1. Startseite
  2. Politik

Özdemir-Plan schlägt hohe Wellen: Schweinezüchter sehen sich vor dem Aus

Erstellt:

Von: Franziska Schwarz

Kommentare

Cem Özdemir
Cem Özdemir (Grüne), Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft © Christophe Gateau/dpa/Archivbild

Grünen-Minister Özdemir will artgerechte Tierhaltung fördern. Ein staatliches Siegel für die Verbraucher soll kommen. Doch Landwirte laufen Sturm.

Bonn - Die Tierhaltung soll in Deutschland bald höheren Standards genügen. Doch die Pläne von Bundesminister Cem Özdemir (Grüne) stoßen bei Landwirten auf Kritik. „Es brodelt in der Branche“, warnte Bauernpräsident Joachim Rukwied zuletzt im Gespräch mit der dpa. „Das ist ein Programm, das auf einen Abbau hinausläuft.“

Noch deutlichere Töne kamen am Montag (16. Januar) vom Fleischwirtschaftsverband. Özdemirs Agrarministerium plant Folgendes, am besten noch dieses Jahr:

Ein Hebel für mehr Tierschutz soll auch ein Logo sein, das verpflichtend die Haltungsform anzeigt. Özdemir will es im ersten Schritt bei frischem Schweinefleisch im Handel an den Start bringen, berichtet merkur.de. Vorgesehen ist ein System mit fünf Kategorien: vom gesetzlichen Mindeststandard im Stall bis zu Bio. Fleisch aus dem Ausland kann freiwillig gekennzeichnet werden.

Rukwied kritisierte indes: „Man will Obergrenzen für die Förderung einziehen, beispielsweise bis zu 3000 verkaufte Mastschweine pro Jahr. Das schließt den Großteil der Betriebe aus, die zukünftig Schweinehaltung betreiben werden.“ Die Branche wolle die Tierhaltung verbessern - doch die vorgesehenen Regelungen seien dabei keine Hilfe, sondern bedrohten ihre Zukunft.

Tierwohl bei Schweinen: Fleischverband gegen Özdemir-Konzept

Weiterer Druck entsteht für die Bauern, weil viele Kunden wegen der Inflation die billigsten Produkte kaufen. Das schlägt auch auf die branchengetragene „Initiative Tierwohl“ durch, die Halter für bestimmte höhere Standards honoriert. Tierwohl-Fleisch habe so nicht mehr den Absatz wie zuvor, erläuterte Rukwied.

„Da verabschiedet sich Deutschland aus der Eigenversorgung mit Lebensmitteln“, bemängelte auch der Verband der Fleischwirtschaft (VDF) das Konzept. Es treibe die deutschen Landwirte aus der Tierhaltung heraus, warnte VDF-Vorstand Gereon Schulze Althoff.

Staatliche Kennzeichnung von Fleisch: „Hoffnungsschimmer für das Klima“

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) warnte unterdessen davor, die Einführung des staatlichen Siegels zu verzögern. Wirtschaftsverbände hielten „verbissen“ am aktuellen „irreführenden“ Tierwohl-Label fest, schrieb die DHU in einer Pressemitteilung. Mit diesem freiwilligen Produktaufdruck könnten jedoch auch die beiden niedrigsten Haltungsstufen versehen werden, obwohl es sich dabei „meist um Fleisch aus Massentierhaltung“ handele.

Nach Meinung von DHU-Geschäftsführer Sascha Müller-Kraenner liefert die geplante staatliche Kennzeichnung „endlich Anreize zum Umbau der Tierhaltung“ und damit einen „Hoffnungsschimmer im Kampf gegen die klimaschädliche Überproduktion von Fleisch“. Auch Schweinehalter die „in der Preiskrise feststecken“ könnten profitieren.

Am Montag war das Tierwohl-Siegel auch Thema bei einer Bundestags-Anhörung. Die CDU zeigte sich danach entsetzt. „In der Anhörung ist deutlich geworden, dass Cem Özdemirs Vorschlag für eine staatliche Tierhaltungskennzeichnung ein Tierwohl-Killer ist“, sagte Agrarexperte Albert Stegemann: „Würde der Gesetzentwurf so umgesetzt, wie er dem Bundestag vorliegt, wäre dies das Ende bekannter und bewährter privatwirtschaftlicher Kennzeichnungen wie der ‚Initiative Tierwohl‘.“ (dpa/frs)

Auch interessant

Kommentare