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Mit welcher Dame wird Olaf Scholz ins Rennen gehen?

SPD

Olaf Scholz sucht: weiblich und links

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Welche Politikerin bewirbt sich mit Finanzminister Olaf Scholz um den SPD-Vorsitz?

Zwei Tage nach seinem großen Coup sitzt Olaf Scholz auf dem Podium der Bundespressekonferenz in Berlin und lächelt. Ob er sich über Aufmerksamkeit freut, oder den Auftritt lieber schnell hinter sich bringen will, ist nicht ganz klar. Sicher ist nur: Ihm hören jetzt wieder alle zu.

Noch in der vergangenen Woche galt der Bundesfinanzminister als politisches Auslaufmodell. Ende der Karriere – spätestens mit dem von vielen als fast schon zwangsläufigen angesehenen Austritt der SPD aus der großen Koalition in Berlin. Doch seit klar ist, dass Scholz in das Rennen um die SPD-Führung eingreift, beflügelt der Mann aus Hamburg wieder die Fantasien – in positiver wie in negativer Hinsicht.

Manch einer in der SPD ist erleichtert, dass mit Scholz wieder etwas Ernsthaftigkeit in den unfreiwillig komisch wirkenden Prozess der Vorsitzendensuche zurückkehrt. Andere fürchten, dass die Partei ihre Chance auf einen Neuanfang nun verspielt.

„Man will ja Erfolg haben“

Jetzt aber muss Scholz erst einmal Fragen beantworten. Und da am Sonntag „Tag der offenen Tür“ der Bundesregierung ist, sind es nicht in erster Linie die Journalisten, sondern vor allem die Besucher, die diese Fragen stellen dürfen. Vor allem eines interessiert viele: Mit welcher Frau wird Olaf Scholz ins Rennen ziehen?

Er selbst beantwortet die Frage nicht. Erst einmal gelte es, einiges miteinander durchzusprechen, sagt der 61-Jährige. „Es ja nicht nur wichtig, dass man gemeinsam kandidiert“, sagt er: „Man macht das ja auch, um am Ende Erfolg zu haben.“

Das Rätselraten in der SPD ist natürlich längst in vollem Gange, zumal die meisten prominenten Sozialdemokratinnen inzwischen abgesagt haben. Familienministerin Franziska Giffey hat erklärt, dass sie auf eine Kandidatur verzichtet. Die Ministerpräsidentinnen Manuela Schwesig und Malu Dreyer wollen wohl keinesfalls.

Also schießen die Spekulationen ins Kraut. Wird es Svenja Schulze, die Kabinettskollegin und Bundesministerin für Umwelt und Verbraucherschutz? Schulze stünde für Erneuerung, auch kommt sie aus dem wichtigen SPD-Landesverband Nordrhein-Westfalen.

Auch in seinem eigenen Hamburger Landesverband könnte sich Scholz umschauen. Seine Nachfolgerin als Hamburger SPD-Vorsitzende, Arbeitssenatorin Melanie Leonhard, gilt als Frau mit Zukunft. Der Nachteil: Ein reines Hamburger Duo würde wohl in der südlichen SPD auf wenig Gegenliebe stoßen.

Ein echter Paukenschlag wäre es, wenn Olaf Scholz Katarina Barley für eine Doppelkandidatur gewinnen könnte. Die Vizepräsidentin des Europäischen Parlamentes würde Scholz gut ergänzen – sie könnte vor allem beim linken SPD-Flügel punkten, auch genießt sie bei jüngeren Frauen großen Rückhalt. Allerdings hat Barley bei der jüngsten Europawahl das schlechteste SPD-Ergebnis aller Zeiten eingefahren.

Verwegene nennen Nahles

Notfalls könnte Scholz auch einfach mit seiner Ehefrau antreten, der Brandenburger Bildungsministerin Britta Ernst, witzeln einige Genossen. Und ganz Verwegene nennen noch einen weiteren Namen: Andrea Nahles. Zumindest letzter Vorschlag stammt dann aber wirklich aus der Kategorie schlechter Humor.

Bei dem Auftritt von Scholz am Sonntag wird eher weniger gelacht. Fast schon pathetisch wird er, als er begründet, warum er sich nun umentscheiden hat – schließlich hatte er doch den SPD-Vorsitz für zeitlich unvereinbar dem Amt des Finanzministers erklärt.

„Manchmal muss man sich die Dinge anders überlegen, weil das die Verantwortung gebietet“, sagt Scholz nun. Der Zustand der SPD, der Niedergang in den Umfragen, schlage ihm auf den Magen. Es gehe jetzt nicht um seine persönliche Belastung: „Es geht jetzt darum, wie die älteste demokratische Partei des Landes die Aufgaben des 21. Jahrhunderts bewältigen kann.“

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