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2009 besuchte Tsvangirai als Ministerpräsident Berlin.

Simbabwe

Oppositioneller mit Ausdauer: Morgan Tsvangirai ist tot

Er überlebte Mordanschläge, Intrigen und wurde des Hochverrats angeklagt. Auf Morgan Tsvangirai hofften viele Menschen, die eine Demokratisierung Simbabwes herbeisehnten.

Simbabwes Oppositionsführer Morgan Tsvangirai gab nicht auf. Seine politische Karriere war getrieben von dem Ziel, den langjährigen Machthaber Robert Mugabe aus dem Präsidentenpalast zu vertreiben. Im November vergangenen Jahres war es nach 37 Jahren so weit, Mugabe trat unter dem Druck des Militärs zurück. Doch der an Krebs erkrankte Tsvangirai hatte keine politische Zukunft mehr. Nun ist der 65 Jahre alte Politiker an Krebs gestorben.

Über viele Jahre ruhte die Hoffnung auf eine demokratische Zukunft im autokratisch regierten Simbabwe auf den Schultern Tsvangirais. Weder die Anklage wegen Hochverrats, noch Prügelattacken von Milizen und Intrigen des Regimes brachten ihn nicht von seiner Oppositionsarbeit ab. 

Trotz mehrerer Wahlerfolge gelang es ihm jedoch nie, wirklich an die Macht zu kommen. Die Koalitionsregierung unter Mugabe von 2009 bis 2013 war eine Zwangsehe, in der Tsvangirai als Ministerpräsident wenig bewirken konnte. Mugabe und seine Getreuen hatten den Militär- und Polizeiapparat weiter fest im Griff.

Als Sohn eines Maurers am 10. März 1952 im Osten Simbabwes geboren, verließ Tsvangirai die höhere Schule vorzeitig und begann zu arbeiten, um seine Familie zu unterstützen. Als Arbeiter in einer Mine in Bindura, nordöstlich der Hauptstadt Harare, stieg er schnell zum Anführer der Minengewerkschaft auf. Je mächtiger er wurde, desto schwieriger wurde das Verhältnis zur Regierung von Präsident Mugabe.

Morgan Tsvangirai war Ziel von Mordanschlägen

Ende 1997 und Anfang 1998 organisierte Tsvangirai mehrere Streiks, um gegen geplante Steuererhöhungen zu protestieren. Mit seinen Aktionen legte er große Teile des Landes lahm und erreichte, dass die Regierung die Pläne zurückzog. Wenig später brachen Männer in sein Büro ein, schlugen Tsvangirai mit einer Metallstange nieder und versuchten, ihn aus dem zehnten Stock des Gebäudes zu werfen.

In den folgenden Jahren sollte Tsvangirai immer wieder Ziel von Intrigen und Mordanschlägen werden. Kurz vor der Präsidentenwahl 2002 beispielsweise tauchte in Video auf, das belegen sollte, dass Tsvangirai ein Attentat auf Mugabe plante. In einem Prozess wegen Hochverrats drohte ihm die Todesstrafe. Er wurde vor Gericht freigesprochen, die Gewalt aber hielt an. In der Zeit der Wahlen 2002 wurden mindestens 100 Mitglieder und Sympathisanten von Tsvangirais „Bewegung für demokratischen Wandel“ (MDC) ermordet.

Wahlsieg führte nicht zur Macht

Tsvangirai kritisierte Mugabe offen für Misswirtschaft, Menschenrechtsverletzungen und Korruption. „Seit der Unabhängigkeit haben wir nichts vorzuweisen außer Armut“, sagte er. Wegen seiner Tapferkeit wurde Tsvangirai in dieser Zeit zu einem Symbol des Widerstands. „Der Kampf geht weiter“, verkündete er 2007, als er nach einem Überfall zeitweise im Rollstuhl saß. Ein Jahr später holte er bei der Präsidentenwahl die meisten Stimmen - laut der Wahlbehörde damals jedoch nicht genug, um die Wahl zu gewinnen.

Mugabe blieb Präsident, Tsvangirai erklärte sich nach langwierigen Verhandlungen unter internationaler Vermittlung schließlich bereit zu einer Koalition. Als er verkündete, unter Mugabe Ministerpräsident zu werden, sprach er mit versteinertem Gesicht. Aber es gelang immerhin, die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern von Regierung und Opposition zu beenden und den Staatsbankrott zu vermeiden.

Charisma und Mut werden Tsvangirai bescheinigt. Doch Kritiker hielten ihm auch Unentschlossenheit, Zögerlichkeit, Schwäche und Affären mit Frauen vor. Dadurch gelang es ihm nicht, die zersplitterte und zerstrittene Opposition zu einen. Er gehörte zu den ersten, die es wagten, Kritik an Mugabe zu äußern, und wurde zum Vorbild für viele. Ohne ihn wären viele Stimmen über Jahrzehnte ungehört geblieben. (epd)

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