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Gleiche Teilhabe liegt in unser aller Interesse. Das ist keine Frauenfrage. Doch noch immer verhalten einige sich so, als wären Frauen eine Minderheit.

Open Letter to the Leaders of Europe

Es ist Zeit: Die EU braucht eine Kommissionspräsidentin

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Dieses Mal muss es eine Frau sein. Schriftstellerinnen mischen sich ein: Sie fordern eine EU-Kommissionspräsidentin - und mehr. Ihr Offener Brief exklusiv im Wortlaut.

Europa ist stolz auf seine Fortschrittlichkeit. Doch wenn es um die Repräsentation von Frauen in Parlamenten geht, so liegt die Europäische Union hinter Ruanda, Mexiko, Bolivien …

Es ist Zeit.

Es ist über hundert Jahre her, dass Frauen sich das Wahlrecht erkämpft haben, doch noch immer sind wir in unseren Parlamenten und Regierungsinstitutionen nicht gleichberechtigt vertreten. Eine Gesellschaft wird geprägt von jenen, die sie führen. Es ist Zeit für den Wandel. Es ist Zeit, die Geschichte der Ungleichhalt auf null zu setzen und Parität anzustreben.

Es ist Zeit.

Vor der letzten Europawahl im Mai initiierte das Delors Institut eine Petition, die in ganz Europa von zahlreichen Frauen und Männern in Führungspositionen unterzeichnet wurde. In dieser Petition stand unter anderem: „Wir wollen eine Europäische Führung, in der sich Europa wiederfindet. Ganz Europa. Auch Frauen … Gleiche Teilhabe liegt in unser aller Interesse. Das ist keine Frauenfrage. Doch noch immer verhalten einige sich so, als wären Frauen eine Minderheit. Frauen sind keine Minderheit. Frauen und Männer sollten gleichermaßen repräsentiert sein, wenn es um Europas Führung geht. Lasst uns zusammen dafür sorgen, dass die neue europäische Führung gleichberechtigt ist. Es ist Zeit, dass wie eine Europäische Kommission haben, in der die Geschlechter im selben Maße vertreten sind. Gleich viele Frauen wie Männer in der Kommission. Dieselbe Anzahl an Männern und Frauen im Leitungsteam der Kommission. Die gleiche Zahl weiblicher wie männlicher Präsident*innen in Europas Institutionen. Jetzt ist die Zeit. Lasst es Wirklichkeit werden. Geht wählen!“

Das Ganze hat ein wenig geholfen: Wir haben 40 Prozent Frauen im Parlament, 286 Sitze von 751. Etwas mehr als die 36 Prozent zuvor. Und doch bleiben wir schmählich zurück. Hinter der Gleichheit. Hinter Ruanda (61,3 Prozent), Kuba (53, 2 Prozent) Bolivien (53,1 Prozent) und Mexiko (48,2 Prozent) – hinter unserer europäischen Speerspitze Schweden (47,3 Prozent.)

Es ist Zeit.

Ein Weg, um Jahrhunderte der Ungleichheit wiedergutzumachen: Man wählt jetzt nicht nur eine Frau, sondern mindestens zwei, vorzugsweise jedoch drei (oder warum nicht auch vier oder fünf) Frauen in die höchsten Ämter, die derzeit in der EU zu vergeben sind. Frauen mit herausragenden Karrieren stehen zur Wahl. Wir fordern die 28 Entscheider dazu auf, diese Kandidatinnen wahrzunehmen. Es gibt keinen Grund, alten Gewohnheiten nachzuhängen und Männer den Frauen gegenüber zu bevorzugen. Im Gegenteil, es ist Zeit, zum ersten Mal in der Geschichte Europas, Frauen den Vortritt zu lassen. Nicht statt ihrer Qualifikation, nicht wegen ihres Geschlechts, sondern gerade weil sie herausragende Qualifikationen für die zu besetzenden Positionen mitbringen.

Wir plädieren für Frauen in den Positionen, die neu zu besetzen sind. Es ist Zeit.

Wir möchten insbesondere eine Position mit einer Frau besetzt sehen: Das höchste und sichtbarste Amt der europäischen Institutionen: die Präsidentin der Europäischen Kommission. Dieses Mal muss es eine Frau sein. Es ist Zeit.

Eine europäische Politikerin mit der nötigen Beliebtheit, um wieder alle Generationen für die Europäische Union zu begeistern. Eine Frau. Es ist Zeit.

Europa kann dabei nur gewinnen. Es ist Zeit.

Lasst es einen schönen Nebeneffekt sein, dass endlich, endlich Europa der Hälfte seiner Bevölkerung gerecht wird. Die Hälfte, die bislang nie proportional repräsentiert wurde. Es ist Zeit.

Wenn das vollbracht ist, wählt weitere herausragende Kandidatinnen für die anderen Positionen.

Weil es Zeit ist. Es ist höchste Zeit.

It’s time

Europe prides herself of our progressiveness. In terms of representation of women in parliament, we are behind Rwanda, Mexico, Bolivia ...

It’s time.

More than a hundred years after women first gained voting rights in our part of the world, we are still not equally represented in our law-making and governing bodies. A society becomes what it is led by. It’s time to change, time to reset the history of inequality and look for parity.

It’s time.

Before the European parliament election in May, the Delors Institute initiated a petition, signed by numerous high-level women and men across the continent, stating ia: “We want a European leadership that reflects Europe. All of Europe. Women too. … Equal representation is in everyone’s interest. It is not a woman issue. Yet some still act as if women are a minority. Women are not a minority. Women and men should be equally represented when it comes to European leadership. So help us make sure that the new European leadership is equal. It is time we have a gender balanced European Commission. The same number of women and men among Commissioners. The same number of women and men in the team of the President and the Vice-Presidents of the Commission. And as many female presidents as male in the European institutions. It is now. Make it happen. Vote”

It helped a little: We reached 39% women parliamentarians, 286 out of 751 seats. A bit more than the 36% women seats hitherto. Yet, we remain pity-fully behind. Behind equality. Behind Rwanda (61.3%), Cuba (53.2%), Bolivia (53.1%) and Mexico (48.2%) – behind our European frontrunner Sweden (47.3%).

Jagoda Marinic.

It’s time.

One way to make up for centennials of injustice is to now elect not one, but at least two, yet preferably three (or why not even four or five?) women to the highest offices currently under consideration in Europe. Amazingly accomplished women are candidates. We urge the 28 Leaders to SEE the women candidates. To steer around the old habits of choosing men before women, and to now for the first time in European history to choosing women before men. Not instead of their qualifications, but exactly because of their outstanding qualifications.

We plead for women for the different roles in general. It’s time.

But we shall plead for one in particular to the highest and most visible office of the EU Institutions: President of the Commission. It must be a woman. It’s time.

Janne Teller.

A European politician with the popularity required to making Europe popular amongst Europeans of all generations. A woman. It’s time.

LET it be Europe’s gain. It’s time.

Let it be the added plus that finally, finally Europe will catch up with the half of its population hitherto never having been proportionally represented. It’s time.

And then choose more of the outstanding women candidates to the other positions.

It’s time. It’s high time.

Der Aufruf wurde initiiert von Jagoda Marinic (Deutschland) und Janne Teller (Dänemark).

Weitere Unterzeichnerinnen:

Eva Menasse (Österreich)

Chika Unigwe (Belgien)

Kapka Kassabova (Bulgarien)

Slavenka Drakulic (Kroatien)

Kätlin Kaldmaa (Estland)

Celine Curiol (Frankreich)

Hesna Al Ghaoui (Ungarn)

Silvia Bencivelli (Italien)

Nora Ikstena (Lettland)

Marjolijn Hof (Niederlande)

Bronka Nowicka (Polen)

Manuela Gonzaga (Portugal)

Stanislava Chrobáková Repar (Slowakei)

Tanja Tuma (Slowenien)

Karolina Ramqvist (Schweden)

Joanna Kavenna (Großbritannien)

Sofi Oksanen (Finnland)


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