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Russland-Ukraine-Krieg: Erfundene und echte Opfer

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Von: Peter Rutkowski

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Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine wird auch auf Informationsebene geführt. Opferzahlen werden gemeldet, korrigiert und taktisch eingesetzt.

Kiew – Neben den realen Kämpfen tobt zwischen Russland und der Ukraine täglich eine Propagandaschlacht. Und in den Separatistengebieten werden Männer offenbar von der Straße weg zum Frontdienst verpflichtet. Das Marionettenregime der „Volksrepublik Donezk“ hat am Freitag (10. Juni) mitgeteilt, dass durch ukrainische Artillerieschäge auf Makijiwka eine Person verletzt worden sei. Zum Kontrast: Charkiws Gouverneur Oleh Synjehubow meldete, dass durch russische Artillerie in seiner Region zwei Menschen getötet und 15 verletzt wurden.

Angesichts der ehernen Regeln der Propaganda muss man diese Verluste dahingehend korrigieren, dass in Makijiwka wohl niemand Schaden erlitten hat und dass es in der Oblast Charkiw wahrscheinlich mehr Tote und Verletzte gibt. Die einen – Aggressoren wie ihre russischen Sponsoren – wollen sich als Opfer darstellen, die anderen müssen einen Balanceakt zwischen Aufrechterhaltung der Kampfmoral in der Bevölkerung und unterschwelliger Anklage gegen den Westen, der wenig tut, um der Ukraine zu helfen. Immerhin: Noch hält die ukrainische Verteidigung.

Ein ukrainischer Soldat steht in einem Wohnhaus in Sjewjerodonezk und sieht mit einigem Abstand durch das Fenster nach draußen. (Symbolbild)
In Sjewjerodonezk soll eine Chemiefabrik von russischen Truppen umzingelt sein. (Symbolbild) © dpa

Ukraine-News: Russland greift auf 60er Jahre Ausrüstung zurück

Im Gegensatz zur russischen Invasion: In den Separatistengebieten Luhansk und Donezk häufen sich offenbar soziale Konflikte zwischen Führung und Volk. Die Oberen versuchen durch Presskommandos Männer von der Straße weg zum Frontdienst zu verpflichten, was Ausfälle in der Produktion des schwerindustriell geprägten Donbass bedeutet. Abgekämpfte und ausgeblutete russische Truppen, die durch den Donbass zurückgeführt werden, lassen viele das Schlimmste erwarten, sollten sie an die Front kommen.

In eigener Sache

„Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit.“ Dieses traurige Wort gilt leider auch in der Ukraine. Angesichts der sich ständig entwickelnden Frontlage lassen sich Meldungen von ukrainischer wie von russischer Seite her kaum je unabhängig überprüfen. Die Frankfurter Rundschau bemüht sich anhand breiter Recherchen um weitestmögliche Genauigkeit. (FR)

Denn an den Fronten geht es derzeit höchstens meterweise vor oder zurück. Der ukrainische Generalstab bestätigte am Freitag, seine Truppen würden in Sjewjerodonezk nur noch das Chemiekombinat Azot halten, alle Wohngebiete der Stadt seien in russischer Hand. Das kann sich aber stündlich ändern. Weitere russische Versuche, größere Geländegewinne am Westrand des Donbass zu erlangen, wurden alle abgewiesen. Im Südwesten bei Cherson konnten ukrainische Truppen lokal begrenzte Erfolge vermelden.

Und noch etwas wird von der Front gemeldet: Immer öfter sieht man auf russischer Seite Kriegsgerät aus den 60er Jahren im Einsatz und bei Cherson wurden offenbar Landminen aus den 50er Jahren vergraben. (Peter Rutkowski)

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