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Islam in Österreich

Österreich: Islam-Landkarte sorgt für Aufregung – Muslime besorgt

  • Alexander Seipp
    VonAlexander Seipp
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Verbände und Opposition in Österreich schlagen Alarm, die ÖVP sieht kein Problem: Die Integrationsministerin verteidigt eine umstrittene Islam-Landkarte.

Wien – 623 muslimische Organisationen, Verbände und Moscheen: In Österreich sorgt derzeit eine „Islam-Landkarte“ für Aufsehen. Die Karte listet deren Hauptsitze auf – und zwar unabhängig davon, ob sie überhaupt islamistisch-antidemokratische Tendenzen haben, wie Vertreter:innen von Muslimen und der Opposition kritisierten. Die zuständige „Dokumentationsstelle für den politischen Islam“ hatte die ÖVP im aktuell geltenden Koalitionsvertrag mit den Grünen durchgeboxt.

Österreichs Integrationsministerin Susanne Raab von der Österreichischen Volkspartei verteidigte das Projekt gegen die Kritik an der „Landkarte des politischen Islam“. Es gehe nicht um einen Generalverdacht gegen Muslime, sondern um einen gemeinsamen Kampf gegen den politischen Islam als Nährboden für Extremismus, sagte sie der Welt. Weshalb sich dann gemäßigte Organisationen und Verbände auf der Landkarte finden, sagte sie allerdings nicht. Die ÖVP war in der Vergangenheit immer mit islamfeindlichen Äußerungen aufgefallen. Auch das Verbot des Kopftuchs an Schulen hat die rechts-konservative Regierung schon umgesetzt.

Islam-Landkarte in Österreich: Muslime warnen vor Stigmatisierung

Die interaktive Karte zeige den Drang der Regierung, „alle in Österreich lebenden Musliminnen und Muslime als potenzielle Gefahr zu stigmatisieren“, teilte die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) mit. Das Projekt fördere Rassismus gegen Muslime. Scharfe Kritik kam auch von den österreichischen Grünen. Dieses Projekt, so sagte Integrationssprecherin Faika El-Nagashi, sei genau das Gegenteil davon, wie man sich gelungene Integrationspolitik vorstellen müsse. Überraschend ist das nicht, schließlich unterscheidet sich die ÖVP wenig von der noch radikaleren FPÖ mit der sie bis zur Strache-Affäre eine Regierung stellte.

Österreichs Integrationsministerin Susanne Raab versteht die Kritik an der Islam-Landkarte für Österreich nicht.

Tarafa Baghajati, Obmann der Initiative muslimischer Österreicher (IMÖ) sagte im Österreichischen Rundfunk (ORF): „Können Sie sich vorstellen, dass eine solche Karte des Judentums oder des Christentums in Österreich erstellt werden könnte?“ Acht Prozent der Bevölkerung Österreichs seien Muslime, die mit dieser Karte mit Terroristen über einen Kamm geschert werden. Die Muslimische Jugend Österreichs (MJÖ) hat mittlerweile angekündigt, gegen die Karte zu klagen.

Österreich: Integrationsministerin versteht Kritik an Islam-Landkarte nicht

Auch der Europarat forderte laut dpa die Zurückziehung der Landkarte. Sie „schieße über das Ziel hinaus“ und sei „potenziell kontraproduktiv“, hieß es in einer Stellungnahme des Sonderbeauftragten für muslimfeindliche Intoleranz und Hassverbrechen, Daniel Höltgen. Muslime fühlten sich durch die Karte stigmatisiert und insbesondere durch die Veröffentlichung von Adressen und anderer Details in ihrer Sicherheit bedroht.

Raab scheint diese Besorgnis nicht zu verstehen. Eine Gefährdung könne die ÖVP-Politikerin nicht erkennen. Kein Wunder: Die ÖVP und die rechte FPÖ überbieten sich im Wahlkampf regelmäßig mit islamfeindlichen Äußerungen. „Wenn jemand jetzt sagt, man gründet einen islamischen Verein, weil aber nicht, dass jemand weiß, oder gar, was man tut und wer man ist, das zeigt das genau das Problem“, sagte sie. „Nämlich, dass man doch lieber in privaten Hinterzimmern predigt.“ Die Karte sei doch auch im Interesse der Muslime, die mit extremistischen Strömungen nichts zu tun haben wollen. „Sie wollen doch auch wissen, in welche Moschee sie gehen und welche Strukturen und Ideologien dahinterstehen“. (als mit dpa)

Rubriklistenbild: © Herbert Neubauer/dpa

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