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Als Organspender kommt in Deutschland nur infrage, wer sich zu Lebzeiten ausdrücklich dazu bereit erklärt hat.
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Als Organspender kommt in Deutschland nur infrage, wer sich zu Lebzeiten ausdrücklich dazu bereit erklärt hat.

Koalitionsgespräche

Organspende-Krise: Betroffene appellieren an Ampel-Parteien

  • Ursula Rüssmann
    VonUrsula Rüssmann
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Ärztinnen und Ärzte nennen die Lage in Deutschland „unhaltbar“, Verbände sprechen von „Triage“. Die mögliche Koalition soll konkrete Schritte für mehr Transplantionen vereinbaren.

Die Misere der Organspende in Deutschland, noch vor zwei Jahren Gegenstand wochenlanger hitziger Debatten, gehört bei den Koalitionsgesprächen von SPD, Grünen und FDP nicht gerade zu den Schlüsselthemen. Um an die Notlage zu erinnern, haben Ärzt:innen und zahlreiche Betroffeneninitiativen in den vergangenen Tagen dramatische Appelle an die Ampel-Unterhändler:innen von SPD, Grünen und FDP im Bereich Gesundheit gerichtet.

Kernforderung: Die Organspende in Deutschland muss in der neuen Legislatur endlich vorangebracht werden. Die FR hat Verhandler:innen der drei Parteien gefragt, was sie in Sachen Organspende vorhaben – sie antworteten gar nicht oder lehnten ab. Wie SPD, Grüne und FDP ja generell kaum etwas aus den Arbeitsgruppen haben herausdringen lassen.

Zwei Reformgesetze hatte der Bundestag in der letzten Legislaturperiode beschlossen, die mit großen Hoffnungen verbunden waren: Mit besseren Abläufen in den Kliniken und mehr Aufklärung der Bevölkerung sollte die Zahl der Spenden erhöht werden. Doch Besserung ist nicht in Sicht. So droht sich etwa das wichtige Online-Register, in dem Menschen ihren Spendewillen künftig leichter hinterlegen könnten, sogar zu verzögern.

Die Appelle an die Ampel-Politiker:innen zeichnen denn auch ein unverändert katastrophales Bild der Lage. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) nennt die Situation hierzulande „unhaltbar“. Deutschland bleibe, trotz eines „exzellenten“ Gesundheitssystems, mit Blick auf vergleichbare Länder Schlusslicht. Spanien, Frankreich und Italien haben drei- bis viermal mehr Organspender:innen. Weltweit rangiere Deutschland bei der Organspende nur auf dem 30. Platz – „gleichauf mit Bulgarien, China oder Rumänien“.

In der Folge müssen Schwerstkranke viel länger als im Ausland auf ein Spenderorgan warten, fast 10 000 Menschen stehen auf der Warteliste. Damit steigt die Zahl der Patient:innen, die gar nicht mehr transplantiert werden können, weil sich ihr Zustand mit der Zeit zu sehr verschlechtert hat. Viele sterben, bevor sie ein Spenderorgan bekommen.

Die DGU zeigt ferner einen kaum bekannten Teufelskreis auf: Wegen des Mangels müssten inzwischen öfter Organe transplantiert werden, die immunologisch nicht optimal zum Patienten oder einer Patientin passen. Das führe dazu, dass etwa transplantierte Nieren in Deutschland im Schnitt deutlich schneller ihre Organfunktion verlieren als in anderen Ländern – und früher eine erneute Transplantation nötig wird.

Das Bündnis „Leben spenden“ von Betroffenen und Vertreter:innen aus Medizin und Forschung wird besonders deutlich: „Triage, wie wir sie in Pandemiezeiten fürchten, ist für Menschen auf der Warteliste in Deutschland brutale Realität“, heißt es. Verantwortlich dafür sei die „Politik der Unentschiedenheit“ der letzten Jahre.

Das, so der Wunsch, muss die mögliche Ampelkoalition ändern. Im Einzelnen fordern die Organisationen die potenziellen Koalitionäre auf, sich im Koalitionsvertrag auf eine verbindliche Überprüfung des Nutzens der beiden Reformgesetze zu verpflichten – und sie nötigenfalls nachzubessern.

Bald mehr Lebendspenden?

Das gilt vor allem für das Anfang 2020 verabschiedete Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende: Hier müsse überwacht werden, ob das Online-Register tatsächlich wie beschlossen komme und die Bürgerämter die ihnen verordneten Informationspflichten erfüllen. Denn offenbar hat Kompetenzgerangel zwischen Bund und Ländern in den vergangenen Monaten den Umsetzungsprozess erheblich stocken lassen. Auch bei der Informationsarbeit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sehen die Autor:innen Verbesserungsbedarf. Das bundesweite Bündnis „pro-transplant“ fordert darüber hinaus eine erneute Initiative für die 2020 abgelehnte Widerspruchslösung. Sie besagt, dass Menschen, die im Todesfall keine Organe spenden wollen, dies zu Lebzeiten ausdrücklich kundtun müssen.

Die Skepsis der Vereine ist groß, dass die aktuellen Reformen einen Ausweg aus der Misere bieten. Die Initiative „Leben spenden“ fordert deshalb auch verbesserte Rechtsgrundlagen für mehr Lebend- und Überkreuzlebendspenden, die bei Nieren möglich sind. Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat hierfür Sympathien und dazu ein Fachsymposium ausgerichtet. Nicht ausgeschlossen, dass die mögliche Ampelregierung den Weg weitergeht.

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