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Olympia-Attentat: Blamage abgewendet

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Von: Maria Sterkl

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Die Hinterbliebene Ankie Spitzer im Jahr 2012
Die Hinterbliebene Ankie Spitzer im Jahr 2012 © Jack Guez/afp

Fast 50 Jahre nach dem Attentat einigt sich die Bundesregierung mit den Angehörigen der Opfer.

In letzter Sekunde ist es der deutschen Bundesregierung gelungen, doch noch knapp einer außenpolitischen Blamage zu entgehen. Wie Regierungssprecher Steffen Hebestreit am Mittwoch mitteilte, wurde eine Einigung mit den Angehörigen der elf israelischen Opfer des Münchner Olympia-Attentats 1972 erzielt. Somit können die Angehörigen ihren angekündigten Boykott der am 5. September geplanten Gedenkfeiern in München und Fürstenfeldbruck widerrufen. Unter den neuen Umständen, seien sie bereit zu kommen, erklärte der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP), der die Hinterbliebenen in den Verhandlungen vertreten hatte.

Am 5. September 1972 hatten palästinensische Terroristen das Olympische Dorf in München gestürmt, elf Israelis als Geiseln genommen und zwei von ihnen sofort erschossen. Die übrigen neun Israelis und ein deutscher Polizist kamen bei einer chaotischen Befreiungsaktion ums Leben. Seit fünfzig Jahren kämpfen die Hinterbliebenen um eine offizielle Entschuldigung und ausreichende finanzielle Entschädigung.

Entschädigung für Olympia-Attentat 1972: Hinterbliebene drohten mit Rechtsweg

Wie die „Süddeutsche Zeitung“ zuerst berichtet hatte, wurde das ursprüngliche Entschädigungsangebot von rund fünf Millionen Euro nun, wenige Tage vor der Gedenkveranstaltung, noch kräftig erhöht. Ankie Spitzer, die Witwe des ermordeten Fechttrainers Andrej Spitzer und Sprecherin der Hinterbliebenen, hatte das erste Angebot als „entwürdigend“ bezeichnet. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen erfuhr, war zuletzt eine Entschädigungssumme von 28 Millionen Euro im Gespräch gewesen. Zuletzt war der Konflikt einer Eskalation nahe. Die Angehörigen erwogen, sich die Kompensation auf dem Gerichtsweg zu erstreiten.

In diesem Fall wäre es für Deutschland wohl nicht nur kostspieliger geworden. Im Zuge des Gerichtsverfahrens wären die vielfältigen Polizeipannen zudem einer breiten Öffentlichkeit zugänglich geworden. Genau das hatten die Behörden in einem jahrzehntelangen Vertuschungskurs aber vermeiden wollen.

Olympia-Attentat 1972: Entschuldigung auf Gedenkfeier geplant

Zur Vorgeschichte: Anlässlich des 50. Jahrestags des Attentats hat Deutschland zu einer Gedenkveranstaltung unter Teilnahme einer 200-köpfigen israelischen Delegation nach München und Fürstenfeldbruck geladen. Bundespräsident Steinmeier soll sich bei der Veranstaltung offiziell im Namen Deutschlands bei den Hinterbliebenen des Attentats entschuldigen. Es wäre die erste offizielle Entschuldigung Deutschlands für das Behördenversagen.

Die zweite Forderung der Hinterbliebenen betrifft die Öffnung aller Archive und die Einrichtung einer Historikerkommission zur Aufarbeitung des Desasters. Auch dazu gab es schon grünes Licht aus Berlin. Diese Kommission soll sich je zur Hälfte aus deutschen und aus israelischen Historiker:innen zusammensetzen. Alles spießte sich aber bis zuletzt an der dritten Forderung der Angehörigen: einer angemessenen finanziellen Entschädigung. Noch vor wenigen Tagen sah es so aus, als wäre eine Einigung aussichtslos. mit dpa

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