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Die hohen Fördermengen in den USA entspannen den Ölmarkt. (Symbolbild)

Handel

Der Ölpreis bleibt bisher stabil

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Hohe Fördermengen in den USA wirken ausgleichend auf den Handel

Stets hatten Krisen im Nahen Osten Auswirkungen auf den Ölpreis und damit auf die Geldbörsen von Autofahrern und Besitzern von Ölheizungen in Deutschland. Doch dieses Mal könnte es anders kommen – auch wenn die Mineralölwirtschaft schon vor steigenden Preisen warnt.

Denn die Ölmärkte reagierten am Donnerstag relativ entspannt auf die mutmaßlichen Attacken im Golf von Oman: Der Ölpreis schoss kurz hoch, sank aber wieder auf das Ausgangsniveau. Und am Freitag hinterließen die Vorwürfe der USA in Richtung Iran fast gar keine Spuren im Ölhandel. Dabei haben die Schuldzuweisungen durchaus geopolitische Sprengkraft.

Die Spannungen am Golf hält auch Rainer Wiek, Experte beim Energieinformationsdienst, für „eine veritable Krise“. Schließlich passierten 32 Prozent der globalen Ölproduktion die Meeresenge. Trotzdem sagt er: „Wenn da nicht die ganz große Eskalation kommt, sehen wir kein anderes Preisniveau.“

Dass die Märkte bislang gelassen mit dem Konflikt umgehen, überrascht Wiek nicht. Denn die Ölproduktion im Nahen Osten habe längst nicht mehr den gleichen Stellenwert wie früher, erläutert Wiek. „Der Golf ist nicht mehr das Öl-Herz der Welt“, sagt er. Grund seien die deutlich gestiegenen Ölfördermengen in den USA.

Bisher keine Verknappung

Dort wird mittlerweile im großen Stil Öl gewonnen, oft mittels unkonventioneller Bohrtechniken, zum Beispiel durch das umstrittene Fracking. „Das hat den Markt komplett verändert“, so der Experte. Preisausschläge durch einzelne Krisen würden so abgemildert, zudem habe die aktuelle Krise am Golf ja bisher keine reale Verknappung des weltweiten Ölangebots bewirkt.

Hinzu komme, dass der Ölpreis zuletzt ohnehin gesunken sei. Denn die schwächelnde Weltkonjunktur drückt laut Wiek auf die Nachfrage. Zwar habe die OPEC mittlerweile die Fördermengen reduziert und so das Angebot verknappt, „aber die USA produzieren ja wie verrückt weiter“.

Für die Preise an Tankstellen in Deutschland sind die Weltmarktpreise für Rohöl ohnehin nicht der einzige entscheidende Faktor. „Die Preisbildung vom Weltmarkt bis zum Kunden geht über die geopolitische Ebene hinaus“, erläutert Wiek. Das erklärt auch, warum der Preissturz beim Rohöl in den vergangenen Wochen noch nicht bei deutschen Kunden angekommen ist. Denn die Verarbeitung des wertvollen Rohstoffes in Deutschland läuft laut Wiek nach Problemen mit hiesigen Pipelines und Raffinerien nicht auf vollen Touren. Außerdem steht der Sommer und damit die Ferienzeit an, was ebenfalls für höhere Benzinpreise sorgt.

Er warnt aber auch, dass eine Verschärfung des Konflikts am Golf sich durchaus an Tankstellen widerspiegeln würde. „Wenn es in der Region wirklich brennt, hat das natürlich Auswirkungen.“

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