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Arabische Emirate – Die Hoffnung gegen den steigenden Ölpreis

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Von: Monja Stolz

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Nach einem starken Anstieg entspannen sich die Ölpreise aktuell wieder.
Nach einem starken Anstieg entspannen sich die Ölpreise aktuell wieder. © Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Die Ölpreise geben nach einem heftigen Anstieg wieder nach. Einer der Auslöser dürfte eine Ankündigung der Vereinigten Arabischen Emirate sein.

Frankfurt – Der Ukraine-Krieg wirkt sich nicht nur auf das angegriffene Land selbst aus. Auch in Deutschland und anderen Ländern hinterlässt der Krieg Spuren, vor allem was die Ölpreise betrifft. Zu Beginn der Woche stiegen diese auf den höchsten Stand seit 2008. Für die Nordseesorte Brent stieg der Preis auf 139,13 Dollar je Barrel. Am Mittwoch (09.03.22) sind die US-Öl-Preise dann schlagartig wieder um zwölf Prozent gesunken. Ein Barrel Brent-Öl kostet nun 109 Dollar. Hinter dem plötzlichen Rückgang stecken unter anderem Aussagen, die der Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) in Washington, Yousef Al Otaiba, am Mittwoch gegenüber CNN machte.

Grund für die zunächst stark angestiegenen Ölpreise sind die Sanktionen, die viele Länder gegen Russland verhängten. Die USA stoppten beispielsweise am Dienstag (08.03.22) die russischen Erdöl- und Erdgasimporte. Europa tat dies nicht, dennoch tragen die Sanktionen gegen russische Finanzinstitute und die Besorgnis über die Fähigkeit, russisches Öl zu transportieren, für einen Risikoaufschlag bei den Ölpreisen.

Vereinigte Arabische Emirate wollen OPEC-Staaten zur Ölproduktion ermutigen

Hoffnung in der Situation gibt es jetzt vonseiten der VAE: Otaiba erklärte gegenüber CNN, dass das Land die Ölproduktion erhöhen möchte und das Kartell der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) ermutigen wird, das gleiche zu tun. Der Organisation gehören zurzeit 13 Staaten an, unter anderem auch der Iran, der Irak und Saudi-Arabien.

Wenn die VAE es schaffen, OPEC zu ermutigen, die Ölproduktion zu erhöhen, könnte es eine Entspannung auf dem Ölmarkt geben.
Wenn die VAE es schaffen, OPEC zu ermutigen, die Ölproduktion zu erhöhen, könnte es eine Entspannung auf dem Ölmarkt geben. © Barbara Gindl/dpa

Auch der Irak erklärte laut aktuellen Berichten, dass das Land seine Ölproduktion erhöhen könne, wenn die OPEC+ – eine Kooperation von OPEC mit Nicht-OPEC-Staaten – darum bitte. Saudi-Arabien hat sich bisher noch nicht geäußert. Ein Problem für das von Saudi-Arabien geführte Kartell ist, dass Russland einer der verbündeten Produzenten ist. Zunächst hatte sich die Gruppe darauf geeinigt, den Markt schrittweise mit Öl zu versorgen, und damit dem Druck der Industrieländer zu trotzen, mehr zu tun, um die Preise zu senken.

Vereinigte Arabische Emirate wollen mit Ölproduktion Weltwirtschaft stabilisieren

Ein Grund für den Sinneswandel ist aus dem an das Gespräch anschließende Statement, das die Botschaft der VAE auf Twitter postete, abzulesen: „Die VAE sind seit mehr als 50 Jahren ein zuverlässiger und verantwortungsbewusster Energielieferant für die Weltmärkte und sind der Ansicht, dass die Stabilität der Energiemärkte für die Weltwirtschaft von entscheidender Bedeutung ist.“ Die VAE fürchten also einen Einbruch der Weltwirtschaft. Andy Lipow, Präsident der Beratungsfirma Lipow Associates vermutete gegenüber CNN, dass sich die OPEC-Führer wahrscheinlich daran erinnern, was 2008 geschah, als der Ölpreis auf über 145 Dollar pro Barrel anstieg, nur um Monate später abzustürzen, als die Weltwirtschaft im Zuge der Finanzkrise zusammenbrach.

Ein weiterer Grund für den Sinneswandel der OPEC-Staaten könnte von der Hoffnung herrühren, Europa langfristig dazu zu bringen, auf russisches Öl zu verzichten und stattdessen OPEC-Rohöl zu importieren. Dieser Standpunkt könnte auch Saudi-Arabien dazu bringen, mitzuziehen. „Die VAE sagen im Wesentlichen zu Saudi-Arabien und Kuwait: ‚Lasst uns unsere freien Kapazitäten nutzen, damit die Europäer nicht länger von Russland abhängig sind“, sagte Lipow. „Das ist eine 180-Grad-Wende“, die es Europa ermöglichen könnte, weniger von Russland abhängig zu sein. (Monja Stolz)

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