Oskar Lafontaine und Thilo Sarrazin waren einst beide in der Talkshow „Maischberger“ zu Gast (Archivbild von 2012).
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Oskar Lafontaine und Thilo Sarrazin waren einst beide in der Talkshow „Maischberger“ zu Gast (Archivbild von 2012).

Nach Rücktrittsforderungen

Oskar Lafontaine verteidigt Treffen mit Thilo Sarrazin, will Zuwanderung aber weiter begrenzen

  • Moritz Serif
    vonMoritz Serif
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Oskar Lafontaine verteidigt trotzt vehementer Kritik sein Treffen mit Thilo Sarrazin. Zuwanderung will der Fraktionschef der Linken im Saarland begrenzen. 

  • Das Treffen mit dem rechten Buchautor Thilo Sarrazin und CSU-Politiker Peter Gauweiler sorgt für Kritik.
  • Eine Politikerin der Linken wirft Oskar Lafontaine die „Zerstörung“ der Partei vor.
  • Auch die Bundesarbeitsgemeinschaft „Die Linke.queer“ ist sauer und fordert den Rücktritt Oskar Lafontaines.

Update von Donnerstag. 01.10.2020, 13:30 Uhr: Oskar Lafontaine verteidigt seine Teilnahme am Podiumsgespräch mit Thilo Sarrazin nach vehementer Kritik aus den eigenen Reihen. Im Rahmen dieser Veranstaltung hatte Lafontaine unter anderem minderjährige Geflüchtete als finanzielle Belastung dargestellt und gegen „Solzialrentnerinnen“ ausgespielt.

Lafontaine verteidigt Treffen mit Sarrazin: „Wo kommen wir denn hin, wenn wir nicht mehr diskutieren?“

Wie „nd.Der Tag“ berichtet, zeigt Lafontaine gegenüber seinen Kritikern keine Einsicht: „Wo kommen wir denn hin, wenn wir nicht mehr mit Politikern diskutieren, die völlig konträre Auffassungen haben, solange sie keine Nazis sind?“ Sarrazins These, dass die Migration den Herkunftsländern und den Aufnahmeländern Nachteile bringt, teile auch Lafontaine. Er sei der Auffassung, dass die Mittelschichten zwar profitieren würden, die Ärmsten aber Nachteile hätten.

Lafontaine, ehemaliger Parteivorsitzender der SPD und der Linkspartei, macht flüchtende Menschen dafür verantwortlich, dass in deren Herkunftsländern durch „die Abwanderung gut ausgebildeter Fachkräfte“ Engpässe entstünden. Außerdem seien sie verantwortlich für „Lohndruck im Niedriglohnbereich und steigende Mieten in den Aufnahmeländern.“

Einen Unterschied zu Sarrazin sieht Lafointaine darin, dass er nicht nur eine stärkere Begrenzung der Zuwanderung wolle, sondern zusätzlich auch die Bereitstellung „von mehr Mitteln, um die Lebensbedingungen in Flüchtlingslagern in den Krisenregionen und die Infrastruktur in den Herkunftsländern zu verbessern“ fordere.

Oskar Lafontaine trifft sich mit Thilo Sarrazin - und hetzt gegen Geflüchtete

Erstmeldung von Mittwoch, 30.09.2020, 17:08 Uhr: München - Oskar Lafontaine, Fraktionschef der Linken im Saarland, hat nach Ansicht der Bundesarbeitsgemeinschaft „Die Linke.queer“ eine Grenze überschritten und soll zurücktreten. Was ist geschehen? Lafontaine hatte sich am Montagabend in München mit dem aus der SPD verbannten rechten Buchautor Thilo Sarrazin und mit dem CSU-Politiker Peter Gauweiler getroffen und über Migration diskutiert.

Dabei waren sich die drei Männer überraschend einig. Lafontaine soll auf der Veranstaltung kritisiert haben, dass die Kosten für die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter zu hoch seien. „Einer Sozialrentnerin“ könne man das nicht erklären, da „jedes unbegleitetes Flüchtlingskind“ monatlich 5000 Euro kosten würde, sagte Lafontaine demnach.

Oskar Lafontaine trifft sich mit Thilo Sarrazin und macht Stimmung gegen Geflüchtete

Wenn hundert Menschen hungerten, sei es nicht sinnvoll, einen von ihnen ins „Feinschmecker-Lokal“ einzuladen, wenn man den Betroffenen nur ein Brot geben könne. „Die Linke.queer“ kritisierte Lafontaine dafür scharf. Außerdem dürfe Thilo Sarrazin wegen „seines rassistischen Weltbilds“ kein Gesprächspartner für Linke sein.

Auch wegen des Treffens mit Peter Gauweiler ist „Die Linke.queer“ erzürnt. Dieser sei in den 1980er-Jahren dafür bekannt gewesen, dass er gegen die Hauptbetroffenengruppen von HIV und AIDS vorgehen wollte. „Es ist ein Schlag ins Gesicht insbesondere schwuler Männer, wie Lafontaine, aber auch andere Linke, Gauweiler immer wieder durch gemeinsame Diskussionsveranstaltungen aufwerten“, heißt es von der Arbeitsgemeinschaft.

„Flüchtlingsfeindliche Aussagen“ - Politikerin wirft Lafontaine Zerstörung der Linken vor

„So etwas macht man, wenn man Die Linke zerstören möchte“, twitterte die stellvertretende Vorsitzende der Linken, Martina Renner. Lafontaine mache das Maskottchen und falle durch „flüchtlingsfeindliche Aussagen“ auf. Auch die sachsen-anhaltische Linken-Politikerin Henriette Quarde ist sauer.

„Echt, es kotzt mich an. So viele stabile Genoss*innen machen tolle und wichtige Arbeit und bekommen von Lafontaine und Co. so oft in die Fresse. Wann hört das auf und wann ziehen wir hier endlichen mal Konsequenzen? Der Typ hat in einer Linken nix verloren“, sagte sie. Abzuwarten bleibt, wie Oskar Lafontaine auf die massive Kritik reagiert. (Von Moritz Serif)

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