreiches Dossierüber das Unternehmen Palantir und den Einsatz seiner Software in den Sicherheitsbehörden kann unter www.fr.de/palantir heruntergeladen werden.

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