Die Polizei im Einsatz: Kriminelle Banden sind für die meisten Einbrüche verantwortlich.
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Die Polizei im Einsatz: Kriminelle Banden sind für die meisten Einbrüche verantwortlich.

Einbrüche

Organisierte Banden übernehmen das Feld

  • Markus Decker
    vonMarkus Decker
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2015 waren die Einbrecher in Deutschland so erfolgreich zugange wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Die Einbruchskriminalität ist inzwischen fest in der Hand ausländischer Gruppen.

Ein Rekord ist es nicht, aber die höchste Zahl seit 20 Jahren: Im vergangenen Jahr waren die Einbrecher in Deutschland so erfolgreich zugange wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Die Zeitung „Die Welt“ berichtete darüber am Mittwoch unter Berufung auf die Polizeiliche Kriminalstatistik für 2015: So weise die Statistik für das vergangene Jahr 167 136 erfasste Fälle aus und damit 9,9 Prozent mehr als im Jahr davor. Derart hoch habe die Zahl der Wohnungseinbrüche zuletzt 1993 gelegen. Nach Angaben von Polizeigewerkschaftern wird gegenwärtig alle drei Minuten ein Einbruch verübt.

Lange Zeit waren Wohnungseinbrüche Einzelfälle – in Großstädten nicht selten begangen von Drogenabhängigen, die dringend Geld brauchten. Im echten Sinne organisiert waren die Taten kaum. Heute ist das anders.

Sowohl im letzten als auch im vorletzten Jahr wies Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), der die neue Statistik voraussichtlich im Mai offiziell vorstellt, daraufhin hin, dass Wohnungseinbrüche zunehmen und die Grenzen zwischen Alltagskriminalität und organisierter Kriminalität dabei verschwimmen würden. Bereits im Oktober 2014 sagte der Minister, dahinter steckten überwiegend hierarchisch organisierte Banden, deren Chefs im Ausland säßen.

Experten unterstreichen, dass technische Sicherungen wichtig seien. Meist halten sie Täter davon ab, den Einbruch überhaupt zu wagen. Die Gewerkschaft der Polizei führt den Anstieg bei Wohnungseinbrüchen überdies auf Personalabbau zurück. „Die Polizei ist gezwungen, sich aus der Fläche zurückzuziehen. Deshalb hat die Polizei schon Reviere schließen müssen“, sagte der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Jörg Radek.

„Zu wenige Leute“

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Burkhard Lischka, fordert, das Personal beim Bundeskriminalamt (BKA) aufzustocken. „Die organisierte Kriminalität hat das Feld der Einbrüche für sich entdeckt“, sagte er der FR. „Gleichzeitig geht die Aufklärungsquote zurück. Man würde dieser Entwicklung besser Herr, wenn man Daten zentral sammelt und analysiert. Dann würde man besser wissen, wo die nächsten Einbrüche zu erwarten sind und wo das Diebesgut hingebracht wird.“

Lischka fügte hinzu: „Seit dem 1. April 2015 gibt es beim BKA die Koordinierungsstelle organisierte Kriminalität. Da sitzen aber nur acht Leute. Die Stelle muss aufgestockt werden – um mindestens 50 Mitarbeiter. Wenn wir das nicht machen, werden die Einbrüche weiter steigen, und die Aufklärungsquote wird weiter sinken.“

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