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Zum Gruseln: Donald Trump wird gerne als Halloweenkostüm benutzt

US-Wahlen

Ökonomen fürchten Trumps Pläne

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Der republikanische Kandidat bei der US-Präsidentenwahl sieht sich als Business-Experte. Seine Wirtschaftspolitik könnte allerdings fatale Folgen haben.

Das Rennen um die US-Präsidentschaft geht in die letzte Runde und noch immer hat Donald Trump Siegeschancen. Das beunruhigt die Wirtschaft. Nach den jüngsten Veröffentlichungen zu Hillary Clintons E-Mails reagierten die Börsen in Asien und Europa am Montag mit Kursabschlägen. Auch unter Ökonomen ist man sich nicht ganz sicher, dass Clintons Vorsprung trägt. Zu gut erinnert man sich an die letzte Fehleinschätzung: „Wie der Ausstieg Großbritanniens aus der EU gezeigt hat, kann der Ausgang einer emotionalen Wahl erstaunlich sein“, sagt Ralf Wiedenmann von der Bank Vontobel. Die Citibank warnt vor einer globalen Rezession – von der gerade Deutschland betroffen wäre.

Trump mag selbst viel von seinem Geschäftssinn halten, doch für sein Wirtschafts-Programm haben Ökonomen nur Spott übrig. „Luftschlösser“, nennt der Wirtschaftswissenschaftler William Gale sein Steuerkonzept. Die Pläne zur Deregulierung „ergeben überhaupt keinen Sinn“, rügt Simon Johnson, Ex-Chefökonom des Internationalen Währungsfonds. Trumps Handelspolitik „würde die Situation viel, viel schlimmer machen“, mahnt Nobelpreisträger Joseph Stiglitz.

Das Handelsdefizit als Beleg

Die US-Wirtschaft ist zwar in den vergangenen Jahren gut gelaufen, doch Millionen wurden abgehängt, die Kluft zwischen arm und reich wächst. Laut Stiglitz ist das mittlere Einkommen eines männlichen Vollzeit-Arbeitnehmers heute niedriger als vor 42 Jahren. Von einer gut bezahlten vollen Stelle könnten viele nur noch träumen. Abzüglich Inflation haben die ärmsten US-Haushalte heute nicht mehr Geld zur Verfügung als vor 60 Jahren. In der gleichen Zeit hat sich die Wirtschaftsleistung fast versechsfacht. Die Früchte ernteten vor allem reiche Amerikaner. Wie Trump.

Ausgerechnet der liefert den Unzufriedenen einen Schuldigen: das Ausland. Internationale Handelsverträge würden die USA benachteiligen. Länder wie Japan, Mexiko, Deutschland und vor allem China verdienten Milliarden am Export in die USA, das führe zu einem Niedergang amerikanischer Unternehmen und massenhaften Stellenverlusten. Als Beleg dient Trump das amerikanische Handelsdefizit, das bei Waren 500 Milliarden Dollar beträgt. Innerhalb von nur zwei Jahren will er es beseitigen, indem er die Freihandelszone mit Mexiko und Kanada neu verhandelt, um den USA mehr Exportmöglichkeiten zu bieten. Aus dem TPP-Abkommen mit asiatischen Ländern sollen die USA aussteigen. Es sei eine „Vergewaltigung unseres Landes“, sagte Trump im Juni. Beenden will er auch die Verhandlungen über das TTIP-Abkommen mit der EU. Die Regeln innerhalb der Welthandelsorganisation WTO wiederum sollen zu Gunsten der USA und zu Ungunsten von Ländern wie Mexiko und Deutschland geändert werden.

Herzstück seines Programms allerdings ist eine umfassende Steuersenkung: Reiche sollen etwas stärker belastet werden, die Mittelschicht wird entlastet, bis zu einem Einkommen von 25 000 Dollar soll die Steuer ganz entfallen. Die Unternehmensteuer will Trump von 35 auf 15 Prozent kappen. Die Immobiliensteuer würde der Immobilien-Investor am liebsten ganz abschaffen.

Das gibt es nicht umsonst. Laut Schätzungen des Committee for a Responsible Federal Budget würde Trumps Generosität den Staat rund 5000 Milliarden Dollar über zehn Jahre kosten. Doch der Kandidat sieht kein Problem: Steuersenkungen und Deregulierung würden das Wirtschaftswachstum von derzeit durchschnittlich zwei auf 3,5 Prozent hieven. Die Folge sollen Mehreinnahmen und Millionen von Jobs sein.

„Es ist ein Märchen“

Daran glaubt allerdings kaum ein Ökonom. „Die Vorteile der Deregulierung sind vollständig übertrieben“, schimpft Ex-IWF-Chefökonom Johnson. „Auf magische Weise verschwindet das Handelsdefizit, was wiederum ein Job-Wunder produziert. Es ist ein Märchen.“ Rudolf Besch von der Deka Bank nennt Trumps Wachstumserwartungen vorsichtig „unwahrscheinlich hoch“. Tatsächlich würden die Steuersenkungen wohl zu gigantischen Einnahmeausfällen führen und so die US-Schulden aufblähen. Trumps „Steuerpläne werden die Staatsfinanzen zerrütten“, prognostiziert Bernd Weidensteiner von der Commerzbank.

Auch die härtere Gangart in der Handelspolitik könnte die Amerikaner teuer zu stehen kommen. Wortwörtlich: Zölle gegen billige Importe machen ihr Leben teurer. Zudem droht die Gefahr von Handelskriegen, wenn die anderen Ländern zu Gegenmaßnahmen greifen. Das Trump-Lager fürchtet das nicht. Japan, Deutschland oder Mexiko würden sich der harten Haltung Trumps beugen, so der kalifornische Ökonom Peter Navarro, der dessen Wirtschaftsprogramm verfasst hat. „Sie brauchen uns mehr als wir sie, sie haben mehr zu verlieren als wir“, sagte er einmal.

Auf die deutsche Wirtschaft hätte ein Präsident Trump wohl deutliche Auswirkungen. Eine höhere Inflation in den USA bedeutet höhere Zinsen, dies wäre auch in Europa zu spüren. Vor allem aber sind die Vereinigten Staaten Deutschlands wichtigster Handelspartner: Waren und Dienstleistungen im Wert von mehr als 114 Milliarden Euro wurden im vergangenen Jahr dorthin verkauft. „Unsere Unternehmen sind international ausgerichtet“, warnte jüngst Ulrich Grillo, Chef des Bundesverbandes der deutschen Industrie. „Neue Handelsbarrieren würden ihnen enorm schaden.“ Anderes wird hingegen von Clinton erwartet. Zwar hat auch sie sich gegen neue Freihandelsverträge ausgesprochen. Doch insgesamt, so Deka-Ökonom Besch, „lässt sich ihr wirtschaftspolitisches Programm leicht zusammenfassen: weiter so“.

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