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Österreich-Wahl: Was Sie zur Bundespräsidentenwahl wissen müssen

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Von: Max Schäfer

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Bei der Österreich-Wahl am 9. Oktober entscheiden die Menschen, wer künftig Bundespräsident ist. Was Sie zu Ablauf und Kandidierenden wissen müssen.

Wien – Nach sechs Jahren ist es wieder so weit: Bei der Österreich-Wahl am 9. Oktober 2022 entscheiden die Menschen in der Alpenrepublik, wer Bundespräsident wird. Bleibt Alexander Van der Bellen Staatsoberhaupt oder können andere Kandidaten ihm gefährlich werden? Letzteres wünscht sich Van der Bellens größter Konkurrent: Walter Rosenkranz von den österreichischen Rechtsaußen der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ). Auch weitere Bewerber bringen sich in Stellung.

AbstimmungBundespräsidentenwahl in Österreich
Datum9. Oktober 2022
ModusDirektwahl
Wahlberechtigteca. 6,3 Millionen
AmtsinhaberAlexander Van der Bellen

Österreich-Wahl: Wie läuft die Bundespräsidentenwahl ab?

Der Bundespräsident ist das Staatsoberhaupt der Alpenrepublik. Im Gegensatz zu Deutschland handelt es sich bei der Österreich-Wahl am 9. Oktober 2022 um eine Direktwahl. Die Österreicher:innen entscheiden also unmittelbar, wer künftig an der Spitze des Landes steht.

Bei der alle sechs Jahre stattfindenden Österreich-Wahl ist zum Bundespräsidenten gewählt, wer mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erhält. Wenn kein Kandidat die nötige absolute Mehrheit erreicht, folgt vier Wochen nach dem ersten Wahlgang die Stichwahl. Bei der Stichwahl treten die beiden Kandidaten gegeneinander an, die im ersten Wahlgang die meisten Stimmen erhalten haben.

Wann ist mit den ersten Prognosen, Hochrechnungen und Ergebnissen zu rechnen?

Die Öffnungszeiten der Wahllokale werden bei der Bundespräsidentenwahl in Österreich von der jeweiligen Gemeinde festgelegt und unterscheiden sich daher teils erheblich. Um 17 Uhr müssen sie allerdings in jedem Fall schließen. Kurz nach der Schließung der Wahllokale ist gewöhnlich mit den ersten Prognosen zu rechnen.

FPÖ-Kandidat Walter Rosenkranz will Alexander Van der Bellen nach der Österreich-Wahl am 9. Oktober als Bundespräsident ablösen.
FPÖ-Kandidat Walter Rosenkranz (links) will Alexander Van der Bellen nach der Österreich-Wahl am 9. Oktober als Bundespräsident ablösen. (Archivfoto) © Herbert Neubauer/dpa

Das vorläufige Ergebnis der Österreich-Wahl wird normalerweise im Laufe des Abends veröffentlicht. Bis das Endergebnis der Österreich-Wahl feststeht und entschieden ist, ob ein Bundespräsident gewählt ist oder ein zweiter Wahlgang nötig ist, kann es jedoch bis zum nachfolgenden Tag dauern.

Wer ist bei der Österreich-Wahl wahlberechtigt?

Bei der Österreich-Wahl darf abstimmen, wer am Wahltag mindestens 16 Jahre alt ist, die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, am Stichtag (9. August 2022) in die Wählerevidenz einer österreichischen Gemeinde eingetragen ist und nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen wurde.

Um gewählt werden zu können, müssen die Bewerber zudem am Tag der Österreich-Wahl mindestens 35 Jahre alt sein. Außerdem sind 6000 Unterstützungsunterschriften nötig.

Kandidaten der Österreich-Wahl: Amtsinhaber Van der Bellen tritt wieder an

Amtsinhaber Alexander Van der Bellen kandidiert erneut bei der Österreich-Wahl und gilt als Favorit. Der 78-Jährige wird von den Grünen, der SPÖ, der liberalen Partei NEOS sowie einigen ÖVP-Mitgliedern unterstützt. Die FPÖ ist somit die einzige im Parlament vertretene Partei, die bei der Bundespräsidentenwahl einen eigenen Kandidaten aufstellt.

NameAlexander Van der Bellen
Geboren18. Januar 1944 in Wien
ParteiGrüne (Mitgliedschaft ruhend)
AmtBundespräsident
Frühere ÄmterAbgeordneter im Nationalrat und Wiener Landtag
Früherer BerufWirtschaftswissenschaftler

Der am 18. Januar 1944 in Wien geborene Van der Bellen ist seit der letzten Wahl 2016 Bundespräsident, als er sich gegen den FPÖ-Konkurrenten Norbert Hofer durchsetzte. Vor seiner Zeit in der Wiener Hofburg, dem Sitz des österreichischen Staatsoberhaupts, war Alexander Van der Bellen Abgeordneter im Nationalrat sowie im Wiener Gemeinderat. Von 1997 bis 2008 war er Parteichef der Grünen.

Walter Rosenkranz kandidiert für die FPÖ bei der Österreich-Wahl

Walter Rosenkranz tritt für die FPÖ bei der Österreich-Wahl an. Der 60-Jährige ist Jurist und saß von 2008 bis 2019 für die Rechtsaußen im Nationalrat. Von 2013 bis 2019 war Rosenkranz Landesparteiobmann der FPÖ in Niederösterreich. Bei der Bundespräsidentenwahl kandidiert er unter dem Motto „Holen wir uns unser Österreich zurück“.

NameWalter Rosenkranz
Geboren29. Juli 1962 in Krems an der Donau
ParteiFPÖ
BerufVolksanwalt
Frühere ÄmterAbgeordneter im Nationalrat

Rosenkranz fordert vor der österreichischen Bundespräsidentenwahl unter anderem die Rückkehr zur Neutralität Österreichs und wirft der EU im Umgang mit dem Ukraine-Krieg „Kriegstreiberei“ vor. Die Corona-Politik sieht der FPÖ-Kandidat als unverhältnismäßige Freiheitseinschränkung an und macht diese – gemeinsam mit „selbstzerstörerischen Russland-Sanktionen“ – für die Inflation verantwortlich. Der Regierung wirft er vor, keine wirksamen Maßnahmen dagegenzusetzen, macht jedoch selbst keine Vorschläge.

Kandidaten der Österreich-Wahl: Wer wird Bundespräsident?

Neben Van der Bellen und Rosenkranz treten fünf weitere Kandidaten bei der Österreich-Wahl am 9. Oktober an, so dass es insgesamt sieben Bewerber gibt. Noch nie haben sich so viele auf das Amt des Staatsoberhaupts der Alpenrepublik beworben. Alle Kandidaten der Bundespräsidentenwahl im Überblick:

Die Aufgaben des Bundespräsidenten: Worum geht es bei der Österreich-Wahl 2022?

Sie alle wollen bei der Wahl Bundespräsident Österreichs werden. Doch was sind die Aufgaben des österreichischen Staatsoberhaupts? In erster Linie ist der Bundespräsident Repräsentant des Staates und vertritt ihn nach außen und unterzeichnet Verträge mit anderen Staaten. Weitere Aufgaben und Funktionen des Bundespräsidenten im Überblick:

Die Kompetenzen des österreichischen Bundespräsidenten sind jedoch begrenzt und etwa von Vorschlägen der Bundesregierung abhängig. Das Erlassen von Notverordnungen in Ausnahmesituationen setzt beispielsweise den Vorschlag der Bundesregierung mit dem ständigen Unterausschuss des Hauptausschusses des Nationalrats voraus.

Wer führt in Umfragen zur Bundespräsidentenwahl in Österreich?

Umfragen vor der Österreich-Wahl prognostizieren Alexander Van der Bellen als Wahlsieger. Offen ist jedoch, ob der amtierende Bundespräsident bereits im ersten Wahlgang die nötige Mehrheit erhält. Wenn Van der Bellen nicht die nötige Mehrheit erhält, kommt es zur Stichwahl gegen FPÖ-Kandidat Walter Rosenkranz.

Die aktuellste Umfrage des Instituts Lazarsfeld zur Österreich-Wahl im Überblick:

KandidatStimmenanteil in Prozent
Alexander Van der Bellen56
Walter Rosenkranz (FPÖ)16
Dominik Wlazny9
Tassilo Wallentin8
Gerald Grosz6
Michael Brunner3
Heinrich Staudinger2
Stand: 29. September 2022

Österreich-Wahl: Das Ergebnis der Bundespräsidentenwahl 2016

Bei der Bundespräsidentenwahl in Österreich 2016 traten sechs Kandidierende an. Im ersten Wahlgang am 24. April erhielt Norbert Hofer von der FPÖ die meisten Stimmen. Alexander Van der Bellen lag auf dem zweiten Rang. Das Ergebnis der ersten Runde im Überblick:

Kandidat:inStimmen in Prozent
Norbert Hofer (FPÖ)35,05
Alexander Van der Bellen (Unabhängig)21,34
Irmgard Griss (Unabhängig)18,94
Rudolf Hundstorfer (SPÖ)11,28
Andreas Khol (ÖVP)11,12
Richard Lugner (Unabhängig)2,26

Somit traten Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen am 22. Mai 2016 zur Stichwahl um das Amt des österreichischen Bundespräsidenten an. Dabei erhielt Alexander Van der Bellen 50,3 Prozent der Stimmen und lag damit nur knapp vor Hofer (49,7 Prozent). Wegen Unregelmäßigkeiten bei der Auszählung der Briefwahlstimmen in 14 Bezirken – die Wahlkarten wurden außerhalb einer Sitzung der Bezirkswahlbehörde geöffnet – hob der Verfassungsgerichtshof die Wahl auf. Eine Manipulation gab es laut Gericht jedoch nicht.

Der zweite Wahlgang der Österreich-Wahl 2016 musste somit wiederholt werden. Die Stichwahl war eigentlich für den 2. Oktober 2016 vorgesehen. Wegen fehlerhafter Briefwahlunterlagen wurde die Abstimmung auf den 4. Dezember 2016 verschoben. Dabei setzte sich erneut Alexander Van der Bellen mit 53,79 Prozent der Stimmen durch. Die Wahlbeteiligung lag bei 74,21 Prozent. (Max Schäfer)

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