Donald Trump spricht auf dem Südrasen des Weißen Hauses mit Journalisten.
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Donald Trump spricht auf dem Südrasen des Weißen Hauses mit Journalisten.

Medien vor der US-Wahl

Trumps neuer Lieblingssender OAN: Noch mehr Trump-Show als bei Fox News

  • vonFriedrich Reinhardt
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Fox News galt lange als Donald Trumps treuester Sender. Aber One America News (OAN) schmeißt sich dem Präsidenten richtig an den Hals und Trump revanchiert sich.

  • OAN gilt als Donald Trumps neuer Lieblingssender.
  • OAN liefert eine Mischung aus Verschwörungstheorien und intensivem Pro-Trump-Marketing.
  • Wie viele US-Amerikaner der kleine Sender OAN tatsächlich erreicht, ist unklar.

Washington - Der US-Präsident Donald Trump hat einen neuen Lieblingssender. „Fox isn‘t working for us anymore!“, schrieb Trump Ende August auf Twitter. Also auf Deutsch „Fox arbeitet nicht mehr für uns“. Dem Sender OAN (One American Network) gratulierte Trump dagegen im Mai vor seinen über 85 Millionen Followern für „the great job", den OAN leiste.

Für diese Werbung hat OAN einiges getan. Bei keinem anderen Sender kann sich Präsident Trump so befreit von kritischen Fragen darstellen. Wie die Berichterstattung aussieht, kann man etwa in einem Interview von Chanel Rion, der OAN-Korrespondentin im Weißen Haus, sehen. Ende August spricht sie exklusiv mit dem Präsidenten - über die kritischen Journalisten im Briefing Room, dem Pressekonferenzraum des Weißen Hauses.

Donald Trump wird von keinem anderen Sender so hofiert wie von OAN

Rion holt zur ersten Frage weit aus. Wenn die Kameras bei den Pressekonferenzen angingen, beginne die Hexenjagd, sagt die OAN-Korrespondentin. Die Fragen der Journalisten wären irrational und unanständig, meint sie, und kommt dann zu ihrer Frage an Trump: „Sind die Attacken im „Briefing Room“ organische Fragen von individuellen, frei denkenden Menschen oder denken Sie, dass diese Journalisten Angst haben ihren Job zu verlieren, wenn sie Sie nicht angreifen würden, wie sie es tun?“ Diese suggestive Frage ist eine Steilvorlage für Trump. Er sagt, „ich glaube, den Journalisten wird gesagt, was sie fragen sollen und wie sie es fragen sollen.“ Trump spricht von „korrupten Medien“ und „Fake News“. Er macht sich zum Opfer einer vermeintlich gesteuerten Presse.

Die nächsten Fragen in dem knapp 13-minütigen Interview sind kaum anders. Ob Trump schon als junger Mann fühlte, dass er zum Anführer berufen sei, fragt die OAN-Korrespondentin. Auch will sie von Trump wissen, was dessen Geheimnis sei. Schließlich sei er etwa so alt wie Joe Biden, Trumps Konkurrent im US-Wahlkampf, und während Biden langsam senil würde, wäre Trump „on the top of his Game“. Da verwundert es kaum, dass die OAN-Korrespondentin Chanel Rion die einzige Journalistin ist, die täglich an den Pressekonferenzen teilnehmen kann, wie tageschau.de berichtet. Alle anderen Pressevertreter müssten wegen der Corona-Krise sich abwechseln, um Abstand zwischen den Stühlen lassen zu können.

OAN: Für US-Amerikaner, denen Fox News nicht konservativ genug ist

OAN gehört zu Herring Networks, sitzt in San Diego und wurde von Unternehmer Robert Herring 2013 gegründet. OAN sollte in eine Marktlücke vorstoßen und jene Zuschauer bedienen, denen Fox News noch nicht konservativ genug war. Der Sender wolle, wie es in einem Werbeslogan heißt, "Vertrauenswürdigkeit zurück in die Nachrichten bringen“. Auf dem Sender werden nun Verschwörungstheorien verbreitet. Etwa, dass die Anti-Rassismus-Proteste rund um die Black-Lives-Matter-Bewegung von einem anarchistischen Netzwerk organisiert würden, um Donald Trump zu stürzen. Eine Verschwörungstheorie, die Trump auf Twitter dann auch wie bestellt verbreitete.

Wie groß OANs Reichweite genau ist, ist unklar

Zwar rührt Donald Trump auf Twitter kräftig die Werbetrommel und beglückwunscht OAN für seine guten Quoten. OAN behauptet der viertgrößte Nachrichtenkanal der USA zu sein. Wie viele Menschen OAN tatsächlich erreicht, ist allerdings nicht klar. Laut CNN sei es aber im Fernsehen Frühjahr 2019 nur etwa zwei Prozent der Zuschauerschaft von Fox News gewesen. Den Online-Auftritt von OAN hätten zudem täglich 33.300 Menschen im März 2019 besucht, bei Fox News wären es 135 Millionen Besucher gewesen. Inzwischen dürfte sich die Reichweite der OAN allerdings erhöht haben. Nicht zuletzt wegen der lohnenswerten Kooperation mit dem Präsidenten. (Von Friedrich Reinhardt)

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