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Das Militär scheint ein bisschen weiter mit der Emanzipation als die Zivilgesellschaft zu sein.

Pakistan

Pakistan legt Gebote für Frauen fest

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Der oberste religiöse Rat Pakistans bringt sich mit sieben Geboten für die Frau in Bedrängnis. Das Regelwerk erlaubt bei Nichtbeachtung des Katalogs auch Schläge.

Maulana Mohammed Khan Sheerani sitzt mit Unterbrechungen seit 1988 im pakistanischen Parlament und steht seit einigen Jahren auch dem „Council of Islamic Ideology“ (CII) vor, dem höchsten religiösen Gremium Pakistans. Eines, dass ein für allemal abgeschafft gehört, wie Aktivisten fordern. Denn kaum hatte Sheeranis Gruppe ein im Februar verabschiedetes Frauenschutzgesetz in der Provinz Punjab als „unislamisch“ denunziert und Kernpunkte eines eigenen CII-Entwurfs präsentiert, hagelte es Schmähungen und Vorwürfe.

Der Grund: Der 20-köpfige Rat unter Führung von Sheerani verkündete sieben Gebote für Pakistans Frauen auf 163 Seiten. Bei einem Verstoß dürften die aufsässigen Ehefrauen von ihren Ehemännern „leicht geschlagen“ werden. Die Prügelstrafe nach Gutdünken sei fällig, wenn eine Pakistanerin Befehlen des Gatten nicht gehorcht, sich anders als gewünscht kleidet, ohne religiöse Begründung den ehelichen Geschlechtsverkehr verweigert und sich anschließend nicht waschen würde. Die Verweigerung des Hidschab-Kopftuchs genügt ebenso als Strafgrund wie ein Gespräch mit Fremden oder die finanzielle Unterstützung von Dritten ohne Zustimmung des Ehemanns.

Nun ist keines dieser Gebote bindend, aber es zeigt doch das archaische Islamverständnis, das Pakistans Sittenwächter haben. So lautstark die Empörung über Maulana hereinbrach, so sehr sorgt er sich – wenn auch mit witzigem Unterton – um die Männer des Landes. „Wenn eine Frau ein Mann auf den Kopf schlägt, könnte er Haarausfall erleiden“, antwortete der Sittenwächter auf die Frage, ob Frauen Männer schlagen dürften. „Der Islam ist gegen Gewalt“, verkündete Shervani. Männer dürften ihre Frauen nur leicht mit einem Schal oder einem Klaps zur Rechenschaft ziehen.

Vor allem sei der „leichte Schlag“ erst die dritte Stufe der Bestrafung. Zunächst solle der fromme Ehemann seine Gattin mit guten Worten auf die gewünschte Linie bringen. Zu Schlägen dürfe es erst kommen, wenn die Frau nach Tagen der Abwesenheiten des Gatten vom gemeinsamen Ehebett samt Sex-Entzug nicht einsichtig geworden sei. Leider erklärte Sheerani nicht, wie eine Gattin durch solchermaßen bestraft werden kann, wenn sie zuvor just gegen das Gebot verstieß, ohne religiöse Begründung just jene Aktivität zu verweigern.

Keine Werbung für Kondome

Der Aufschrei der Empörung, den die Vorstellungen auslösten, scheinen die Kleriker des Landes einigermaßen zu erstaunen. Schließlich befand Pakistan sich seit den 80er Jahren auf dem unaufhaltsamen Weg in eine fundamentalistische Islamisierung. Aber ausgerechnet das Militär des Landes sorgte dafür, dass plötzlich Widerstand aus den wenigen verblieben liberaleren Ecken des 180 Millionen Einwohner zählenden Landes ertönt. Armeechef Raheel Sharif verdrängte mit einer harschen Offensive die radikalislamischen Extremisten des Landes und dämmte Anschläge ein.

Männer wie CII-Chef Sheerani verstehen plötzlich die Welt nicht mehr und Gegner der Fundamentalisierung fassen wieder etwas Mut. Doch dem Land mit seinen konservativen Sitten steht ein langer und mühsamer Weg bevor. Am Sonntag verbot Pakistans Fernsehbehörde die Ausstrahlung von Werbung für Verhütungsmittel. Begründung: Die Reklame könne unschuldige Gemüter auf dumme Gedanken bringen. Laut internationalen Organisationen besitzt Pakistan Südasiens schlechteste Möglichkeiten für Familienplanung.

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