1. Startseite
  2. Politik

Organspenden: Schweiz führt Widerspruchslösung ein

Erstellt:

Von: Ursula Rüssmann

Kommentare

 Bei einer Volksabstimmung am Sonntag sprachen sich nach ersten Hochrechnungen 59 Prozent der stimmberechtigten Bürgerinnen und Bürger für die Änderung aus.
Bei einer Volksabstimmung am Sonntag sprachen sich nach ersten Hochrechnungen 59 Prozent der stimmberechtigten Bürgerinnen und Bürger für die Änderung aus. © Martial Trezzini/dpa

Die Schweiz regelt die Organspende radikal neu und wechselt zur Widerspruchsregelung.

Bern – Die Schweiz regelt die Organspende radikal neu und wechselt zur Widerspruchsregelung. Bei einer Volksabstimmung am Sonntag sprachen sich nach ersten Hochrechnungen 59 Prozent der stimmberechtigten Bürgerinnen und Bürger für die Änderung aus. Die Umstellung soll nun voraussichtlich 2023 erfolgen.

Die Schweiz vollzieht damit angesichts ähnlicher Probleme wie Deutschland einen Systemwechsel, der hierzulande 2020 im Bundestag gescheitert ist. Als potenzielle Organspender:innen gelten im Alpenstaat künftig alle, die sich zu Lebzeiten nicht ausdrücklich gegen eine Organentnahme nach dem Tod ausgesprochen haben. Allerdings dürfen Angehörige auch künftig ihr Veto einlegen.

Organspende: Neue Regelung gilt auf für Reisende

Die Regelung wird für alle Menschen ab 16 gelten, die in der Schweiz sterben und bei denen aus medizinischen Gründen eine Organentnahme nach Hirntod infrage kommt – damit gilt das neue Recht grundsätzlich auch für Tourist:innen. Widersprüche gegen eine Entnahme sollen in einem Onlineregister, im Spenderausweis und in Patientenverfügungen hinterlegt werden können.

Organspende: „Mein neues Leben hat begonnen“

Maria Merk und Elisabeth Woitzik sind die ersten, die mithilfe einer privaten Initiative durch eine Überkreuz-Lebendspende neue Nieren bekommen haben. Doch sie mussten hohe Hürden nehmen.

Bislang gilt in der Schweiz wie in Deutschland die Zustimmungslösung: Organe dürfen nur Menschen entnommen werden, die zu Lebzeiten zugestimmt haben, etwa in einem Organspendeausweis. Weitere Parallele zur Lage hierzulande: Zwar stehen gut 80 Prozent der Schweizer:innen positiv zur Organspende - aber nur eine Minderheit hält ihren Spenderwillen eindeutig fest. Damit müssen bei einem plötzlichen Todesfall die Angehörigen entscheiden – und votieren dann oft dagegen.

Organspende-Debatte in der Schweiz: Parallelen zu Deutschland

Die Folge: In der Schweiz kommen auf eine Million Einwohner:innen pro Jahr nur 18 Organspenderinnen und -spender, in Deutschland sind es sogar nur elf. In Spanien ist die Spenderquote doppelt so hoch. Auch in vielen anderen europäischen Ländern liegen die Werte deutlich höher. Als ein Grund gilt die fast überall geltende Widerspruchslösung.

In Deutschland sterben etwa 1000 Menschen pro Jahr auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Der Bundestag hatte 2020 beschlossen, statt auf die Widerspruchsregelung auf mehr Aufklärung und ein neues Onlineregister zur Erfassung des Spenderwillens zu setzen. Das Register sollte ursprünglich im März an den Start gehen, verzögert sich aber immer mehr und kommt frühestens im Lauf des Jahres 2023. (Ursula Rüssmann)

Auch interessant

Kommentare