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In Berlin ist es wieder zu einem antisemitischen Angriff gekommen.
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In Berlin ist es wieder zu einem antisemitischen Angriff gekommen.

Berlin

Opfer von antisemitischem Angriff ist kein Jude

  • VonJulia Haak
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In Berlin schlägt ein Angreifer mit einem Gürtel auf einen Mann ein, der eine Kippa trägt. Danach meldet sich das Opfer zu Wort: Er habe die Kopfbedeckung als Experiment getragen.

Ein junger Mann zieht seinen Gürtel aus der Hose und schlägt damit zu. Mehrfach und brutal. Dabei brüllt er in arabischer Sprache das Wort „Jude“. So geschehen am Dienstagabend im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Anders als bei den meisten zurückliegenden Fällen filmte aber das Opfer den antisemitischen Vorfall und postete das Video über die sozialen Netzwerke.

Beim Ansehen befindet sich der Betrachter in der Position des Opfers. Das hinterlässt Eindruck und ist sicher einer der Gründe, warum der Vorfall jetzt zu schärferem Protest führt als andere antisemitische Angriffe vorher. Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte am Mittwoch, „mit aller Härte und Entschlossenheit“ gegen jegliche Form von Antisemitismus vorzugehen.

Nach Angaben der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus gab es 2017 die höchste Zahl antisemitischer Übergriffe in Berlin, seit die Initiative mit der Erfassung begann. Das Video zu dem aktuellen Fall entdeckte ein Mitarbeiter des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus, einer Initiative, die sich mit Angriffen gegen Juden befasst.

Nach den Ermittlungen der Polizei wurden am Abend der Tat zwei 21 und 24 Jahre alte Männer in der Nähe des beliebten Helmholtzplatzes von einer dreiköpfigen Gruppe antisemitisch beleidigt und attackiert. Die beiden Männer trugen die jüdische Kopfbedeckung. Der gefilmte Täter ist augenscheinlich im selben Alter wie sein Opfer und wurde von seinen Begleitern und einer Passantin an weiteren Attacken gehindert.

Der Attackierte meldet sich am Mittwochabend selbst zu Wort: „Ich bin nicht jüdisch, ich bin Israeli, ich bin in Israel in einer arabischen Familie aufgewachsen“, sagte der 21-Jährige der Deutschen Welle. Die Kippa habe er als Experiment getragen. Ein Freund habe ihn gewarnt, man sei in Deutschland nicht sicher, wenn man eine Kippa trage. Das habe er nicht geglaubt, sagte der Mann weiter. Er habe gefilmt, weil er einen Beweis für die Polizei haben wollte. Er habe gewollt, „dass die Deutschen sehen, ja im Grunde, dass die Welt sieht, wie schrecklich es ist, in diesen Tagen als Jude durch Berlins Straßen zu laufen“.

Levi Salomon, Sprecher des Jüdischen Forums, sagte zu dem Vorfall, es sei unerträglich anzusehen, dass ein junger Mann auf offener Straße im gut situierten Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg angegriffen werde, weil er sich als Jude zu erkennen gibt. „ Nun sind Politik und Zivilgesellschaft gefragt. Wir brauchen keine Sonntagsreden mehr.“ Besonders schockiert zeigte sich Salomon über den Ort des Übergriffs. Es sei der erste Fall, der sich in einem solch bürgerlichen Viertel ereignete. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, äußerte sich ähnlich. Vor allem in Städten gebe es ein zunehmendes Bedrohungspotenzial für Juden, sagte er und wiederholte seine Warnung, auf der Straße eine Kippa zu tragen.

Insgesamt meldeten sich deutlich mehr Beobachter aus Politik und Gesellschaft zu Wort als nach anderen antisemitischen Vorfällen in letzter Zeit. Viele sehen einen Angriff auf die Demokratie und benutzen drastische Formulierungen.

Der Bürgermeister des zuständigen Bezirks Pankow, Sören Benn (Linke), sagte: „Die Regeln zivilisierten Zusammenlebens gelten ausnahmslos für alle.“ Auch die Bundesminister Katarina Barley und Heiko Maas (Justiz und Äußeres, beide SPD) verurteilten die Tat. CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte der Frankfurter Rundschau: „Dass es solche Vorfälle in Deutschland gibt, ist eine Schande und zutiefst verstörend. Antisemitismus muss mit aller Kraft und Konsequenz bekämpft werden, egal aus welcher Ecke er kommt.“ Petra Pau, linke Vizepräsidentin des Bundestags, forderte im Gespräch mit der FR, Erziehung zur Demokratie und zu Toleranz müsse bereits in den Kindergärten beginnen.

Viele Reaktionen auf den jüngsten Vorfall heben auf die Tatsache ab, dass der Täter in dem Video Arabisch spricht. Das American Jewish Committee fordert, nicht „die Augen vor dem immer häufiger auftretenden Antisemitismus in Teilen der arabischen und muslimischen Community“ zu verschließen. (mit kd/vat/afp/dpa)

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