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Organspende: Hoffen auf das Onlineregister

  • Ursula Rüssmann
    vonUrsula Rüssmann
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Die vom Bundestag beschlossene Reform der Organspende wird nur wenig ändern. Hohe Erwartungen richten sich an die Hausärzte.

Der im Bundestag beschlossene Gesetzentwurf einer Gruppe um die Grüne Annalena Baerbock sieht nur moderate Änderungen am bisherigen deutschen Organspenderecht vor. Erklärtes Ziel ist es, dass sich mehr Menschen als bisher damit beschäftigen sollen. Es geht den Initiatoren um eine „Stärkung der Entscheidungsbereitschaft“, wobei die Aufklärung ergebnisoffen sein soll. Auch soll es den Bürgern möglich sein, ihre Entscheidung möglichst einfach zu dokumentieren und jederzeit zu ändern und zu widerrufen.

Kern der Reform ist, dass ein bundesweites Onlineregister beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information eingerichtet wird, in dem die Bürgerinnen und Bürger eigenständig eine Erklärung zur Organ- und Gewebespende abgeben.

Auch bisher schon müssen Bund und Länder an Ausweisstellen Organspendeausweise und Aufklärungsunterlagen bereithalten und dafür sorgen, dass diese den Bürgern bei Passausgabe ausgehändigt werden. Künftig soll es ferner möglich sein, die Erklärung über die eigene Organspendebereitschaft direkt an den Passstellen abzugeben. Demnach werden die Spenderausweise nicht ersetzt, sondern durch das Register ergänzt. Beantragt jemand seinen Pass oder Ausweis elektronisch, müssen die Unterlagen ihm oder ihr zugestellt werden. Damit das bekannt wird, sollen die Aufklärungsunterlagen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung entsprechend erweitert werden.

Große Erwartungen hat die Reform an die Hausärzte. Sie sollen ihre Patienten künftig alle zwei Jahre darauf hinweisen, dass sie mit Vollendung des 16. Lebensjahrs eine Erklärung zur Organspende abgeben und schon, wenn sie 14 sind, widersprechen können. Die Ärzte sollen zu einer Eintragung ins Onlineregister „ermutigen“ und zugleich „ausdrücklich darauf hinweisen, dass keine Verpflichtung zur Abgabe einer Erklärung besteht“. Die Beratung muss „ergebnisoffen“ sein. Sie kann außerhalb des Budgets mit den Kassen abgerechnet werden. Überdies soll die ärztliche Ausbildung die Organspende „verstärkt thematisieren“.

Neu: Auch im Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein soll künftig „Grundwissen“ über die Organspende vermittelt werden.

Auskunft über Einträge im Spenderegister dürfen nur Ärzte oder Transplantationsbeauftragte einholen, die dem Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information als auskunftsberechtigt benannt wurden. Eine Anfrage über den Spendewillen eines Menschen darf erst gestellt werden, wenn der Hirntod des Betroffenen festgestellt worden ist.

Von Ursula Rüssmann

Organspende als letzte Hoffnung: Wenn Babys auf ein zweites Leben warten: Eine TV-Reportage über Babys an der Herzmaschine ist ein berührender Appell zur Organspende.

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