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Donald Trump in Wellington.
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Donald Trump in Wellington.

Zwischenwahlen 2022

Donald Trump teilt wieder aus: Joe Biden „zerstört unser Land“

  • VonMirko Schmid
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Donald Trump attackiert seinen Nachfolger Joe Biden. Dann kommt er auch auf Angela Merkel zu sprechen.

Update vom Sonntag, 27.06.2021, 07.00 Uhr: Donald Trump ist wieder in seinem Element. Fünf Monate nach dem Ende seiner Amtszeit hat der frühere US-Präsident erstmals wieder eine Großkundgebung abgehalten. Vor knapp 20.000 Fans wiederholte er seinen vielfach widerlegten Vorwurf, bei der Präsidentschaftswahl im November habe es Wahlbetrug gegeben. Seinem Nachfolger Joe Biden warf er vor, „unsere Nation vor unseren Augen zu zerstören“. Bidens Regierung sei eine „totale Katastrophe“.

Trump hat wiederholt mit einer erneuten Präsidentschaftskandidatur 2024 geflirtet - bislang aber nur Andeutungen gemacht. Trotz der Rufe seiner Fans in Wellington nach „vier weiteren Jahren“ Trump äußerte sich der Republikaner auch in seiner 90-minütigen Rede nicht eindeutig zu seinen politischen Zukunftsplänen. Allerdings verbreitete er Optimismus, was die kommenden Jahre angeht. Trump sagte unter dem Jubel der Fans, dass die Republikaner bei den Kongresswahlen 2022 die „radikalen Demokraten“ besiegen und die Mehrheit in Repräsentantenhaus und Senat zurückerobern würden, ehe 2024 Weiße Haus zurückerobert werde.

Donald Trump erwähnt Angela Merkel

Und dann erwähnte Donald Trump auch noch Angela Merkel. Er „möge“ die Kanzlerin, sie sei „tough und smart“ sagte Trump etwas überraschend, um dann fortzufahren: „Sie nutzt die USA aus.“ Trump wiederholte seine Vorwürfe gegenüber Deutschland, das Russland „Milliarden Dollar“ für die Ostsee-Pipeline Nord-Stream 2 zahle, sich aber zugleich von den USA vor Russland schützen lasse.

Trump genießt bei der konservativen Basis nach wie vor großes Ansehen. „Ich liebe Donald Trump, den besten Präsidenten der Vereinigten Staaten“, sagte die 57-jährige Laura Benas am Samstag bei der Kundgebung in Wellington. Sie zeigte sich überzeugt, dass Trump die Wahl vom 3. November gewonnen habe und durch massiven Wahlbetrug um eine zweite Amtszeit gebracht worden sei. „Die Korruption ist in der US-Regierung so tief verankert, dass ein Nicht-Politiker (Trump) wirklich keine Chance hat“, sagte Benas. Sie hoffe, dass Trump 2024 erneut antrete.

„Rachetournee“: Donald Trump startet seinen Wahlkampf in Ohio

Erstmeldung vom Samstag, 26.06.2021: Palm Beach - Donald Trump beendet seine Sommerpause. Zuletzt hatte er sich zeitweise rar gemacht. Nur gelegentlich setzte er mit Reden, Interviews und Blogbeiträgen Nadelstiche. Mit dieser Zurückhaltung ist offenbar Schluss. Cleveland im Bundesstaat Ohio wird zum Schauplatz des Auftakts der MAGA-Tournee, aus der Umgebung reisen Trump-Fans an.

Und der „ehemalige Präsident Donald Trump ist gebräunt, ausgeruht und politisch blutrünstig“, berichtet Politico. Aktuell, so macht es den Anschein, beschäftigt sich Donald Trump weniger mit dem politischen Kontrahenten im Weißen Haus. Zwar lässt Trump an der Amtsführung der Regierung um Joe Biden kein gutes Haar. Deutlich konzentrierter richtet der Republikaner seinen Blick aber auf den Nominierungsprozess in der eigenen Partei.

Seine Auftritte plant er strategisch effizient. Donald Trump tritt in den Wahlkreisen auf, in denen unliebsame Abgeordnete wieder kandidieren wollen. Trumps mehrköpfiger Beraterstab sucht in einer Art Vorauswahlprozess geeignete Köpfe. Dabei geht es um Eignung. Die zentrale Qualifikation besteht gemäß diverser Quellen aus dem Umfeld des Beratergremiums darin, absolut unkritisch hinter Donald Trump zu stehen. Dessen Wahlmanipulationsvorwürfe zu verbreiten und sich selbst vollkommen in seinen Dienst zu stellen. Dann winke eine steile Karriere, andernfalls das Ende aller Ambitionen.

Donald Trump will Anthony Gonzalez in Ohio stürzen und Max Miller installieren

Einer, der all diese Anforderungen zu erfüllen scheint, das ist Max Miller. Er bewegt sich schon länger als Adjutant im Geflecht der Trump-Maschinerie, jetzt soll er mit einem Sitz im Repräsentantenhaus belohnt werden. So will es Donald Trump. Der wohl gefährlichste Konkurrent im Kampf um den Parlamentssitz für MIller ist Anthony Gonzalez. Wie Miller ist er Republikaner. Anders als Miller muss er seinen Sitz halten.

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Donald Trump hat nicht vergessen, dass Gonzalez einer der republikanischen Abgeordneten gewesen war, die während des zweiten Amtsenthebungsverfahrens gegen Trump gestimmt hatten. Trump kennt ihre Namen, weiß, wo sie kandidieren und wann sie wo auftreten. In Interviews kann er sie spontan und meist korrekt nennen. Nun beginnt er damit, seine Liste abzuarbeiten.

Trumps Wahlkampf-Strategie vereint den aggressiven Ansatz der Negativkampagnen gegen die Trump unliebsamen Amtsinhaber:innen mit der Abdeckung strategisch wichtiger Hotspots, verteilt über das ganze Land. Taylor Budowich freut das. Budowich ist ein leitender Berater der Miller-Kampagne und schwärmt für den „starken Mann“ der Partei.

Republikaner Jim Jordan: „Donald Trump ist der Anführer der Partei“

Die Tatsache, dass die erste Kundgebung der Tournee in Ohio stattfinde, um Max Miller zu unterstützen, sei ein klares Singal: Gonzalez sei politisch erledigt: „Er hat nicht nur Präsident Trump verraten, sondern auch seine Wähler.“ Und Donald Trump setzt für sein Rahmenprogramm auf Parteiprominenz vom äußersten rechten Rand. Mit dabei: Die QAnon-Sympathisantin Marjorie Taylor Greene. Die Abgeordnete war aus ihren Mitgliedschaften in Parlamentsausschüssen geflogen, nachdem sie sich mehrfach rassistisch geäußert haben soll.

Ebenfalls im Vorprogramm soll auch MyPillow-CEO Mike Lindell reden. Lindell gilt als einer der fanatischsten Anhänger der Wahlmanipulationsthese von Trump. Erhebliche Summen soll der Kissen-Versandhändler schon in die MAGA-Kampagne investiert haben. Sein Kreuzzug gegen den Wahlmaschinen-Hersteller Dominion hat ihm, gemeinsam mit anderen wie Rudy Giuliani, ein Gerichtsverfahren eingebracht, das mit einer Strafaufforderung im Bereich einer hohen Millionensumme enden könnte. Und doch wird Lindell nicht müde, seine Theorien medial zu verbreiten – inklusive eigener Webshows.

Vor Ort verbreitet bereits der Abgeordnete Jim Jordan gute Laune. Bedenken in der eigenen Partei, wonach Donald Trump mit seinen Verschwörungstheorien im Wahlkampf um die Parlamentssitze 2022 schaden könnte? Weist er zurück. Dafür betont Jordan: „Wenn der Präsident auftaucht, ist das nur gut für die Republikaner.“ Und:. „Das wird uns 2022 helfen. Er wird über viele Themen sprechen. Es ist großartig für uns. Er ist der Anführer der Partei.“

US-Medien spekulieren über Trump-Kandidatur fürs Weiße Haus 2024

Wild spekulieren die verschiedene Medien darüber, was Donald Trump genau plant für 2022. Will er erst einmal nur ihm abspenstig gewordene Abgeordnete und Senatsmitglieder durch linientreuere ersetzen, um seine Racheankündigungen wahr werden zu lassen? Oder ist das alles nur der erste Schritt, um mit der vollkommenen Kontrolle über die Partei gestärkt und unvermeidbar 2024 einen neuen Anlauf auf das Weiße Haus zu starten? Viel deutet auf diese Theorie hin.

Donald Trump triggert seine Anhängerschaft seit Wochen zuverlässig mit Andeutungen. Er scheint zu wissen, welche Euphorie die Erklärung einer erneuten Kandidatur in den Reihen seiner Parteibasis erzeugen würde. Die Analysten der TV-Nachrichtensender sind sich nahezu einig - von CNN bis Fox News. Donald Trump, heißt es, warte den richtigen Augenblick ab, diesen großen Moment zu zelebrieren.

NameDonald John Trump
ParteiRepublikaner
Höchste Position45. Präsident der USA
BerufUnternehmer
Vermögen2,4 Milliarden US-Dollar (Forbes, 2021)

Doch die Suche nach dem perfekten Augenblick könnte nicht der Hauptgrund für Trumps Geheimniskrämerei um seine Kandidatur sein. Es mehren sich Berichte, wonach Donald Trump die immer schärfer auf ihn zurollende Prozesslawine immer besorgter beobachte. Trump wolle die Entscheidung möglichst lange hinauszögern, um nicht eine bereits angekündigte Kandidatur aus juristischen Gründen zurückziehen zu müssen.

Donald Trump führt die Republikaner und taktet Wahlkampf nach Belieben

Donald Trump liegt in allen Umfragen landesweit weit vorn in der Gunst der republikanischen Anhängerschaft. Er befindet sich somit in einer Position, der Partei ihren Kandidaten oder ihre Kandidatin diktieren zu können. Egal, ob er dabei auf sich selbst oder jemanden aus dem engsten Kreis zeigt: Die Partei wird ihm aller Wahrscheinlichkeit nach folgen. So kann es sich Trump erlauben, seinen Wahlkampf nach Belieben zu takten.

Der demokratische Abgeordnete Tim Ryan sieht ein mögliches Eigentor für Donald Trump im frühen Start einer etwaigen 2024-Kampagne: „Er kandidiert 2022 für nichts, also wird er nicht auf dem Stimmzettel stehen. Ich habe keine Ahnung, was die da drüben machen. Sicher ist: Das ist ein Kulturkrieg nach dem anderen, und das wollen die Leute nicht.“

Donald Trump will davon nichts wissen. Er mache Wahlkampf, um seiner Partei zu helfen, die Mehrheiten in Senat und Repräsentantenhaus zu drehen. Den verteufelten Demokraten beide Häuser abzunehmen. Um ihn selbst ginge es nicht, lässt Trumps Kampagne die US-Medien wissen. Er habe geschworen, die Rückgewinnung der Mehrheiten zu erkämpfen. Unterdessen sammelt Trumps Kampagne Geld ein.

Donald Trump sammelt Wahlkampfgelder ein - und spart

Bisher macht Donald Trump keine Anstalten, seine Kriegskasse für den Sieg 2022 allzu weit zu öffnen. Hier und da unterstützt er seine auserwählten Bewerber:innen mit Wahlkampfbeihilfen, zumeist setzt er jedoch darauf, dass sein Wort und ein Auftritt vor Ort allein reichen, um seinen Schützlingen zu einer Mehrheit zu verhelfen.

Den großen Teil des Geldes behält Trump wohl weiterhin ein. CNN berichtet von mehr als 20 Millionen US-Dollar, die sich bereits in der MAGA-„Kriegskasse“ für eine „Tournee der Rache“ befänden. Bleibt Trump seinem bisher sparsamen Kurs treu, stellen sich automatisch Fragen. Will Trump mit großen Sponsorings dann Zuschüsse gewähren, wenn es 2022 in den Hauptwahlkampf mit den Demokraten geht? Oder sammelt er schlicht bereits seine eigene Munition für 2024?

Donald Trump sondiert die Lage, Parteiprominenz schmiedet an eigenen Karrieren

Einer Quelle aus dem unmittelbaren Umfeld von Donald Trump berichtet gegenüber The Daily Beast davon, dass Donald Trump sich in regelmäßigen Abständen darüber informieren lasse, wie er in parteiinternen Umfragen abschneide. Und Trump fordert nicht nur die eigenen Zahlen. Besonders interessiert sein soll er an den Werten von Floridas Gouverneur Ron DeSantis, seinem ehemaligen Außenminister Mike Pompeo und seinem ehemaligen Vizepräsidenten Mike Pence.

Sowohl Pompeo als auch Pence sondieren laut übereinstimmenden Medienberichten Chancen für eine eigene Kandidatur 2024. Und Ron DeSantis gilt als möglicher Vizepräsidentschaftskandidat unter Donald Trump. Alle drei wissen, dass sie kaum eine Chance haben, eigene Pläne umzusetzen, solange Donald Trump die Partei fest im Griff hat. Sollte Trump sich jedoch gegen eine eigene Kandidatur entscheiden, wäre jeder von ihnen auf Trumps nach oben gereckten Daumen angewiesen. (Mirko Schmid)

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