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Opportunismus

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Wieder ist Russland um eine Rüge herumgekommen. Die Mehrheit der Menschenrechtskommission verurteilt Moskaus tschetschenisches Vorgehen nicht. Es mag

Wieder ist Russland um eine Rüge herumgekommen. Die Mehrheit der Menschenrechtskommission verurteilt Moskaus tschetschenisches Vorgehen nicht. Es mag Opportunismus dazu geführt haben - es soll ja in diesem UN-Gremium Mitglieder mit ähnlicher Aktenlage geben -, auch kann das hoch juristische Argument dahinter stehen, man dürfe sich nicht in die inneren Angelegenheiten anderer einmischen; solange der andere nicht Irak ist. Aber Gründe gibt es doch, jeden Monat an die hundert, wie die zentralstaatstreue Kadyrow-Regierung in Grosny belegt, sicherheitshalber aber nicht in aller Öffentlichkeit. Morde, Entführungen, Verschwindenlassen - und dies ohne sonderliche Hemmungen seitens der Todesschwadrone, der staatlich geprüften Heimsuchungsorganisationen, die laut offizieller Lesart nichts anderes tun als den Terror zu bekämpfen, wie andere Gerechte es auch unter vergleichbaren Vorwänden tun.

Den anhaltend schlimmen Eindruck zu verwischen lässt die Moskauer Regierung sich einiges kosten. Eine Verfassung ist irgendwie angenommen worden, jedenfalls wurden die Stimmen sehr gut gezählt. Eine Amnestie für "gemäßigte Rebellen" ist für nächsten Monat angekündigt. Ein tschetschenisches Jugendensemble tourt von Paris aus durch die europäischen Lande, es heißt Lowsar, zu übersetzen als: Spaß, Spiel. Da darf dann ein Gremium der Vereinten Nationen doch wirklich nicht Spielverderber sein und Moskau den Spaß verderben.

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