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Unicef-Vize Justin Forsyth tritt von seinem Posten zurück. (Archivbild)

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Oxfam-Skandal zieht immer weitere Kreise

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Neue Vorwürfe wegen Sexualstraftaten gegen Hilfsorganisationen. Der Unicef-Vize Justin Forsyth tritt zurück.

Der Prostitutions-Skandal bei der britischen Hungerhilfe Oxfam bringt den gesamten Sektor karitativer Organisationen in Bedrängnis. Die breite Berichterstattung hat auch in anderen Hilfswerken Mißstände bis hin zu Sexualstraftaten zu Tage treten lassen. Der prominente englische Entwicklungshelfer Justin Forsyth trat von seinem Amt als Vize-Direktor bei Unicef zurück. Auch die Oxfam-Spitze sieht sich mit neuen Rücktrittsforderungen konfrontiert.

Am Donnerstag machte der niederländische Zweig des Kinderhilfswerks Plan International Vorwürfe wegen Sexualstraftaten öffentlich. Ein Plan-Angestellter sowie fünf externe Mitarbeiter seien fristlos entlassen worden, zudem habe man bei der Polizei Strafanzeige gestellt, teilte die zuständige Direktorin Monique van‘t Hek mit. Bereits vergangene Woche hatte sich „Ärzte ohne Grenzen“ im Gefolge des Oxfam-Skandals zum Gang in die Öffentlichkeit durchgerungen. Dort soll es im vergangenen Jahr 24 Fälle von sexuellen Übergriffen gegeben haben; 19 Mitarbeiter wurden entlassen.

Vizechef von Unicef tritt zurück

Während es bei Oxfam um Vorwürfe geht, wonach Entwicklungshelfer in Einsatzgebieten von ihnen abhängige Frauen zu Sex zwangen, wandten sich Mitarbeiterinnen von „Save the Children UK“ mit Anschuldigungen gegen führende Manager an die britischen Medien. Der damalige Direktor Justin Forsyth musste sich mehrfach wegen Vorwürfen sexueller Belästigung durch anzügliche Bemerkungen verantworten. Die internen Überprüfungen endeten jeweils mit einer Entschuldigung des Managers, weitere Konsequenzen blieben aus. Am Donnerstag legte Forsyth seinen Posten als Vizechef bei Unicef in New York nieder. Er wolle Schaden von der Organisation abwenden.

Forsyth‘ Freund Brendan Cox - beide arbeiteten vor zehn Jahren für den damaligen Labour-Premier Gordon Brown - steht wegen handfester Übergriffe auf Kolleginnen im Kreuzfeuer. Dem umfassenden Artikel einer Sonntagszeitung kam der Witwer der 2016 ermordeten Labour-Abgeordneten Joanne Cox durch ein tränenreiches Geständnis zuvor. Seine Posten bei zwei Hilfsorganisationen, die das Andenken seiner Frau bewahren sollen, legte er nieder.

Cox galt bei Insidern schon zu Lebzeiten seiner Frau als notorischer Grabscher. Bei „Save the Children“ kursierte seit längerem eine Anekdote, wonach man vor Jahren eine Mitarbeiterin in New York gebeten habe, den Besucher aus London für eine Nacht unterzubringen. Die Frau habe ihre WG-Partnerin um Erlaubnis gebeten, was diese mit der Bemerkung quittierte: „Der Mann kommt mir nur ins Haus, wenn Du mir ein Schloss an die Zimmertür montierst.“ Auch Männer beschrieben die Atmosphäre bei der Hilfsorganisation unter Forsyth‘ und Cox‘ Leitung als „furchtbar: dauernd Gebrüll, Einschüchterung, Macho-Gehabe“.

Spender stellen Zahlungen ein

Joanne und Brendan Cox hatten sich während ihrer gemeinsamen Arbeit bei Oxfam kennengelernt. Die Organisation, 1942 als „Oxforder Komitee für Hungerhilfe“ gegründet, genoss bisher einen untadeligen Ruf, an vergleichbare Skandale kann sich niemand erinnern. Jetzt haben mehr als 7000 Spender ihre regelmässigen Zahlungen eingestellt; der Friedensnobelpreisträger und emeritierte Bischof von Kapstadt, Desmond Tutu, 86, legte seine Funktion als Oxfam-Botschafter „tief enttäuscht“ nieder.

Neben solch katastrophalem Imageverlust droht dem Hilfswerk mit 2500 Mitarbeitern und 31000 Freiwilligen weltweit auch massiver Finanzschaden. Die konservative Entwicklungshilfeministerin Penelope Mordaunt gab Oxfam zu verstehen, man brauche sich bis auf weiteres nicht mehr um öffentliche Gelder zu bemühen. Allein aus Mordaunts Etat bezog Oxfam zuletzt jährlich 32 Mio Pfund, die EU legte weitere 29 Mio Euro drauf. Dem jüngsten Jahresbericht zufolge kam das Gesamtbudget von 408,6 Millionen Pfund (461 Mio Euro/530 Mio Franken) zu 45 Prozent von staatlichen Organisationen, der Rest von privaten Geldgebern und Unternehmen.

Für die Vertuschung der internen Untersuchung von 2011, die sich auf Vorgänge in Haiti bezog, musste Oxfam-Vize Penelope Lawrence ihren Hut nehmen. Intern gilt aber auch Direktor Mark Goldring als beschädigt, nicht zuletzt durch ein Medien-Interview, in dem er die Kritik larmoyant beklagte: „Haben wir etwa Babys in ihren Wiegen ermordet?“

Unterdessen melden sich in der britischen Diskussion auch Prominente zu Wort, die den Sektor verteidigen. Der Schriftsteller Mark Haddon („Supergute Tage“) rief die Öffentlichkeit dazu auf, weiter zu spenden: Er habe eine Vielzahl von Oxfam-Projekten, beispielsweise in Äthiopien und Jordanien, besichtigt, „die das Leben von Frauen verbesserten durch Arbeitsmöglichkeiten, ein eigenes Einkommen, Bildung und Gesundheitsvorsorge“. Allerdings müssten die Wohlfahrtsorganisationen ihre Tätigkeit einer genauen Prüfung unterziehen, Fehler akeptieren und ausmerzen.

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