"Es ist okay, Terrorist zu sein"

Reda S. über seinen Glauben

Frankfurter Rundschau: Ihnen wird in Deutschland vorgeworfen, Al Qaeda- Mitglied zu sein.

Reda S.: Ich habe nichts mit Al Qaeda zu tun.

Der Verdacht scheint stark zu sein, Deutschland hat Ihnen den Pass entzogen, sie müssen nach Deutschland kommen, es wird weiter ermittelt.

Wo sind die Beweise? Die Ermittler haben mir keine gezeigt. Und sie sagen mir, dass es in Deutschland noch nicht einmal einen Haftbefehl gegen mich gibt. Aber wer weiß, eine Unterschrift ist schnell gemacht. Gegen den Passentzug habe ich geklagt, das Verfahren läuft. Ich möchte nach Saudi-Arabien, dort ist meine Familie. Ich würde gerne wieder als Kameramann im Ausland arbeiten.

Sie werden wohl nicht ausreisen dürfen. Was werden Sie in Deutschland tun?

Für mich ist es ein Neuanfang. Ich weiß nicht, wo ich leben werde. Ich habe noch Freunde in Deutschland, aber ich weiß nicht, ob die mich aufnehmen. Ich möchte niemanden in Schwierigkeiten bringen und ich will meine Freunde auch nicht nach Geld fragen. Ich tue es ungern, aber ich werde Sozialhilfe beantragen. Ich habe alles verloren, nur wegen eines Verdachts.

Wie waren die zehn Monate in einem indonesischen Gefängnis?

Die Zeit war für mich eine Studienzeit. Ich habe meinen Glauben vertieft, ich habe intensiv den Koran gelesen.

Man sagt, Sie hätten sich gefreut, als Sie von dem Terroranschlag auf Bali erfahren hätten.

Freude ist das falsche Wort. Es ist schade, dass viele Zivilisten gestorben sind. Aber man muss beide Seiten betrachten: Ich kann Motivation und Ziele der Täter verstehen. Vielleicht ist Verständnis ein besseres Wort als Freude. Es herrscht Krieg auf der Welt. Es ist ein Religionskrieg. Bush hat von einem Kreuzzug gesprochen. Der begann mit Afghanistan, die Invasion war schon vor dem 11. September geplant.

Sie waren schon voriges Jahr ein Gegner der US-Politik. Wie hat sich Ihre politische Meinung in zehn Monaten Haft entwickelt?

Ich habe mich verändert, mein Glaube an den Islam hat sich entwickelt, er ist jetzt tiefer, intensiver. Bush hat gesagt: ,Du bist mit uns oder Du bist auf der anderen Seite.‘ Ich stehe auf der anderen Seite, ich kämpfe auf der Seite des Islam. Das habe ich früher ohne Gewalt getan. Im Krieg in Bosnien habe ich humanitäre Hilfe geleistet, natürlich nur für Moslems. Als Kameramann habe ich das Grauen festgehalten, das Moslems erleiden. Es gibt viele Arten, zu kämpfen. Jetzt bin ich von der Notwendigkeit noch mehr überzeugt.

Würden Sie auch mit Waffen kämpfen?

Wenn es sein muss - ja. Muslime, auch Zivilisten, werden in Afghanistan, Irak, Palästina, sie werden überall getötet. Meine Einstellung hat vielleicht auch etwas mit meiner Behandlung zu tun. Das ist doch natürlich: Wenn Menschen ungerecht behandelt werden, reagieren sie. Die Tatsache, dass ich hier im Gefängnis sitze, macht mich zum Opfer der weltweiten Jagd auf Moslems. Denn der US-Kampf wird gegen den Islam geführt, nicht gegen Terror. Im Koran steht, dass militärische Ausbildung Pflicht aller Moslems ist. Wir müssen vorbereitet sein! Laut Koran ist es in Ordnung, Terrorist zu sein! Laut Koran ist es eine Pflicht, Kaffer umzubringen!

Sie meinen Ungläubige?

Ja. Es gibt nur eine Religion, den Islam. Mohammed war der letzte Prophet. Christen und Juden wollen nicht wahrhaben, dass das Wort ihrer Propheten mit Mohammed hinfällig geworden ist.

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