Rechter Terror

Ombudsfrau warnt vor Rechtsterror

Barbara John: „Behörden sollen Netzwerke aufdecken“.

Die Ombudsfrau der Bundesregierung für die Opfer und Hinterbliebenen des NSU-Terrors, Barbara John, hat nach dem Absägen eines Baumes für das NSU-Opfer Enver Simsek im sächsischen Zwickau vor der fortbestehenden Gefahr des Rechtsterrorismus gewarnt. „Für mich ist das ein Indiz für die Existenz nach wie vor sehr aktiver rechtsterroristischer Netzwerke, die Mord offensichtlich gutheißen“, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland am Wochenende. „Wie käme man sonst auf die Idee, die Erinnerung an die Opfer anzugreifen?“ John sagte: „Dass es diese Netzwerke gibt, muss die Sicherheitsbehörden aufmerksam machen. Sie müssen da verstärkt hingucken. Das sage ich auch im Namen der Familien, von denen ich jetzt mit einigen gesprochen habe und die entsetzt sind.“

Die Ombudsfrau erinnerte daran, dass das Wohnhaus von Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos in Zwickau eingeebnet worden sei, damit es nicht zur Wallfahrtsstätte werde. Später habe man auf das Anbringen einer Gedenktafel für die NSU-Opfer verzichtet – aus Sorge, sie könne beschmiert werden.

Als Reaktion auf das Absägen des Baumes könne man nun zwar auf den Gedanken kommen, statt seiner einen ganzen Wald zu pflanzen, so John. „Aber wir sollten uns nicht in eine Pingpong-Situation mit diesen Leuten begeben. Besser ist es, sich an ihre Fersen zu heften und ihre Netzwerke aufzudecken.“

Baum erinnerte an Enver Simsek

Der Gedenkbaum im Schwanenteichpark in Zwickau erinnerte an den Blumenhändler Enver Simsek aus Hessen, der im September 2000 in Nürnberg vom NSU erschossen worden war. Er war das erste von insgesamt zehn Opfern der Terrorzelle. Deren Mitglieder Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt hatten fast 14 Jahre lang im Untergrund gelebt – zuletzt in Zwickau.

Am Sonntag wurde bekannt, dass dort auch das Ersatz-Gedenkzeichen zerstört wurde – eine Holzbank mit Inschrift. Sie war an der Stelle aufgestellt worden, an dem zuvor der Baum abgesägt worden war. Die Polizei sucht nach möglichen Zeugen.

Auch Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) zeigte sich besorgt über die Entwicklung im rechtsextremistischen Milieu. „Gerade im ländlichen Raum treten Neonazis heute unverhohlen auf“, sagte Maier am Wochenende. „Da werden Immobilien gekauft, Liederabende und Basare veranstaltet.“ Diese Neonazis träten nicht mehr in Springerstiefeln und Bomberjacken auf. „Sie geben sich bieder. Doch es werden Strukturen aufgebaut, die in der letzten Konsequenz auch für terroristische Aktionen genutzt werden können.“ Heutige Neonazis verfolgten eine andere Strategie als der NSU: „Das Stichwort lautet Entgrenzung, Einsickern in bürgerliche Milieus.“ 

mdc/dpa

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