1. Startseite
  2. Politik

Olympia 2022: Eröffnungsfeier in Peking – Teilnehmerliste mit Beigeschmack

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Daniel Dillmann

Kommentare

Saudische Scheichs bei der Fußball-WM 2018. Etliche Staaten der arabischen Halbinsel schicken Gesandte zu den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking.
Saudische Scheichs bei der Fußball-WM 2018. Etliche Staaten der arabischen Halbinsel schicken Gesandte zu den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking. © Roland Krivec/DeFodi.de/imago

Zahlreiche Länder strafen China vor den Olympischen Spielen mit einem diplomatischen Boykott. Andere schicken ihre Staatsoberhäupter zum Dinner nach Peking.

Peking – Noch wenige Tage, bis das Olympische Feuer in China entzündet wird, die Eröffnungszeremonie in Peking vonstattengeht und die Olympischen Winterspiele 2022 offiziell beginnen. Vom 04. bis zum 22. Februar werden die Athlet:innen in 107 Wettkämpfen um die Medaillen kämpfen. Erstmals wird mit Peking eine Stadt nach Sommerspielen auch die Winterspiele der Olympiade veranstalten.

Doch Publikum wird bei all dem Spektakel kaum anwesend sein. Aufgrund der Corona-Pandemie hatte China die Einreise ausländischer Olympia-Fans bereits vor Wochen verboten. Ob die eigene Bevölkerung bei den Wettkämpfen gestattet wird, steht noch immer nicht fest. Ein Ticketverkauf für die unterschiedlichen Austragungsorte hat bislang nicht stattgefunden. Und angesichts der strengen Maßnahmen, die in Peking rund um Olympia 2022 für Betreuerstab und Sportler:innen gelten, ist kaum denkbar, wie Publikum zugelassen werden sollte.

Olympia 2022: Kein Publikum bei Eröffnungsfeier und diplomatischer Boykott

Doch es wird nicht nur das Publikum sein, dass Olympia in diesem Jahr fernbleibt. Etliche, vor allem westliche, Länder haben einen politischen Boykott der Winterspiele verkündet. Begründet wurde dies meist mit der autoritären Politik in der Volksrepublik China. Eine freie Berichterstattung aus Peking ist nicht möglich, die Unterdrückung ethnischer Minoritäten wie der Uiguren hat zuletzt wieder zugenommen und die Spannungen in den internationalen Beziehungen vieler Staaten mit China sind nach wie vor hoch. Das gilt vor allem für die USA, die auch in der Ära nach Donald Trump noch nicht zu normalen Beziehungen zu China zurückgefunden haben. Die Vereinigten Staaten waren dann auch die ersten, die den diplomatischen Boykott verkündeten. Ihnen folgten Australien, Belgien, Großbritannien, Kanada, Dänemark, Litauen und Neuseeland.

Generalprobe zur Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2022 in Peking.
Generalprobe zur Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2022 in Peking. © imago

Demgegenüber steht eine ganze Reihe an Ländern, die offizielle Regierungsvertreter nach Peking schicken werden. Eine Liste der Länder, die Gesandte schicken, um gemeinsam mit Chinas Präsident Xi Jinping das Spektakel zu verfolgen, hat das chinesische Außenministerium unlängst veröffentlicht. Geprägt ist sie von autoritären Staaten und der Verdacht liegt nahe, dass diese Länder einen größeren Nutzen in der Repräsentation bei Olympia 2022 sehen als in der Kritik an repressiven Maßnahmen gegen die Bevölkerung und die Presse. Denn die Begeisterung für Wintersport ist in Ländern von der arabischen Halbinsel ebenso gering wie in südostasiatischen Staaten.

Olympia 2022: Länder, die Gesandte nach Peking zur Eröffnungsfeier schicken

Olympia 2022: Auch EU-Mitglieder schicken Vertretungen zur Eröffnungsfeier

Doch auch demokratische Staaten und zum Teil Mitglieder der Europäischen Union ehren die Machthaber in Peking zu den Olympischen Winterspielen mit einem Besuch. Polen, Bosnien und Herzegowina, Serbien und Frankreich haben bereits angekündigt, entweder beim Dinner mit Xi Jinping und/oder bei der Eröffnungszeremonie im Olympiastadion in Peking mit Gesandten vertreten zu sein.

China selbst hat die Latte für die Eröffnungszeremonie hoch gesetzt. Vor 14 Jahren fand am selben Ort die Feier zum Beginn der Olympischen Sommerspiele 2008 statt. Die Eröffnungsfeier war gigantisch und perfekt organisiert, die Spiele wurden ein voller Erfolg. Die Volksrepublik präsentierte sich als moderner Staat, hervorragender Gastgeber und heimste nebenbei auch noch am meisten Medaillen ein. Letzteres dürfte dieses Mal kaum gelingen, weshalb eine Eröffnungszeremonie, die in guter Erinnerung bleibt, um so wichtiger ist.

Und was macht Deutschland? Auch drei Tage vor dem Start der Eröffnungszeremonie hat sich Bundeskanzler Olaf Scholz nicht festgelegt, ob sich die Ampelregierung an dem diplomatischen Boykott der USA und anderer beteiligen. Scholz verwies bei Fragen immer darauf, dass man eine europäische Lösung anstrebe und in der EU mit einer Stimme Richtung Peking sprechen wolle. Dass dieser Willen durch die Entscheidungen der nationalen Regierungen in Paris, Warschau, Kopenhagen, Brüssel und Belgrad längst ad absurdum geführt wurde, daran stört sich Scholz nicht.

IOC-Präsident Thomas Bach sieht in Olympia 2022 eine „großartige Gelegenheit für den Wintersport“

Trotz all dieser Ungereimtheiten, trotz internationalem Widerstand und trotz Corona-Pandemie ist sich Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), absolut sicher: Olympia 2022 wird ein großer Erfolg. „Diese Spiele sind eine großartige Gelegenheit für den globalen Wintersport und seine Athleten“, so der IOC-Präsident bei einem Treffen der „Chefs de Mission“ der Landesdelegationen im Olympischen Dorf. „Jeder Sportler bekommt hier Zugang zu einer ganz neuen Fanbase.“

Damit meint Bach ganz sicherlich nicht die anwesenden Autokraten oder deren Vertreter, sondern das chinesische Volk. Die Bevölkerung des größten Landes der Erde konnte bislang mit Wintersport so gar nichts anfangen. Genau das hoffen die Veranstalter und ihre Sponsoren zu verändern. Bis zu 300 Millionen Menschen sollen nach dem Event zu Wintersport-Fans und dann auch zu möglichen Kund:innen werden. Das werde das „große Erbe dieser Olympischen Winterspiele“ werden, so Bach. (Daniel Dillmann)

Auch interessant

Kommentare