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Ganz sicher eine Richtungswahl – jedenfalls für die Sozialdemokratin Rendi-Wagner.

Österreichs Sozialdemokraten

Genossin im Club der Machos: Polternde Männer machen SPÖ-Chefin das Leben schwer

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Parteichefin Pamela Rendi-Wagner tut sich mit Österreichs Sozialdemokraten schwer: Von polternden Männern und sexistischen Ausfällen. 

Sie wirbt im Fernsehen für sich, sie wirkt engagiert, sie kämpft. Obwohl sich Pamela Rendi-Wagner einsetzt, kommt die Sozialdemokratie nicht vom Fleck, sondern liegt in Umfragen nur knapp vor der Freiheitlichen Partei bei etwa 22 Prozent. Und von der Ibiza-Affäre, über die die Mitte-Rechts-Koalition zerbrach, kann die größte Oppositionspartei nicht profitieren.

Der Vorwurf aus den eigenen Reihen an Rendi-Wagner ist, dass sie ihren Neuwahlantrag, mit dem die Regierung gestürzt wurde, nicht mit einer Erzählung im Interesse der SPÖ verbinden konnte. Vor den österreichischen Parlamentswahlen am 29. September scheint festzustehen: Die Roten werden nicht mitregieren. Das hat auch viel mit dem zerrütteten Verhältnis zum Ex-Koalitionspartner ÖVP zu tun. In der SPÖ gibt es kaum jemanden, der Sebastian Kurz über den Weg traut. Seine Truppe hatte 2017 die Koalition mit den Roten gesprengt. Es denkt aber auch kaum jemand, dass Kurz mit den Roten zusammenarbeiten will. Vielleicht wird der Wahlkampf von Rendi-Wagner auch deshalb nicht wirklich ernst genommen.

Pamela Rendi-Wagner kämpft mit polternden SPÖ-Männern 

Zudem hat Rendi-Wagner mit einem alten Flügelkampf und Konkurrenten in der eigenen Partei zu tun. Da ist etwa Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, der im Burgenland bereits mit der FPÖ koaliert. Er steht für eine ganz andere SPÖ als die Wienerin Rendi-Wagner vom urbanen Flügel, die eine Kooperation mit der FPÖ auf Bundesebene kategorisch ausschließt.

In ihrer Partei gibt es polternde Männer, die mit der gebildeten Frau nichts anfangen können. Oft hat man den Eindruck, dass die Partei sich nicht hinter Rendi-Wagner stellt. Manchmal untergraben die SPÖ-Machos die frauenpolitische Agenda der Chefin, so wie der Tiroler Sozialdemokrat Gregor Dornauer. Über eine Grünen-Politikerin sagte er: „Ich will mir die Landesrätin nicht in der Horizontalen vorstellen.“ Doch das Problem der SPÖ reicht noch weiter: Bei weniger gebildeten Männern in der Partei löst die differenzierte Rendi-Wagner einen Minderwertigkeitskomplex aus.

Tatsächlich wirkt sie nicht entspannt, ihre Gestik scheint mitunter einstudiert. Doch ihr Interesse an sozialen Anliegen nimmt man der 47-Jährigen ab. So wirbt sie für einen steuerfreien Mindestlohn von 1700 Euro, der durch eine Erbschaftssteuer finanziert werden soll. Außerdem will sie den öffentlichen Nahverkehr fördern und setzt sich für bezahlbares Wohnen ein.

Pamela Rendi-Wagner ist nicht öko genug

Wenn Rendi-Wagner aber versucht, direkt den „kleinen Mann“ anzusprechen und sich vehement gegen eine „Fleischsteuer“ ausspricht, so nimmt man ihr das nicht ab. Dann wirkt sie wie eine, die gerne Forelle mit Blattsalat isst, aber so tun muss, als würde sie sich an Leberkäse ergötzen.

Mit ihrer Ausstrahlung könnte sie eigentlich auch Grünen-Chefin sein. Doch für Öko-Wähler bietet die rote Parteichefin nicht genug Klimaschutz. Sie spricht sich sogar gegen eine CO2-Steuer aus. Zudem lehnt Rendi-Wagner eine Aufnahme der Flüchtlinge ab, die vor der Küste Italiens auf einen Heimathafen hoffen.

Rendi-Wagners Sozialdemokraten gelingt es nicht mehr, Arbeiter und Akademiker gleichermaßen zu halten: 59 Prozent der Arbeiter wählten 2017 FPÖ. Bei ihnen kam die SPÖ auf gerade einmal 19 Prozent. Die Roten haben außerdem mit dem Umfragehoch der Grünen zu kämpfen. Sollte die SPÖ am 29. September bei den prognostizierten 22 Prozent landen, steht die Partei vor einer neuen Führungsdebatte.

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