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Auf Londons Kommerzmeile Oxford Street ist Distanz unmöglich.
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Auf Londons Kommerzmeile Oxford Street ist Distanz unmöglich.

Corona-Variante B.1.1.529

Omikron in Großbritannien: Keine Maßnahmen trotz überlasteter Kliniken

  • Sebastian Borger
    VonSebastian Borger
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Omikron setzt Großbritannien unter Druck. Premierminister Boris Johnson sieht aber von Einschränkungen ab – stattdessen ist die Bevölkerung gefragt.

London – Wie schlimm wird die Omikron-Situation? Mit dieser bangen Frage gehen die Brit:innen in die Feiertage. Während aktuelle Studien zu Omikron vorsichtig Hoffnung machen, befand sich das Nationale Gesundheitssystem NHS am Donnerstag bereits kurz vor der Auslastung, waren kaum noch Intensivbetten frei. Schon haben Nordirland, Schottland und Wales neue Restriktionen erlassen oder angekündigt; Premierminister Boris Johnson hingegen schickt die Menschen im weitaus größten Landesteil England lediglich mit Mahnungen sowie dem üblichen Impfappell in die Weihnacht.

Wer sich mit Freund:innen und Verwandten treffe, solle zuvor einen der kostenlos erhältlichen Antigentests machen, legte der Regierungschef den Bürger:innen ans Herz. Das schönste Weihnachtsgeschenk, das man sich selbst machen könne, sei „die Booster-Impfung“. Was das Infektionsgeschehen angehe, so behalte die Regierung die „extrem schwierige Situation“ genau im Auge, beteuerte der durch allerlei Skandale geschwächte Premier: „Sollte sie sich verschlechtern, werden wir handeln.“

Omikron in Großbritannien: zentrale Silvesterfeier in Schottland abgesagt

Vieles deutet darauf hin, dass die Bevölkerung von vielerorts selbst die Initiative ergreift. Reihenweise sagten Betriebe und Familien ihre vorweihnachtlichen Feiern ab. Beim Adventsgottesdienst auf Deutsch, sonst stets bis auf den letzten Platz ausgebucht, blieb Londons älteste Pfarrkirche St. Bartholomäus in dieser Woche halbleer. Im normalerweise hochfrequentierten Restaurant „Cote“ gegenüber dem Barbican-Zentrum im Herzen der City wirkten die wenigen Dinner-Gäste vereinsamt. Das traditionsreiche Singen am Weihnachtsbaum auf dem Trafalgar Square zugunsten wohltätiger Zwecke wurde, wiewohl im Freien, abgesagt.

Die fürs Gesundheitswesen in den kleineren Regionen Verantwortlichen halten ebenfalls nichts vom Abwarten; der Ministerpräsident von Wales, Mark Drakeford (Labour), beschuldigte die Londoner Zentralregierung sogar der „Lähmung“. Die Waliser sollen sich über die Weihnachtstage möglichst nur im Freien treffen oder ihre Wohnzimmer kräftig lüften, zudem soll zwischen privaten Feiern „ein Testtag“ eingelegt werden. Von Montag an bleiben alle Nachtclubs geschlossen, in Geschäften und Büros gilt wieder die Zwei-Meter-Abstandsregel.

Ähnliches gilt für Schottland. Dort sagte Ministerpräsidentin Nicola Sturgeon die zentrale Silvesterfeier Hogmanay in Edinburgh ab. Die traditionellen Fußballspiele am zweiten Feiertag werden vor leeren Stadien ausgetragen.

Omikron in Großbritannien: Analysen mit erfreulichen Erkenntnissen

Während die Besorgnis vorherrscht, legen mehrere Analysen den erfreulichen Schluss nahe, die Mutation B.1.1.529 könne besonders unter jungen Leuten zu weniger Corona-Erkrankungen führen, die einen Krankenhaus-Aufenthalt notwendig machen, als die bisher vorherrschende Delta-Variante. Einer südafrikanischen Studie von 160.000 Patienten zufolge lag die Wahrscheinlichkeit einer schweren Erkrankung um 80 Prozent niedriger; in Schottland lag dieser Prozentsatz bei 65, in England bei 40 Prozent. Die beiden britischen Studien basieren auf winzigen Personengruppen, sind aber statistisch so korrigiert, dass die deutlich ältere und gesundheitlich vorbelastete Bevölkerung berücksichtigt wird.

Alle Autoren der diversen Analysen warnen vor voreiligen Schlüssen. Es handele sich aber „um tendenziell gute Nachrichten“, urteilte Professor Neil Ferguson vom Londoner Imperial College. Wissenschaftler derselben weltberühmten Universität hatten noch zu Monatsbeginn vor einer gewaltigen Omikron-Welle mit Tausenden von Toten täglich gewarnt.

Omikron: Impfprogramm in Großbritannien läuft auf Hochtouren

Unterdessen läuft das Impfprogramm auf Hochtouren weiter. Seit Samstag wurden auf der Insel täglich mehr als eine Million Dosen verabreicht. Bis Dienstag hatten der Zählung des Gesundheitsministeriums zufolge 53,6 Prozent der Bevölkerung über 12 Jahren ihren Booster erhalten. Die langen Schlangen vor den Impfzentren in den vergangenen Tagen bewiesen den ungebrochenen Appetit auf die medizinische Immunisierung. Mittlerweile stößt das Virus zudem vielerorts auf Genesene mit reichlich Antikörpern. (Sebastian Borger)

Eine weitere Studie zu Corona in Großbritannien beschäftigte sich mit der Frage, warum sich manche Menschen trotz hohen Risikos nicht infizieren.

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