1. Startseite
  2. Politik

Putin führt Russland in den Ruin - Wirtschaft vor „dramatischem Einbruch“

Erstellt:

Von: Tim Vincent Dicke

Kommentare

Der EU-Preisdeckel für Öl wird in Russland drastische Schäden anrichten, sagt ein Experte. Mit Putin werde das Land in den Untergang gerissen.

Moskau – Nach außen versucht Wladimir Putin Russland als blühende Nation darzustellen. Die westlichen Sanktionen gegen die russische Wirtschaft würden Europa viel stärker treffen, so das Narrativ des Kreml-Chefs. Doch entspricht diese Darstellung tatsächlich der Wahrheit?

Mit dem achten von den EU-Staaten auf den Weg gebrachten Sanktionspaket soll insbesondere der russische Ölsektor getroffen werden. Vereinbart zwischen den Ländern wurde unter anderem ein Preisdeckel für russisches Öl, damit die Einnahmen der wichtigen Industrie sinken – und die Finanzierung des Ukraine-Konflikts behindert wird. Russland muss sein Öl künftig für einen deutlich niedrigeren Preis verkaufen als derzeit, so die Annahme.

Ukraine-Krieg führte zu drastischen Russland-Sanktionen

Der Transport auf dem Seeweg von russischen Erdölprodukten soll weltweit nur noch möglich sein, wenn das Öl unter dem Preis gekauft wurde, den der Preisdeckel festlegt. Funktionieren soll die Maßnahme, indem wichtige Dienstleistungen wie Versicherungen für Öltransporte an die Einhaltung der Sanktionen geknüpft werden. Einen konkreten Maximalpreis gibt es derzeit aber noch nicht.

Russlands Präsident Putin
Führt einen schleppenden Feldzug gegen die Ukraine: der russische Staatspräsident Wladimir Putin. (Archivbild) © Gavriil Grigorov/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zeigte sich angesichts der Entscheidung zufrieden. „Ich begrüße die heutige Einigung der Mitgliedstaaten auf das achte Sanktionspaket“, schrieb die deutsche Politikerin am 5. Oktober auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. „Wir haben schnell und entschlossen gehandelt. Wir werden weder Putins Scheinreferenden noch irgendeine Art von Annexion in der Ukraine akzeptieren.“ Die EU sei entschlossen, den Kreml „weiterhin zur Kasse“ zu bitten.

Öl und Gas im Fokus: Putin zeigt sich nicht beeindruckt

Doch Putin zeigt sich von den Sanktionen bisher unbeeindruckt. Der Verzicht auf russisches Öl und Gas würde den Menschen in Europa viel mehr schaden als der Russischen Föderation, sagt der Staatspräsident immer wieder. Es sei „unmöglich“, sein Land international zu isolieren, so Putin im September auf Wirtschaftsforum in Wladiwostok. Die russische Wirtschaft könne mit der Situation umgehen. „Egal, wie sehr manche Russland isolieren wollen, es ist unmöglich, dies zu tun.“

Der Ökonom Jacob Nell sieht das anders. Seiner Meinung nach könnte der Preisdeckel zu einem scharfen Schwert gegen die Regierung von Putin werden. „Uns muss klar sein, dass Europa bisher immer noch der größte Einzelimporteur von russischem Öl war. Das wird jetzt abrupt enden. Es wird im kommenden Jahr einen dramatischen Einbruch der Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft geben“, sagte der Experte im Interview mit ntv.

Putins Russland „abgeschnitten von westlicher Technologie“

Russland müsse massive Rabatte anbieten, um das Öl überhaupt verkaufen zu können. „Wir werden einen Preisabschlag von deutlich über 35 Dollar pro Barrel – der Stand in den Monaten unmittelbar nach dem Ausbruch des Krieges – für russisches Öl sehen, vermutlich sogar bis hin zu 50 Dollar, während wir derzeit eher bei 25 Dollar liegen“, erklärte Nell. Sollten Ölembargo und Preisdeckel kommen, „landet Russland im kommenden Jahr bei Einnahmen von unter 150 Milliarden Dollar, was weniger als die Hälfte der Einnahmen aus diesem Jahr ist“, fügte er hinzu.

Sollte Russland den Ukraine-Krieg gewinnen, Putin bliebe aber an der Macht, wären die wirtschaftlichen Aussichten extrem düster. „Russland würde dann ein Rohstofflieferant für die Entwicklungsländer – abgeschnitten von westlicher Technologie, Finanzen und Märkten“, so Experte Jacob Nell. (tvd)

Auch interessant

Kommentare