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Pervez Musharraf.

Pervez Musharraf

Pakistan spottet über flüchtenden Musharraf

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Pakistan überschüttet den Ex-Diktator Musharraf mit Hohn und Spott, nachdem er sich aus dem Gerichtssaal verdrückt hat, um einem Haftbefehl zu entgehen.

Pakistan überschüttet den Ex-Diktator Musharraf mit Hohn und Spott, nachdem er sich aus dem Gerichtssaal verdrückt hat, um einem Haftbefehl zu entgehen.

"Wenn es so entschieden wird, gehe ich eben ins Gefängnis", erklärte Pakistans Ex-Diktator Pervez Musharraf vor drei Tagen, nachdem Richter des Landes ihm verboten hatten, bei den Parlamentswahlen am 11. Mai anzutreten. Doch die Kluft zwischen vollmundigen Reden und opportunistischem Handeln war bei dem General schon immer ziemlich weit. Umringt von der Leibwache, die ihm seit der Rückkehr nach Pakistan im März von der gegenwärtigen Armeeführung gestellt wird, verdrückte Musharraf sich und suchte Zuflucht auf seinem weitläufigen Anwesen Chak Shahzad am Rand von Islamabad.

Denn Richter Shaukat Aziz Siddiqui in Islamabad hatte einen Haftbefehl gegen ihn erlassen. Er hob die Kaution auf, die Musharraf wegen einigen anhängigen Verfahren gestellt hatte. Der Richter erweiterte zudem die Vorwürfe des verfassungswidrigen Staatsstreichs im Jahr 1999 und der Beteiligung am Mord von Oppositionspolitikerin Benazir Bhutto um die Anklage des Terrorismus und erließ einen Haftbefehl.

Ganz Pakistan höhnt und spottet

Doch so einfach verhaftet man einen ehemaligen Chef der pakistanischen Streitkräfte nicht. Die Polizisten im Gerichtssaal wagten nicht einmal, ihre Handschellen zu zücken. Statt dessen höhnt und spottet ganz Pakistan. "Jetzt verstehe wir, wieso Musharraf behauptet, er habe nie von hinten geführt", amüsierte sich höhnte Marvi Sirmed per Twitter, "denn er macht sich von hinten aus dem Staub!" Ihr Landsmann Iftikhar Firdous mutmaßte mit beißender Ironie: "Irgendwie scheint Mushi seinen Slogan "Go Musharraf go" falsch zu verstehen."

Falsch verstanden hat der General zumindest die Stimmung in seinem Heimatland. "Ich will Pakistan retten", verkündete der General, der 1999 mit der gleichen Begründung bereits den damals amtierenden, gewählten Premierminister Nawaz Sharif in die Wüste geschickt hatte, bei seiner Heimkehr im März.

Zumindest die Richter des Landes wollen freilich nicht vergessen, welche Mittel der frühere Kommandokämpfer dabei einsetzte. Unter anderem hatte Musharraf im Jahr 2007 die gesamte Führung der Richterschaft sowie zahlreiche Anwälte in Hausarrest gesteckt.

Rachefeldzug gegen den Ex-General

Nun bläst insbesondere der Oberste Richter Iftikhar Chowdry, der damals im Mittelpunkt der Generalswut stand, zum Rachefeldzug gegen den Ex-General. Präsident Asif Ali Zardari, der vom Chef der pakistanischen Justiz nicht minder drangsaliert wird, beobachtet Musharrafs Flucht vor dem langen Arm der Justiz mit Argusaugen. Schließlich droht ihm seitens des Obersten Richters ein ähnliches Schicksal, falls er im Herbst nicht wiedergewählt wird und seine Immunität verliert.

Im Gegensatz zu Zardari hat Musharraf freilich mächtige Schutzengel: die Generäle des Landes. Und im ganzen, rund 180 Millionen Einwohner zählenden Land ist auch kein einziger Polizist zu finden, der den Mut aufbringen würde, einem Offizier einen Haftbefehl zu präsentieren.

Musharraf kann in seinem luxuriösen Anwesen samt Swimming Pool also weiter ungehindert davon träumen, Pakistan zu retten. Ernst nimmt den Man, der einst das Kommando über die Atomwaffen seines Landes hatte, längst niemand mehr. Die Pakistaner lachen über Musharrafs Glauben, er genieße Unterstützung beim Wahlvolk. Und die Generäle, die seine Verhaftung gegenwärtig nicht zulassen würden, sind froh, dass er endgültig im Ruhestand ist.

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