Andreas Molau (40), Ex-Waldorf-Lehrer, könnte die Partei weiter radikalisieren.
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Andreas Molau (40), Ex-Waldorf-Lehrer, könnte die Partei weiter radikalisieren.

Unter Rechtsextremen

Offener Machtkampf in der NPD

Der Partei-Ideologe Andreas Molau will den langjährigen Vorsitzenden Udo Voigt stürzen. Sollte der 40-Jährige die NPD-Spitze übernehmen, droht sich der 7000-Mitglieder-Klub weiter zu radikalisieren. Von Jörg Schindler

Von JÖRG SCHINDLER

In der NPD scheinen die Tage des Vorsitzenden Udo Voigt endgültig gezählt. In einer schriftlichen Erklärung hat der Partei-Ideologe Andreas Molau nun erstmals öffentlich angekündigt, dass er auf dem Parteitag im Frühjahr 2009 Voigt mit einer Kampfkandidatur stürzen will. Die Partei brauche "frischen Mut und neue Ideen", so Molau. Sollte der 40-Jährige die NPD-Spitze übernehmen, droht sich der 7000-Mitglieder-Klub weiter zu radikalisieren.

Der seit gut zwölf Jahren amtierende Bundeswehr-Reserveoffizier Voigt steht innerparteilich seit Monaten unter Beschuss. Auslöser war die Finanzaffäre um Schatzmeister Erwin Kemna, einen engen Vertrauten des Parteichefs. Kemna war im September zu zwei Jahren und acht Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil er mehr als 600.000 Euro Parteigeld veruntreut hatte. Da die NPD vor zwei Jahren bereits wegen falscher Spendenbescheide 870.000 Euro an den Bundestag zurückzahlen musste, steht sie seit längerem vor dem finanziellen Ruin.

Bis heute ist fraglich, ob Voigt Kemna deckte oder womöglich selbst an dubiosen Geldtransfers beteiligt war. Zudem schien der 56-Jährige zuletzt immer weniger dazu in der Lage, "Freie Kameradschaften" und andere radikale Gruppen aus dem braunen Milieu an die Partei zu binden. "Die NPD", schreibt Molau, "hat sich in den letzten Monaten hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt und ist kaum noch dazu in der Lage, politische Impulse zu setzen."

Um das zu ändern, hat der ehemalige Waldorf-Lehrer nun ein Bündnis mit mehreren Parteigrößen geschlossen - darunter die Chefs der NPD-Landtagsfraktionen in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern, Holger Apfel und Udo Pastörs, sowie Generalsekretär Peter Marx. Gemeinsam wollen sie dafür sorgen, dass die NPD in Deutschland jene Bedeutung erringt, "die andere europäische Rechtsparteien längst in einem viel größeren Maße haben".

"Zuzutrauen ist ihm das", sagte Bernd Wagner, Chef des Aussteigerprojekts "Exit", am Dienstag der FR. Molau sei klüger und skrupelloser als Voigt. Der einstige "Bildungsbeauftragte" der Partei habe keinerlei Berührungsängste mit gewaltbereiten Neonazis und fanatischen Ausländerhassern. "Er wird einen Spagat versuchen zwischen Radikalisierung und Realpolitik", meint Wagner.

Tatsächlich gilt der aus Braunschweig stammende Vater zweier Kinder auch Verfassungsschützern als gefährlich: Er könne bürgerliche Braune genauso gut ansprechen wie radikale Kräfte außerhalb der Partei. Wenn es ihm opportun erscheint, sucht er auch mal den Schulterschluss mit Islamisten: So nahm er 2006 in Teheran an einem Wettbewerb für Holocaust-Karikaturen teil - Molaus Zeichnung zeigte das Berliner Mahnmal für ermordete Juden als israelisches Raketensilo. In einem Interview kündigte er jüngst an, sich verstärkt um NPD-Nachwuchs kümmern zu wollen.

Wie groß Molaus Spielraum als NPD-Chef wäre, ist ungewiss: Zu Voigts Lager zählt der Anwalt Jürgen Rieger. Ohne dessen Geldspritzen, so heißt es, wäre die Partei längst pleite. Und wie Rieger sich in dem Machtkampf verhalten wird, ist völlig offen.

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