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Igor Kolomoiski hat seine Rückkehr aus dem Exil in Israel angekündigt.

Unternehmer

Oligarch vor neuem Beutezug

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Igor Kolomoiski hat viel Einfluss auf den künftigen Präsidenten in Kiew – ein Porträt.

Der Umgang von Igor Kolomoiski mit Geld ist legendär. Als Vereinspräsident des Erstligaklubs FK Dnipro ließ er sich das Stadion „Dnipro-Arena“ 40 Millionen Euro kosteten. 2010 heuerte er den spanischen Trainer Juande Ramos an, der Dnipro 2014 zur ukrainischen Vizemeisterschaft führte. Bald trennte man sich, Ramos wurde ausgezahlt. Aber Kolomoiski verweigerte seinen Assistenten ihre letzten Monatsgehälter, etwa 300.000 Euro. Die Spanier klagten, bekamen Recht. Aber Kolomoiski blieb stur, seine Sturheit kam dem FK Dnipro teuer zu stehen. Die Fifa sperrte den Verein für alle internationalen Turniere, entzog ihm die Profi-Lizenz, Dnipro kickt jetzt in der dritten Liga. Kolomoiski spielt nach sehr eigenen Regeln.

Igor Kolomoiski, 56, laut dem Wirtschaftsmagazin Forbes 1,1 Milliarden Dollar reich, redet über Politik wie über Fußball. „Wir sind sein Fanklub“, freute er sich er unlängst über den Wahlsieg des TV-Komikers Wolodymir Selenskyj bei den Präsidentschaftswahlen. Kolomoiski gilt als Sponsor, wenn nicht als Coach Selenskyjs. Der sei für ihn keine Personalie, sondern ein Symbol, sagte er der BBC. „Ein Symbol des Generationswechsels, des Frühlings nach dem Winter.“ Aber viele Ukrainer halten Kolomoiski für die Symbolfigur jener korrupten Oligarchen, die jeder Veränderung im Weg stehen.

Kolomoiski wuchs in Dnipro auf. Damals predigte man Kommunismus und klaute Klopapier, er machte als Diplom-Ingenieur sein erstes Rubelvermögen mit Porträtfotos, die er kasachischen Kolchosbauern verkaufte. Dann importierte er Computer, gründete Anfang der 90er Jahre seine eigene Bank, verschaffte sich Aktienmehrheiten von Stahlkombinaten, Raffinerien, Tankstellenketten und Fernsehsendern. Ein typisch ukrainischer Gemischtwarenoligarch. Seine Favoritin Julia Timoschenko, die wie er aus Dnipro stammt, verhalf ihm 2010 als Premierministerin mit einem umstrittenen Manöver zu 42 Prozent der Staatsfirma Ukrnaft, dem größten Rohstoffkonzern des Landes.

Der Wirtschaftsjurist Alexei Fjodor schrieb 2010, Kolomoiskis Firmengruppe Priwat sei der größte Unternehmensplünderer der Ukraine. Bei feindlichen Übernahmen von Firmen floss angeblich Blut, 2003 überlebte der Anwalt Sergei Karpenko schwer verletzt einen Anschlag mit Eisenstangen und Messern, laut Karpenko hatte Kolomoiski ihn zuvor bedroht.

„Kolomoiski ist einer der gefährlichsten ukrainische Oligarchen“, sagt der US-Diplomat Jonathan Bronson, „er hat keine Angst, sich die Hände schmutzig zu machen.“ Als im Frühjahr 2014 im benachbarten Donbass prorussische Aufstände ausbrachen, übernahm Kolomoiski für mehrere Monate als Gouverneur die Verantwortung in der Region Dnipro. Er stellte mehrere Freiwilligenbataillone auf und erstickte alle separatistischen Kundgebungen im Keim. Aber bald geriet er in Streit mit dem neuen Präsidenten Petro Poroschenko. Der entzog ihm die Kontrolle über Ukrnaft und ließ Kolomoiskis Privatbank verstaatlichen. Kolomoiski fordert eine Kompensation von zwei Milliarden Dollar für die enteignete Bank – obwohl jetzt laut US-Medien auch das FBI wegen Geldwäsche gegen ihn ermittelt.

Poroschenko beschimpfte Selenskyj als Marionette Kolomoiskis. Dem gehört der TV-Kanal 1+1, wo Selenskyjs Comedyshows liefen. Und gerade erst bezeichnete Kolomoiski Innenminister Arsen Awakow als „Stabilitätsfaktor“, Selenskyj solle diesen Minister auf jeden Fall behalten. Awakow ist wie Kolomoiski korruptionsumwittert, wie Kolomoiski hat er Medien zufolge Gefolgsleute in Selenskyjs Mannschaft platziert.

Selenskyj aber hat der Korruption den Kampf angesagt. Zu seinen Beratern gehört Exfinanzminister Oleksandr Daniljuk, der die Verstaatlichung der Privatbank mitorganisierte. Kolomoiski nennt ihn einen „Kläffer“. Selenskyj parodierte als Komiker Kolomoiskis Selbstherrlichkeit: „Die Meteorologen melden für morgen Regen. Das werde ich mir noch überlegen.“

Nun wartet Kiew auf Kolomoiskis angekündigte Rückkehr aus seinem Tel Aviver Exil. Und darauf, ob es Antikorruptionsreformen oder einen neuen Beutezug des Oligarchen geben wird.

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