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Droht der nächste große Krieg im Nahen Osten? Konflikte zwischen Israel und dem Iran

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Von: Sandra Kathe

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Die langjährigen Konflikte zwischen Israel und dem Iran drohen zu eskalieren. Im Streit beider Länder pocht Israel nun auf ein „Recht auf Selbstverteidigung“.

Teheran/Tel Aviv – Mit groß angelegten Militärübungen, verbalen Drohungen und möglichen Geheimdienstaktionen verschärfen sich die langjährigen Spannungen zwischen den Nahost-Staaten Israel und Iran immer mehr. Vermittlungsversuche im Streit um das Atomprogramm im Iran bleiben bislang erfolglos. Etliche Experten fürchten eine Eskalation der Lage. Der „Schattenkrieg“ – wie der Konflikt schon lange genannt wird – könnte sichtbarer werden und auch über die Region hinaus spürbare Auswirkungen haben.

Im Zentrum des Streits stehen die Spannungen um das mögliche Atomprogramm im Iran, das der israelische Regierungschef Naftali Bennett vergangene Woche zum Anlass nahm, um Israels „Recht auf Selbstverteidigung“ zu betonen. Bei einem Treffen mit dem Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, machte Bennett zwar deutlich, dass Israel die Diplomatie bevorzuge, „um dem Iran die Möglichkeit zu nehmen, Atomwaffen zu entwickeln“, das Land behalte sich jedoch „das Recht auf Selbstverteidigung und Maßnahmen gegen den Iran vor, um dessen Atomprogramm zu blockieren“. Dies berichtete die Nachrichtenagentur AFP.

Anti-US-Streetart in der iranischen Hauptstadt Teheran: Der Iran hat den Westen vor einer politischen Einmischung gewarnt.
Anti-US-Streetart in der iranischen Hauptstadt Teheran: Der Iran hat den Westen vor einer politischen Einmischung gewarnt. © Atta Kenare/AFP

Spannungen zwischen Israel und Iran: Israel wertet mögliche Vorstöße als Bedrohung seiner Sicherheit

Die internationale Gemeinschaft forderte Bennett in diesem Zuge auf, dem Iran gegenüber entschlossen aufzutreten und „alle Mittel einzusetzen“, um Teheran daran zu hindern, in den Besitz von Atomwaffen zu gelangen. Israel als einzige Atommacht im Nahen Osten sieht dies als massive Bedrohung seiner Sicherheit an. Aus dem Iran selbst wird bestritten, dass das Land nach einem eigenen Atomwaffenprogramm strebt, es werden jedoch immer wieder Berichte und Vorwürfe laut, dass im Iran große Mengen Uran angereichert würden. Israel hatte dem Land immer wieder vorgeworfen, Informationen über sein Atomprogramm systematisch zu verschleiern.

Das internationale Atomabkommen von 2015, das den Iran am Bau der Atombombe hindern soll, liegt derzeit auf Eis. Verhandlungen in Wien über eine Wiederbelebung der Vereinbarung blieben bislang ergebnislos. Stattdessen wird der Ton vor allem vonseiten Israels nun rauer: Die israelische Armee hatte in dieser Woche eine groß angelegte Militärübung vorgenommen, an der Kampfflugzeuge über dem Mittelmeer und Kriegsschiffe im Roten Meer beteiligt waren. Laut israelischen Medienberichten wurde dabei ein Großangriff auf den Iran und besonders auf die dortigen Atomanlagen simuliert. Auf Nachfrage bestätigte die Armee, dass sie sich kontinuierlich „auf mehrere Szenarien“ vorbereite, „die auch Bedrohungen durch den Iran beinhalten“.

Droht ein Krieg zwischen dem Iran und Israel? Fachleute sehen Warnsignale in aktuellen Geschehnissen

Wie das US-Nachrichtenportal Daily Beast berichtet, gehen Fachleute derzeit davon aus, dass im Zuge derlei „Maßnahmen“ Ende Mai ein Drohnenangriff auf einen Militärstützpunkt in Parchin, südöstlich von Teheran, geflogen worden war, bei dem ein Ingenieur ums Leben kam. Bereits im Februar hatte es im Westen des Landes einen Drohnenangriff auf eine weitere Militärbasis gegeben. Ebenfalls vergangene Woche kam bei einem Attentat ein ranghohes Mitglied der Revolutionsgarden ums Leben, hinter dem Tod eines weiteren Kommandeurs der Al-Kuds-Brigaden soll ersten Berichten zufolge ein „Unfall“ und kein weiteres Attentat stecken.

Zu den Hintergründen der politischen Spannungen zitiert das US-Nachrichtenportal Israels Regierungschef Bennett, der in seiner Iranpolitik von einer so genannten „Oktopus-Doktrin“ spricht: „Viele Jahre lang hat das Regime im Iran durch Andere terroristische Attacken auf Israel und die Region verüben lassen, doch aus irgendeinem Grund hat der Kopf des Oktopus, also Iran selbst, immer Immunität genossen“, erklärte Bennett am vergangenen Sonntag (29. Mai) und kündigte an, dass die Immunität nun ein Ende hätte. Als „Tentakel“ des Oktopus werte Israel andere Länder im Nahen Osten, darunter Syrien, den Libanon, den Gaza-Streifen sowie Irak.

Konflikt mit Israel: Iran warnt den Westen vor Einmischung und politischen Maßnahmen

Auch der Iran richtete am Freitag eine Warnung an den Westen. Jede „politische“ Maßnahme der USA oder der europäischen Länder beim Treffen des Gouverneursrats der IAEA in der kommenden Woche werde „ohne jeden Zweifel eine verhältnismäßige, wirksame und sofortige Antwort der Islamischen Republik Iran hervorrufen“. Dies erklärte Außenminister Hossein Amir-Abdollahian nach einem Gespräch mit dem EU-Außenbeauftragten Josep Borrell.

Die USA hatten am Donnerstag angekündigt, zusammen mit Deutschland, Frankreich und Großbritannien eine Resolution vorzubereiten, in der Teheran zur „vollen Zusammenarbeit“ mit der IAEA aufgefordert werden soll. Teheran wies die Initiative bereits als „nicht konstruktiv“ zurück. Die IAEA hatte kürzlich erklärt, der Iran verfüge über 18-mal mehr angereichertes Uran als im Abkommen von 2015 vereinbart. Die Atombehörde erwähnte in ihrem Bericht „ungelöste Fragen“ zu Spuren angereicherten Urans in drei Anlagen. Nach Erkenntnissen der IAEA reicht der iranische Bestand an angereichertem Uran bereits fast aus, um eine Atombombe herzustellen. (ska mit AFP)

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