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Nach der Grenzöffnung auf schnellstem Weg über die Mauer: Berlin, 1989.

Wiedervereinigung

Wie hat der Osten den Westen geprägt?

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Wissenschaftler, Politiker und Medienmacher diskutieren über alte Trennlinien zwischen BRD und DDR und neue Aufsteiger wie AfD und Pegida.

Robert Grünbaum brachte auf den Punkt, was im Saal vermutlich Konsens war. „Die Vergangenheit der DDR ist noch längst nicht Geschichte“, sagte der stellvertretende Geschäftsführer der Bundesstiftung Aufarbeitung. Weniger Einigkeit herrschte am Dienstagabend hinsichtlich der Frage, welchen Einfluss der Osten auf das wiedervereinigte Deutschland habe. Diese Frage nämlich wurde von der Stiftung aufgeworfen – entgegen der üblichen Erzählung, wonach der Westen dem Osten durchweg erfolgreich seinen Stempel aufdrückt habe und nicht umgekehrt.

Zunächst drehte sich die Diskussion um einen Aspekt, der seit Monaten die Ost-West-Debatte überlagert – ob Deutschland durch den Osten im Zeichen von AfD und Pegida rechter geworden sei. Die junge ostdeutsche Sozialwissenschaftlerin Bianca Ely beklagte jedenfalls die überproportionale rassistische Gewalt und die mangelnde Akzeptanz von Vielfalt in den sogenannten neuen Ländern.

Die Autorin Jana Simon, Enkelin von Christa Wolf, widersprach: Sie habe monatelang AfD-Veranstaltungen in Ost wie West besucht und dabei festgestellt, dass deren Besucher hier wie dort ähnliche Probleme hätten. Der Unterschied sei lediglich, dass der rechtspopulistische Protest im Osten auf Straßen und Plätzen stattfinde und im Westen in geschlossenen Räumen.

Lorenz Maroldt, Chefredakteur des „Tagesspiegels“, mutmaßte daraufhin, im Westen spiele womöglich noch stärker eine Rolle, was die Nachbarn dächten. Überdies sei Deutschland insgesamt nicht rechter geworden, glaubt er. Dafür seien Rechtspopulismus und -extremismus sichtbarer als früher.

In welchem Maße der Osten das vereinigte Deutschland prägt, statt sich stets einseitig vom Westen prägen lassen zu müssen, wurde ansonsten bloß angetippt. Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), einst Ostbeauftragter der Bundesregierung, sagte, nach 1989 habe es eine lang andauernde Phase der Verwestlichung des Ostens gegeben, begleitet von einem Gefühl der Verunsicherung und Bedrohung bei vielen Betroffenen. Heute sieht er indes mehr Austausch, Befruchtung und Durchmischung. Außerdem gebe der Osten nun häufiger einmal den Takt vor – so bei der Auffächerung des Parteiensystems um Linke und AfD, bei der nachlassenden Verwurzelung von Parteien in der Gesellschaft sowie bei der demografischen Entwicklung.

Jana Simon widersprach der These, dass es mehr Austausch und Vermischung gebe; schließlich sei der ohnehin geringe Anteil der Ostdeutschen an den Eliten teilweise sogar wieder rückläufig. Sie wies jedoch darauf hin, dass die Ostdeutschen in der Welt von Kunst und Kultur zunehmend dominierten. Auch bei der Erwerbstätigkeit von Frauen sei der Osten beispielgebend.

Erfolgreich: RB Leipzig

Der Erfolg des Aufsteigers RB Leipzig in der ersten Fußball-bundesliga blieb in der Runde ebenfalls nicht unerwähnt. Die Mannschaft mit dem österreichischen Sponsor rangiert auf dem zweiten Platz hinter Bayern München.

Unterdessen wurde von Teilen des Podiums bezweifelt, ob die Frage, wer wen dominiere, überhaupt noch sinnvoll sei. Lorenz Maroldt fand, Ost und West definierten sich zu sehr über ihre Unterschiede. Das sei falsch. Tiefensee zitierte den berühmten Satz des Altkanzlers Willy Brandt „Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört“ und setzte den Akzent auf die Zukunft – also auf das „zusammen Wachsen“ im Sinne der gemeinsamen Bewältigung künftiger Herausforderungen. Darauf müsse man die Aufmerksamkeit lenken.

Robert Grünbaum hatte übrigens eingangs an die Prognose von 1990 erinnert, der zufolge Gesamtdeutschland östlicher, protestantischer und linker werde. Mit Blick auf die ostdeutsch-protestantische Kanzlerin Angela Merkel, den ostdeutsch-protestantischen Bundespräsidenten Joachim Gauck und die längst gesamtdeutsche (und aus der PDS hervorgegangene) Linke sei die Prognose so falsch nicht gewesen, sagte er.

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