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Österreich: Bewegte Republik in den Alpen

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Von: Max Schäfer

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Die Alpen prägen die Landschaft in Österreich.
Die Alpen prägen die Landschaft in Österreich. (Archivbild) © AustrianImages/Imago

Österreich hat als Urlaubsland viel zu bieten. Aber was zeichnet die Alpenrepublik sonst aus? Ein Überblick über Geschichte und Politik des Landes.

Wien – Österreich blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. In der Geschichte gehörte das Alpenland zu den prägendsten Staaten in Europa. Mittlerweile ist die ehemalige Habsburgermonarchie ein demokratischer Bundesstaat und Mitglied in der Europäischen Union.

NameÖsterreich
HauptstadtWien
Größe83.871 Quadratkilometer
Einwohnerzahl8.978.929 (Stand: 2022, Quelle: Statistik Österreich)
StaatsformParlamentarische Bundesrepublik
Bundespräsident (Staatsoberhaupt)Alexander Van der Bellen
Bundeskanzler (Regierungschef)Karl Nehammer (ÖVP)

Österreich: Die Geschichte der Alpenrepublik

Die Gebiete des heutigen Österreich gehörten lange zum Ostfrankenreich und zum Herzogtum Bayern. Im Jahr 996 wurde das Land erstmals in einer Schenkungsurkunde des Kaisers Otto III. an den Bischof von Freising als „Osterrichi“ erwähnt. Mit der Zeit übernahmen laut dem Historiker Thomas Winkelbauer auch die Österreicher:innen die ursprüngliche Fremdbezeichnung.

Im Jahr 1156 wurde Österreich schließlich von Kaiser Friedrich I. Barbarossa zum selbstständigen Herzogtum innerhalb des Heiligen Römischen Reichs erklärt. 270 Jahre herrschten die Babenberger als Markgrafen und Herzöge in Österreich. In dieser Zeit entwickelte sich bereits eine österreichische Identität.

Die Herrschaft der Habsburger in Österreich

Ab 1282 hatten die Habsburger die Herrschaft in Österreich inne. Über die Jahre erweiterten die Machthaber ihren Einfluss und konnten weitere Gebiete hinzugewinnen, darunter etwa Kärnten und Tirol. Zunächst blieben die einzelnen, von den Habsburgern beherrschten Gebiete jedoch unabhängige Länder. Erst Kaiser Maximilian I. übernahm die Initiative, die habsburgischen Staaten zu vereinen. Historiker:innen bezeichnen Österreich bis 1918 jedoch als „zusammengesetzte Monarchie“.

Franz II. war von 1792 bis 1806 letzter Kaiser des Heiligen Römischen Reichs. 1804 nahm er den Titel des Kaisers von Österreich an. Nachdem sich 16 Reichsfürsten 1806 dem von Napoleon gegründeten Rheinbund angeschlossen hatten, beerdigte Franz Josef das Heilige Römische Reich. Es folgte das Kaisertum Österreich, das von 1867 bis 1918 als Doppelmonarchie Österreich-Ungarn fortbestand.

Eine historische Karte zeigt die maximale Ausbreitung der Monarchie Österreich-Ungarn. Sie umfasst Gebiete der heutigen Republik Österreich, Ungarn, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina und Rumänien.
Neben den namensgebenden Ländern umfasste Österreich-Ungarn Gebiete der heutigen Staaten Tschechien, Slowakei, Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina und Rumänien. (Archivbild) © Kolvenbach/Imago

Österreichs demokratisches Zwischenspiel endet in der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs

Nach dem Ersten Weltkrieg zerfiel der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn in eine Reihe neuer Nationalstaaten, darunter die Tschechoslowakei, Jugoslawien und das eigenständige Ungarn. In Österreich übernahmen demokratische Kräfte die Initiative: Am 11. November 1918 verzichtete daraufhin der letzte habsburgische Kaiser Karl I. auf seinen Anteil an den Staatsgeschäften. Am 12. November 1918 wurde die Republik Deutschösterreich ausgerufen. Der Sozialdemokrat Karl Renner wurde erster Bundeskanzler des neuen demokratischen Österreichs.

Erster Bundeskanzler der Republik Österreich
NameKarl Renner
Geboren14. Dezember 1870 in Untertannowitz (Mähren)
Gestorben31. Dezember 1950 in Wien
ParteiSPÖ
Weitere politische ÄmterBundespräsident (1945–1950)

Von Krisen geplagte Anfänge der Demokratie in Österreich

Renner unterzeichnete im September 1919 auch den Friedensvertrag von Saint-Germain mit insgesamt 17 alliierten und assoziierten Staaten, darunter die USA, Italien, Großbritannien, Japan, Frankreich und China. Infolgedessen musste Österreich verschiedene Gebiete abtreten. Zudem wurden die Vereinigung mit Deutschland sowie der Name Deutschösterreich verboten.

Auch die erste österreichische Demokratie war von Krisen geprägt. Anfang der 1920er Jahre war die Alpenrepublik von der Inflation betroffen, 1929 folgte die Weltwirtschaftskrise. Auch autoritäre Kräfte bekämpften die demokratische Republik. 1933 entmachtete der damalige Bundeskanzler Engelbert Dollfuß das Parlament. Anschließend regierte er mithilfe des Notverordnungsrechts.

Der Weg zum autoritären Regime und österreichische Februarkämpfe 1934

Dollfuß und dessen Anhänger:innen bekämpften zudem linke Parteien und Organisationen in Österreich. Dazu zählte das Verbot der Kommunistischen Partei, auch Sozialdemokrat:innen wurden bekämpft. Als die Polizei am 12. Februar 1934 das Linzer Sekretariat der Sozialdemokratischen Partei nach Waffen durchsuchen wollte, wehrten sich die Anwesenden jedoch und eröffneten das Feuer.

Auch in anderen Arbeitergegenden brachen Kämpfe aus. In den bis zum 15. Februar andauernden Kämpfen starben mehr als 300 Menschen, zahlreiche Sozialdemokrat:innen wurden festgenommen. Anschließend verbot die Regierung auch diese Partei sowie Gewerkschaften und ihnen nahestehende Organisationen und schaltete damit endgültig die Opposition aus.

Die Machtübernahme der Nazis und der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich

Der selbst autoritär regierende Engelbert Dollfuß wurde bei einem Putschversuch der Nazis im Sommer 1934 ermordet. Der Umsturz und geplante Anschluss Österreichs an Deutschland scheiterten zunächst noch. Doch das deutsche NS-Regime übte immer weiter Druck auf die österreichische Regierung aus. Am 12. Februar 1938 traf sich Adolf Hitler mit Kanzler Kurt von Schuschnigg und bewirkte, dass das Verbot der österreichischen NSDAP aufgehoben wurde. Zudem wurden die Nationalsozialisten an der Regierung beteiligt.

Nach einer aufgrund von Mängeln in der Vorbereitung gescheiterten Volksabstimmung am 9. März 1938 und einem angedrohten Einmarsch deutscher Truppen trat Schuschnigg als Kanzler Österreichs zurück. Bundespräsident Wilhelm Miklas weigerte sich jedoch, den Nationalsozialisten Arthur Seyß-Inquart zum Kanzler zu ernennen. Der Einmarsch deutscher Truppen am 12. März 1938 und der „Anschluss“ Österreichs, den viele Deutsche und Österreicher:innen schon seit 1918 herbeigesehnt hatten, war die Folge.

Österreichs „Anschluss“ wurde am 10. April 1938 durch eine Volksabstimmung bestätigt. Beim Votum sprachen sich 99,73 Prozent der Österreicher:innen und 99,01 Prozent der Deutschen dafür aus. Die Abstimmung wurde von nationalsozialistischer Propaganda begleitet und war nach Einschätzung von Historiker:innen weder frei noch demokratisch. Die sogenannte Ostmark als Teil Hitler-Deutschlands war geschaffen.

Aufbau der zweiten Republik und warum Österreich nicht in der Nato ist

Bereits im April 1945 wurde erneut die Republik Österreich ausgerufen. Deren erster provisorischer Kanzler war wieder Karl Renner. Im November desselben Jahres fanden schließlich die ersten demokratischen Wahlen der zweiten Republik statt. Vollständig souverän war Österreich damit jedoch nicht. Ähnlich wie Deutschland war die Alpennation von den Siegermächten USA, Großbritannien, Frankreich und Sowjetunion in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Die Siegermächte hatten zudem die letzte Entscheidungsgewalt.

Der im Mai 1955 im Wiener Schloss Belvedere unterzeichnete Staatsvertrag zwischen Österreich und den USA, Großbritannien, Frankreich sowie der Sowjetunion brachte der Alpenrepublik schließlich wieder die volle Souveränität. Eine politische Bedingung vonseiten der Sowjetunion war jedoch die Neutralität Österreichs, weshalb das Land bis heute nicht Mitglied der Nato ist. Auch beim Beitritt in die Europäische Union (EU) 1995 hat Österreich seine militärische Bündnisfreiheit beibehalten.

Das politische System Österreichs

Österreich ist eine parlamentarische Bundesrepublik, die auf den Grundsätzen der Verfassung von 1920 beruht. Das politische System besteht aus mehreren Ebenen. An der Spitze Österreichs steht jedoch die Bundespräsidentin bzw. der Bundespräsident, welche:r das Staatsoberhaupt darstellt. Er oder sie wird alle sechs Jahre direkt von den Bürger:innen bei der Bundespräsidentenwahl in Österreich gewählt und kann sich nur einmal wiederwählen lassen.

Das sind die Aufgaben der österreichischen Bundespräsidentin bzw. des Bundespräsidenten im Überblick:

Das österreichische Parlament ist in den Nationalrat und den Bundesrat aufgeteilt. Die 183 Abgeordneten des Nationalrats werden alle fünf Jahre per Verhältniswahl von den Bürger:innen gewählt. Zu den wichtigsten Aufgaben gehören die Gesetzgebung und die Kontrolle der Regierung. Der Nationalrat wählt zwar nicht die Regierung, kann ihr aber das Misstrauen aussprechen und sie so abwählen. Im Bundesrat sitzen Vertreter:innen der Bundesländer. Die Sitze werden verhältnismäßig zur Bevölkerungszahl vergeben.

Mit der Bildung der Regierung wird in Österreich in der Regel die Partei beauftragt, die bei den Nationalratswahlen die meisten Stimmen erhalten hat. Aufgrund des Verhältniswahlsystems muss diese normalerweise eine Koalition mit mindestens einer weiteren Partei bilden. An der Spitze steht schließlich die Bundeskanzlerin bzw. der Bundeskanzler.

Österreichs neun Bundesländer

Österreich ist ähnlich wie Deutschland ein Bundesstaat. Die Alpenrepublik ist daher in neun Bundesländer aufgeteilt, die eigene Verfassungen, Parlamente (Landtage) und Regierungen haben:

Niederösterreich ist das flächenmäßig größte Bundesland. Dagegen ist die Hauptstadt Wien mit etwa 1,9 Millionen Einwohner:innen nicht nur die größte Stadt, sondern auch das einwohnerstärkste Bundesland Österreichs. Etwa 20 Prozent der österreichischen Bevölkerung leben in der Hauptstadt.

Österreichs Wirtschaft: Wovon lebt die Alpenrepublik?

Die österreichische Wirtschaft ist vom Tourismus geprägt. Vor Beginn der Corona-Pandemie machte der Tourismus 7,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Etwa 30,3 Milliarden Euro Umsatz machte die Branche 2019. Die meisten Besucher:innen kommen aus Deutschland, den Niederlanden, Schweiz, Liechtenstein, Tschechien und Italien.

Aber auch Handel und Industrie spielen eine wichtige Rolle. Das sind laut der Wirtschaftskammer Österreichs die wichtigsten Industriezweige:

Österreichs Geografie und Klima: Alpen, Alpenvorland und weite Ebenen

Österreich ist aufgrund seiner Lage in den Alpen vor allem für seine Berglandschaft bekannt. Ein Großteil der Fläche, nämlich 52.600 Quadratkilometer, liegen in der europäischen Gebirgskette. Mit 3798 Metern ist der Großglockner der höchste Berg des Landes. Die Gebirgszüge der Alpen sind zudem von mehreren längeren Tälern geprägt.

Das sind die zehn höchsten Berge Österreichs im Überblick:

  1. Großglockner: 3798 Meter
  2. Kleinglockner: 3770 Meter
  3. Wildspitze: 3768 Meter
  4. Weißkugel: 3739 Meter
  5. Pöschelturm: 3721 Meter
  6. Hörtnagelturm: 3719 Meter
  7. Hofmannspitze: 3711 Meter
  8. Weitzenböckturm: 3702 Meter
  9. Draschturm: 3701 Meter
  10. Gerinturm: 3700 Meter

Zudem ist die Landschaft Österreichs von weiten Ebenen entlang der Donau, in der südlichen Steiermark, im Alpenvorland und im Wiener Becken gekennzeichnet.

Auch das Klima in Österreich ist von den Alpen geprägt. Innerhalb weniger Kilometer können sich dadurch erhebliche Unterschiede ergeben. Grundsätzlich ist das Klima der Alpenrepublik der gemäßigten Zone zuzuordnen. Besonders im Westen und Norden sind ozeanische Einfluss bemerkbar, während im Osten des Landes bereits Merkmale des kontinentalen Klimas mit weniger Niederschlägen, warmen Sommern und kalten Wintern bemerkbar sind. Der Süden Österreichs wird dagegen vom Mittelmeerraum beeinflusst. (Max Schäfer)

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