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Organspende: Castellucci fordert Pflicht zur Entscheidung

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Der SPD-Politiker Lars Castellucci fordert eine Reform des Organspende-Systems. Deutschland verzeichnete 2023 nur ein paar Hundert Spenderinnen und Spender.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Lars Castellucci sieht Handlungsbedarf bei der Organspende und plädiert für eine Verschärfung der aktuellen Entscheidungslösung. „So kann es nicht weitergehen“, sagte er der Frankfurter Rundschau angesichts der niedrigen Organspendezahlen. Das sei das „einhellige Stimmungsbild“ auch bei Abgeordneten anderer Fraktionen. Die Zahl der postmortalen Organspender:innen in Deutschland war zwar 2023 um elf Prozent gegenüber 2022 gestiegen, auf 965. Damit wurde aber nur der Tiefststand des Vorjahres aufgefangen. International liegt Deutschland weiter weit zurück.

Nach geltendem Recht können nur diejenigen postmortal Organe spenden, die dem zu Lebenszeiten zugestimmt haben. Studien zufolge dokumentiert aber nur ein Drittel der Menschen ihren Spendewillen – im Sterbefall ist er meist unbekannt. Deshalb fordern Betroffenenverbände, Ärzteschaft und der Bundesrat immer lauter die Widerspruchslösung. Bei ihr gelten alle als potenzielle Spender:innen, die das zu Lebzeiten nicht abgelehnt haben. Die Widerspruchslösung war 2020 im Bundestag durchgefallen, auch Castellucci stimmte damals dagegen und votierte für verstärkte Aufklärung, etwa durch Arztpraxen und Bürgerämter.

Zuletzt ging der neue Organspende-Ausweis erst online und bringt Veränderungen mit sich.

Dieser Ausweis hilft allen.
Dieser Ausweis hilft allen. © dpa-tmn

Mehr Lebendspenden?

Doch es hat nicht gereicht. Deshalb fordert der Abgeordnete eine Verschärfung: „Menschen sollen selbst bestimmen, was nach ihrem Tod mit ihrem Körper geschieht. Aber dass sie sich entscheiden, kann man sehr wohl verlangen.“ Die Entscheidungspflicht könne an Bedingungen gekoppelt werden: „Nach zum Beispiel dreimaliger Information oder Beratung ist es für jeden zumutbar, eine Entscheidung zu treffen“, so Castellucci.

Aber was würde passieren, wenn jemand trotzdem auch dann noch keine Entscheidung treffen würde? Könnte dann etwa automatisch Zustimmung zur Organspende angenommen werden? Dazu legt sich Castellucci noch nicht fest. Ihm gehe es zunächst darum, „dass wir die Diskussion wieder aufnehmen, hier im Parlament und in der Bevölkerung. Die Dramatik für die betroffenen Schwerkranken ist offensichtlich.“

Derweil arbeitet auch das Bundesgesundheitsministerium (BMG) an einer Verbesserung der Misere, von der zumindest einige Nierenkranke profitieren könnten. Ein BMG-Sprecher kündigte auf FR-Anfrage an, im ersten Quartal 2024 solle ein Referentenentwurf zur Erleichterung der Nieren-Lebendspende und der Überkreuzlebendspende veröffentlicht werden.

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